Doch auch ein Autokrat kann nicht auf Dauer die weltweiten wirtschaftlichen Gesetze außer Kraft setzen. Da helfen auch die zahlreichen Finanzspritzen aus dem Emirat Qatar nichts. Und erst recht nicht das Eintauschen von Dollars in Lira, wie es Erdoğans Anhänger getan haben.

Zusätzlich belastet wurde die türkische Wirtschaft durch die politische Krise mit den USA um den Freiheitsentzug für den US-amerikanischen Pastor Andrew Brunson. Ihm wird absurderweise Terrorismusunterstützung vorgeworfen. Ein beliebtes Mittel, um alle, die gegen Erdoğan sind, als "Staatsfeinde" zu brandmarken.

Mit dem Rücken zur Wand

Diese Methoden haben das Vertrauen in eine unabhängige Justiz endgültig zerstört. Erdoğan wollte Brunson schon vor längerer Zeit im Gegenzug für Fethullah Gülen austauschen. Das ist der unliebsame türkische Prediger, der in den USA lebt und den Erdoğan für den Putschversuch vor zwei Jahren verantwortlich macht. Präsident Donald Trump reagierte auf die Verhaftung Brunsons mit massiven Sanktionen. Bis Mitte Oktober verlangt die USA eine Lösung, sonst könnten die Spannungen zwischen beiden Ländern eskalieren.

Der türkische Präsident steht mehr denn je mit dem Rücken zur Wand. Und immer, wenn er das tut, vollzieht er politische Kehrtwenden. Während er sich in der Vergangenheit mit den Chinesen wegen der Unterdrückung der Uiguren anlegte und sich als Schutzherr der muslimischen Minderheit gerierte, ist davon in Zeiten finanzieller Not nichts mehr übrig geblieben.

Der türkische Finanzminister Berat Albayrak; Foto: picture-alliance
Berat Albayrak unter Druck: Vor dem Hintergrund der anhaltenden Wirtschaftskrise hat der türkische Finanzminister ein Programm zur Bekämpfung der hohen Inflation in seinem Land angekündigt. Jüngst waren neue amtliche Zahlen bekanntgeworden, nach denen die Preissteigerungsrate im September mit fast 25 Prozent den höchsten Stand sei 15 Jahren erreicht hat.

Der Lohn: Im Juli bekam die Türkei einen Kredit aus China in Höhe von 3,6 Milliarden Dollar. Am 28. September präsentierte Finanzminister Berat Albayrak, Erdoğans Schwiegersohn, einen Vertrag mit der Unternehmensberatung McKinsey, die die Wirtschaftsverwaltung in der Türkei reformieren sollen. Ein klares Eingeständnis, es selber nicht zu können. Und dann ausgerechnet ein Unternehmen aus den USA, das tiefste Einblicke in die Wirtschaft des Landes erhält.

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