Der Filmkritiker Fuad Zouirik sagt über den Film, dass der Regisseur die tragischen Ereignisse auf eine neue Art darstelle, die auf übertriebene Melodramatik verzichte: "Er vermittelt dem Zuschauer Empathie und Mitgefühl in wohlkalkulierten Dosen, nicht zu viel und nicht zu wenig. So entwickelt er in ihm ein Bewusstsein dafür, die realen Elemente von den cineastischen zu trennen, ohne sich dabei zu sehr auf politische Projektionen zu stützen, die die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich ziehen würden".

Die Wärter im Zentrum des Geschehens

Die schwerwiegendste Kritik am Film ist, dass er kein einziges Mal die Gesichter der Gefangenen zeigt, obwohl sie neben den Wärtern der zweite Hauptstrang der Geschichte sind. Auf diese Kritik erwidert Alaoui, dass er die Verhältnisse in seinem Film auf künstlerische Weise spiegele: "Der Schmerz der Gefangenen zeigt sich im Gesicht der Wärter. Ich setze die Ausdruckskraft ein, die darin steckt, etwas nicht direkt darzustellen. Die Dinge, die wir nicht sehen können, wirken stärker auf uns, als das offen Sichtbare. Deswegen bringt der Film die Zuschauer auch an ihre psychischen Grenzen, obwohl der keine Folterszenen zeigt."

Alaoui ergänzt, dass es ihm nicht darum ginge, die Gefangenen unsichtbar zu machen, oder sie zu degradieren. Er wollte ihre Gesichter absichtlich nicht zeigen, um bei den Zuschauern einen der beiden folgenden Effekte zu erzielen: Sie sollen entweder, angelehnt an Filme, in denen das Antlitz heiliger Figuren nicht dargestellt wird, die Gefangenen als quasi sakrosankt wahrnehmen, oder versuchen, sich selbst in den abwesenden Gesichtern zu sehen, um zu begreifen, dass sie das gleiche Schicksal hätte ereilen können.

Ahmad Marzouqi, ehemaliger Insasse in "Tazmamart", macht allerdings deutlich, dass der Film seine Erwartungen nicht erfüllt hat: "Ich begrüße zwar jede künstlerische oder literarische Auseinandersetzung mit dem Leid der Insassen dieses Gefängnisses und ich habe Respekt vor dem Mut des Regisseurs, dieses sensible Thema anzupacken. Es wäre aber besser gewesen, wenn er sich während des Drehbuchschreibens mit ehemaligen Häftlingen getroffen hätte, anstatt nur zu lesen, was über 'Tazmamart' geschrieben wurde. Dadurch hätten viele Zerrbilder im Film vermieden werden können."

Marzouqi kritisiert, dass der Film die Wärter ein Stück weit zu Unrecht rehabilitiere. Sie seien brutale Henker gewesen, die verabscheuungswürdig gehandelt und unter Anderem Gefangene fast zu Tode gefoltert hätten.

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