Kollar verbrachte das Jahr 2010 in Israel und reiste dort viel herum. Er erkundete mit der Kamera, wie und wo sich die andauernde subtile Präsenz der Kriegs- und Konfliktsituationen zwischen Israelis und Palästinensern im Alltag niederschlägt. Oft fand er seltsame Anordnungen, eigenartige Stilleben von Belagerungen und Sperren. Es obliegt der Fantasie des Betrachters, sie mit Bedeutung zu füllen.
Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin

Ein anderer Blick auf Israel

Das Projekt „This Place“ hat zwölf international renommierte Künstler eingeladen, Israel aus ihrem persönlichen Blickwinkel zu erkunden. Entstanden sind beeindruckende Foto- und Videoarbeiten, die sich zu einem vielschichtigen visuellen Portrait des Landes zusammensetzen. Von Heike Mund.

Die öffentliche Diskussion nach dem Rücktritt von Museumsdirektor Peter Schäfer überlagert derzeit die Wahrnehmung der sehr sehenswerten Gast-Ausstellung „This Place“ im Jüdischen Museum Berlin. Die ausgestellten 200 Foto- und Videoarbeiten präsentieren ein multireligiöses Israel mit unterschiedlichsten Menschen, die in Israel und im Westjordanland leben: Juden, Christen, Muslime, Kopten, Drusen, Palästinenser und viele andere. Initiator Frédéric Brenner war ein kosmopolitischer, internationaler Ansatz bei der Auswahl der Arbeiten besonders wichtig.

Brenner ist ein international bekannter Fotograf, der selbst in vielen Galerien und Museen ausstellt. Während der Arbeit an seinem Projekt "This Place" habe er allerdings viele Hüte aufgehabt, erzählt er im Interview mit der Deutschen Welle: "Ich war Manager, Kurator, Reiseleiter, technischer Assistent, Fundraiser und vieles mehr. Für meine eigene Arbeit blieb manchmal nur wenig Zeit."

Brenner wurde 1959 in Frankreich geboren. Als professioneller Fotograf widmet er sich hauptsächlich jüdischem Leben - in Israel und anderen Ländern weltweit. Seine bekannteste Arbeit ist "Diaspora": 25 Jahre lang porträtierte er jüdische Gemeinschaften in mehr als 40 Ländern. Themen wie Heimat, Zugehörigkeit, Ausgrenzung, Gemeinschaft und Religiosität beschäftigen ihn nicht nur als Fotokünstler.

Keine künstlerischen Vorgaben

2005 reifte die Idee für sein ambitioniertes Fotoprojekt "This Place", das Künstler unterschiedlicher Nationalität, Religion und biografischer Prägung zusammengebracht hat. Jeder durfte aus seinem eigenen kulturellen und religiösen Hintergrund heraus das Land Israel erkunden und seine Motive selbst wählen. Der subjektive Blick war ausdrücklich erwünscht.

Initiator des Projektes: Der Fotograf Frédéric Brenner. Foto: DW &Heike Mund.
„Es gab weder zeitliche noch inhaltliche Vorgaben. Einzige Einschränkung: Israelische und palästinensische Fotografen sollten nicht dabei sein. "Wir wollten Leute mit einem frischen Blick, die nicht in den täglichen politischen Konflikt in Israel involviert sind", erzählt Initiator des Projektes Frédéric Brenner

Es gab weder zeitliche noch inhaltliche Vorgaben. Einzige Einschränkung: Israelische und palästinensische Fotografen sollten nicht dabei sein. "Wir wollten Leute mit einem frischen Blick, die nicht in den täglichen politischen Konflikt in Israel involviert sind", erzählt Brenner.

Es brauchte viele Jahre intensiver Zusammenarbeit mit Kuratoren und mit dem Galeristen Brenners in New York, bis daraus ein künstlerisches Konzept wurde. "Ich wusste, ich würde Mitstreiter brauchen", sagt Brenner im Rückblick. „Künstler, die von Fragen getrieben sind und deren Arbeiten Risse und Paradoxien ausleuchten können."

Zwölf international renommierte Fotografen und Fotokünstler, Brenner eingeschlossen, bereisten für das Projekt immer wieder das Land Israel. Sie erkundeten mit der Kamera die höchst unterschiedlichen israelischen Landschaften und, nach interner Diskussion zwischen Projektleiter, Kurator und teilnehmenden Fotografen, auch das von Israel besetzte Westjordanland.

Von der kargen Negev-Wüste ganz im Süden über kleinere Orte und historische Städte wie Jerusalem, Ramallah oder Bethlehem bis hoch zu den Golan-Höhen an der Grenze zu Syrien und weiter zur Küstenstadt Tel Aviv waren die Fotografen unterwegs. Mal allein, mal im Team. Mit ihrem empathischen Blick auf Israel dokumentierten sie das faszinierende Puzzle einer multireligiösen Gesellschaft und die Vielfarbigkeit des Landes.

Einige von ihnen waren zum ersten Mal in Israel und haben erlebt, was es heißt, in einem von Religiosität und biblischer Geschichte durchdrungenen Land zu leben. Alle Teilnehmer konnten sich so viel Zeit nehmen, wie sie für ihre fotografischen Exkursionen benötigten. Finanziert wurde das aufwendige Projekt durch eine Stiftung.

Manche Fotografen reisten mehrfach für kürzere Stippvisiten nach Israel, andere blieben Wochen, sogar Monate im Land, um sich intensiv mit den von ihnen ausgewählten Protagonisten zu beschäftigen. Ihre Fotografien dokumentieren Israel in den Jahren 2009 bis 2014, die Auswahl hat jeder Künstler selbst getroffen. 

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