Kurz vor dem Abitur lernte Christian 2014 Yasmina kennen, seine spätere Frau. Eine Deutsch-Marokkanerin aus schwierigen familiären Verhältnisse, sagt Sabine Lappe. "Tatsächlich habe ich die beiden miteinander bekannt gemacht." Es war beim Freitagsgebet, als die damals knapp 17-jährige sie auf Christian ansprach, weil das Mädchen einen streng gläubigen Muslim heiraten wollte.

Ihr sei damals nicht klar gewesen, dass Yasmina den Vorsatz hatte, einen Mann zu finden, mit dem sie nach Syrien ausreisen konnte. Yasmina sei die treibende Kraft der weiteren Radikalisierung gewesen, ist Sabine Lappe überzeugt. "Christian war total verschossen in diese junge Frau, die ihn akzeptierte, wie er war. Mit seinen Akne-Narben, dem Morbus Crohn und den Krankenhausaufenthalten, die das immer wieder bedeutete."

Ein halbes Jahr später heirateten die beiden in einer Moschee in Frankfurt. Um den Jahreswechsel 2014/15 teilte Yasmina Sabine Lappe dann erstmals mit, dass sie und Christian gemeinsam "Hijra machen" und ausreisen wollten. "Ich habe das leider nicht für voll genommen, sie war doch noch ein halbes Kind."

Die Pläne werden konkret

Tatsächlich hatten Yasmina und Christian zu diesem Zeitpunkt offenbar schon längst damit begonnen, konkrete Vorbereitungen zu treffen. Die Ausreise hätten sie von Internet-Cafés aus geplant, nicht nur in Dortmund. "Niemand wäre so blöd, so etwas von der heimischen IP-Adresse aus zu machen."

IS-Kämpfer posieren im Frühjahr 2015 in einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus; Foto: dpa/picture-alliance
Terror im Namen eines imaginierten Kalifats: IS-Kämpfer posieren im Frühjahr 2015 in einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus: wenige Monate später reiste Christian aus Deutschland aus, um sich den Dschihadisten des Islamischen Staates anzuschließen.

Christian hätte damals bereits viele Größen der salafistischen Szene persönlich gekannt, erzählt Sabine Lappe: darunter den Prediger Ibrahim Abu Nagie, den Begründer der mittlerweile verbotenen "Lies"-Aktion, bei der deutsche Koran-Übersetzungen kostenlos in Innenstädten verteilt wurden. Und Abu Walaa, der als Nummer 1 des IS in Deutschland gilt.

Walaa wurde 2016 festgenommen, derzeit wird ihm der Prozess gemacht. Auch mit Anis Amri, der am 19. Dezember 2016 den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz verübte, sei ihr Sohn bekannt gewesen. Amri war im Juli 2015, wenige Wochen bevor Christian nach Syrien ging, unter falscher Identität als Flüchtling nach Deutschland eingereist.

Vor seiner Ausreise sei Christian bereits auf dem Radar des Staatsschutzes der Dortmunder Polizei gewesen, berichtet Sabine Lappe. Sie selbst werde bis heute observiert, fügt sie an. Schon mehrfach habe sie ihr Handy abgeben müssen. Sie ist nach eigenen Angaben viel im Internet unterwegs. Über Facebook steht sie in Kontakt mit Leuten, die zur salafistischen Szene gehören. Sie sagt, sie tue das, um nachträglich so viel wie möglich über Christian zu erfahren.

Reise zum IS

Nach Christians und Yasminas Ausreise im September 2015 hätten sie zeitweise mehrfach täglich miteinander telefoniert und Nachrichten über Whatsapp verschickt, erinnert sich Sabine Lappe. Dann wieder gab es wochenlang gar keinen Kontakt. Es war immer Christian, der sich meldete, unter wechselnden Nummern. Sie konnte ihn von sich aus nicht erreichen: "Er war in Rakka, in Idlib und in Abu Kamal. Und einmal auch im Irak."

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