Ausstellung von Saba Innab: "Station Point"

29.08.2019 - 19:00 Uhr bis 01.12.2019 - 19:00 Uhr
ifa-Galerie Berlin
Linienstraße 139/140
10115 Berlin

In technischen Zeichnungen ist ein „station point“ der Fluchtpunkt, von dem aus eine Perspektive entworfen wird. Alles, was sich hinter ihm oder in seinem toten Winkel befindet, fehlt in der Zeichnung. Innabs Station Point untersucht die räumliche Repräsentation als Möglichkeit, über die Verflechtungen von Architektur und Macht nachzudenken. Die Ausstellung erstreckt sich über drei Kapitel.

Sie beginnt mit einem Brief von Saba Innab an Malewitsch. Darin beleuchtet sie die toten Winkel der europäischen Avantgarde und konstatiert die Unmöglichkeit der Liebe zwischen einer palästinensischen Architektin und den modernen Kunstbewegungen, die ihre Ausbildung prägten.

Im zweiten Kapitel, bestehend aus einem Skizzenbuch, einer Zeichnung und mehreren kleinen Architekturmodellen, wird die intime Intuition von der historischen Untersuchung abgelöst. Von den Idealstädten der Renaissance bis hin zu modernen Kolonialsiedlungen verfolgt Innab die architektonische Herrschaft anhand der Persistenz von Zentralperspektive als Modus der visuellen Kontrolle, der fortwährend zu räumlicher und rechtlicher Marginalisierung führte.

Gibt es einen Ausweg aus diesem Rahmen? Das dritte Kapitel versucht, eine Antwort zu geben. Eine Reihe von Säulen und Trägern läuft auf einen Fluchtpunkt zu. An ihrer Basis eine Ruine aus Claustra-Blöcken, geschnitten und angeordnet in einer Sammlung von unterirdischen Tunneln und invertierten Kuppeln, die aus der verschütteten Geschichte vernakulären Bauens zurückgewonnen wurden. Beim Betrachten dieser Landschaft wird der Blick systematisch unterbrochen. Durch das Experimentieren mit Materialien und Formen verwandelt die Künstlerin Verletzlichkeit in einen Vorschlag für eine alternative Politik des Raumes. In einer unbewohnbaren Welt ruft sie zu einem anderen Wohnen auf.

Künstlerin: Saba Innab
Kurator: Omar Berrada

Kurator Omar Berrada ist Stipendiat des Programms Curators in Residence der KfW Stiftung in Zusammenarbeit mit dem ifa (Institut für Auslandsbeziehungen).

Ausstellungseröffnung: 29.08.2019 | 19.00 – 20.00 Uhr

Die ifa-Galerie Berlin nimmt mit Station Point am „Architecture+Art Weekend 2019“ teil.

Programm:

Artist Talk | 30.08.2019 | 16.00 Uhr
Gespräch mit Reema Salha Fadda, der Künstlerin Saba Innab und dem Kurator Omar Berrada

Reema Salha Fadda ist Schriftstellerin, Herausgeberin und Forscherin mit Schwerpunkt auf zeitgenössischen Kunstpraktiken aus dem Nahen Osten. Sie absolviert gerade ihren Ph.D. an der Universität Oxford und arbeitet an der politischen Ökonomie palästinensischer Kunstproduktion. Ihre Texte wurden von führenden internationalen Herausgebern veröffentlicht, darunter Sternberg Press, das TANK-Magazin, Frieze, Art Papers, Ocula, das Institute for Palestine Studies und Ibraaz, wo sie als Herausgeberin von Rezensionen tätig war. Neben der Entwicklung einer Vorlesungsreihe über arabische visuelle Kulturen für die Universität Oxford und Darat al Funun hat sie kulturelle Veranstaltungsprogramme in Palästina, Kairo und London realisiert.