Bahai im Iran

Verteufelt und verfolgt

Irans Bahai-Gemeinde ist seit der Präsidentschaft Ahmadinejads zunehmenden Repressalien ausgesetzt. Mitte Januar wurden erneut sechs Bahai festgenommen. Wie wird in Deutschland für die Unterstützung der Bahai geworben? Kian Badrnejad berichtet.

Irans Bahai-Gemeinde ist seit der Präsidentschaft Ahmadinejads zunehmenden Repressalien ausgesetzt. Mitte Januar wurden erneut sechs Bahai festgenommen. Wie wird in Deutschland für die Unterstützung der Glaubensgemeinschaft geworben? Kian Badrnejad berichtet.

Zerstörtes Bahai-Heiligtum in Babol, Iran; Foto: Bahai International Community
Bis heute sind die Bahai Übergriffen und Verfolgungen in der Islamischen Republik ausgesetzt - zerstörtes Bahai-Heiligtum im iranischen Babol.

​​Im vergangenen Monat wurde im Iran erneut eine Gruppe von sechs Bahai verhaftet. Über diese Verhaftung wurde ausgiebig in den Medien berichtet, da eine der Verhafteten als Sekretärin in dem Verein der Menschenrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi tätig war.

Auch ansonsten hat sich die Lage der Religionsgruppe seit dem Amtsantritt von Präsident Mahmud Ahmadinejad stetig verschlechtert. So sind bereits im letzten Jahr die Mitglieder des Leitungsgremiums der Bahai im Iran - unter dem Vorwurf der Spionage für Israel - festgenommen worden.

Ein Justizsprecher in Teheran hatte jüngst angekündigt, dass in Kürze der Prozess gegen die sieben inhaftierten Bahai beginnen werde. Dabei ist bislang nicht klar, ob es sich um die im Januar Verhafteten handelt.

Ursprünge der Bahai-Religion

Die Glaubensgemeinschaft der Bahai war im Iran des 19. Jahrhunderts aus einer Abspaltung des schiitischen Islams hervorgegangen. Sie verbreitete sich schnell auf der ganzen Welt und besitzt nun Anhänger auf allen Kontinenten. Schätzungen zufolge sollen der mystisch geprägten Bahai-Religion weltweit rund 7,5 Millionen Anhänger angehören, darunter etwa 350.000 im Iran.

In der Islamischen Republik ist die Religion seit der Revolution von 1979 verboten. Ihre Mitglieder müssen jederzeit mit Verfolgungen rechnen. Nachdem sich die Lage in den 1990er Jahren etwas beruhigt hatte, haben sich die Repressionen in den letzten Jahren wieder verstärkt.

Dies ruft Erinnerungen an die Zeit unmittelbar nach der Islamischen Revolution wach, als im

Schirin Ebadi; Foto: AP
Die sieben inhaftierten Bahai-Mitglieder müssen sich von dieser Woche an wegen angeblicher Spionage für Israel vor Gericht verantworten. Als Verteidigerin soll Friedensnobelpreisträgerin Schirin Ebadi auftreten.

​​ Iran ungefähr 200 Bahai hingerichtet wurden. In dieselbe Richtung geht die Zerstörung des Khawaran-Friedhofs nördlich von Teheran, auf dem neben anderen Opfern aus der Zeit der Hinrichtungswelle aus dem Jahr 1988 auch 15 Bahai begraben sein sollen.

Jetzt hat eine Gruppe von im Ausland lebender Iraner einen offenen Brief geschrieben, in dem sie die Situation der Bahai im Iran beklagt und sich für ihr Schweigen in der Vergangenheit entschuldigt.

Gibt es nach den letzten Verhaftungen ein neues Bewusstsein für die Lage der Bahai im Iran? Besteht in Deutschland aufgrund der relativ guten wirtschaftlichen Beziehungen zum Iran eine besondere Vorsicht im Umgang mit diesem Thema? Und wie sieht es in anderen europäischen Ländern aus?

Unterstützung in Großbritannien

In Großbritannien beispielsweise existiert eine überparteiliche Gruppe aus Parlamentariern und Diplomaten, die sich speziell die Unterstützung der Bahai auf die Fahnen geschrieben hat - die "All-Party Parliamentary Bahai Group".

Dieses Bündnis versucht, die Unterdrückung der Bahai auf die Tagesordnung der britischen Politik zu setzen und als eine Art Lobby der Bahai-Interessen zu agieren. Da der Bahai-Glaube zum Engagement der politischen Vertretungen eher auf Distanz geht, ist diese Form der Unterstützung in besonderer Weise wirksam.

Dennoch bekommt das Thema laut Rob Weinberg, einem Mitglied des Nationalen Geistigen

Mitglieder des nationalen Bahai-Führungsgremiums im Iran; Foto: DW
Die vom Geheimdienst verhafteten Mitglieder des nationalen Bahai-Führungsgremiums im Iran: Fariba Kamalabadi, Jamaloddin Khanjani, Afif Naeimi, Saeid Rezaie, Behrouz Tavakkoli, Vahid Tizfahm und Mahvash Sabet.

​​Rats der Bahai in Großbritannien, nicht genügend Aufmerksamkeit in den Medien. Das Problem ist, so Weinberg, dass die Medien sich bevorzugt mit tagesaktuellen Nachrichten und Konflikten beschäftigen.

Die Unterdrückung der Bahai im Iran aber sei bedauerlicherweise alt. Allerdings, so fügt Weinberg hinzu, hat sich die Berichterstattung auch verbessert. So habe es in der letzten Zeit Berichte in der BBC, der Times und im Guardian über die Situation der Bahai gegeben.

Auch sonst ist Weinberg mit der Unterstützung aus Großbritannien recht zufrieden: In den letzten Jahren gab es beispielsweise eine Aktion von prominenten Akademikern, die sich besonders für das Recht von Bahai auf den Besuch von Hochschulen einsetzen und sich gegen die systematische Schikanierung von Bahai-Kindern in den iranischen Schulen wehren.

Forderung nach Änderung des Strafrechts

Auch die Europäische Union ruft regelmäßig dazu auf, den Druck auf Iran in Menschenrechtsfragen zu erhöhen und geht dabei ausdrücklich auf die Lage der Bahai ein.

Zuletzt wurde im Februar letzten Jahres eine Demarche an den Iran geschickt, in der es um eine Neuerung im iranischen Strafrecht ging, nach der der Übertritt zum Bahaismus und anderen nichtislamischen Religionen mit dem Tode bestraft wird. Wegen derselben Angelegenheit wurde im März 2008 der iranische EU-Botschafter einberufen.

Peter Anselmer, Menschenrechtsbeauftragten der Deutschen Bahai-Gemeinde; Foto: &copy Peter Anselmer
Amsler wies darauf hin, dass es bereits in den Monaten vor den jüngsten Verhaftungen zahlreiche Festnahmen von Bahai gab, die jedoch kein wirkliches Echo hervorgerufen hatten.

​​Eine offizielle Parlamentariergruppe zu Bahai-Fragen wie in Großbritannien gibt es in Deutschland nicht, so Peter Amsler, der Menschenrechtsreferent der deutschen Bahai-Gemeinde.

Man fühle sich aber trotzdem nicht von der Politik allein gelassen. So sei die bilaterale Arbeitsgruppe des Bundestages unter Leitung des SPD-Abgeordneten Rolf Mützenich auch eine Anlaufstelle für die Anliegen der Bahai in Deutschland.

Ausdrücklich lobte Amsler das Verhalten der Bundesregierung nach den Verhaftungen im Mai letzten Jahres, als prompt der iranische Botschafter einbestellt wurde.

Amsler betont weiterhin, dass es auch in der deutschen Zivilgesellschaft zahlreiche Akteure gibt, die sich regelmäßig für die Bahai engagieren. Neben der oben angesprochenen Parlamentariergruppe sind das zum Beispiel die Gesellschaft für bedrohte Völker, Amnesty International oder die Internationale Gemeinschaft für Menschenrechte.

Resonanz bei Politik- und Medienvertretern

Anders sieht die Lage in den Medien aus: Jenseits des Atomkonfliktes mit dem Iran hört man nur wenig über das Land, noch weniger über die Bahai. Peter Amsler ist jedoch der Ansicht, die Lage habe sich auch hier gebessert.

Die differenzierte Berichterstattung über Iran habe zugenommen und im selben Maße auch die über die Lage der iranischen Bahai. Allerdings ist eine Zunahme der Berichterstattung auch ein Indikator für die Zunahme der Diskriminierungen in der Islamischen Republik.

Auch die deutsch-iranische Journalistin und Islamwissenschaftlerin Isabel Schayani ist der Ansicht, dass die Probleme der iranischen Bahai besonders in den letzten Monaten eine verstärkte Resonanz in den Medien erfahren haben.

Fachjournalisten hätten die Dimension des Geschehens ohnehin schon erkannt. Schayani, die selbst in der deutschen Bahai-Gemeinde aktiv ist, betonte, dass immer deutlicher werde, dass auch hierzulande die Öffentlichkeit das Thema wahrnimmt.

In den Medien wurde vor kurzem sogar publik, dass auch Bundeskanzlerin Angela Merkel dem Iran ihre Sorge um die sieben inhaftierten Angehörigen der Religionsgruppe der Bahai mitgeteilt habe. Dazu wurde Irans Geschäftsträger vom Berater für Außen- und Sicherheitspolitik, Christoph Heusgen, in das Kanzleramt einbestellt.

Heusgen habe die iranische Regierung aufgefordert, sehr rasch ein Verfahren gemäß internationalen Standards oder die Freilassung einzuleiten. Dabei müssten ein öffentliches Verfahren, eine unabhängige Prozessbeobachtung und der Zugang der Anwältin zu den Prozessakten und Kontakt zu den Inhaftierten möglich sein.

Kian Badrnejad

© Qantara.de 2009

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