Muktada gründete eine Miliz, die Mahdi-Armee, die zeitweise bis zu 50.000 Mann zählte und sich den Einfluss im Stadtteil sicherte. Und nicht nur das. Seine Milizionäre erhielten eine militärische Ausbildung und versetzten ganz Bagdad in Angst und Schrecken. Todesschwadronen verfolgten und töteten diejenigen, die mit dem Regime Saddams irgendwie verbunden waren.

Der Irak erlitt ein noch nie da gewesener Brain-Drain, ein Exodus der Elite. Fiel das Wort Mahdi-Armee oder Sadr City, verfielen die Menschen in Schockstarre. Nach dem Abzug der Amerikaner aus dem Irak 2011 brüstete sich Muktada al-Sadr damit, dass er 6.000 Anschläge auf US-Truppen verübt habe. Sadr City stellte eines der größten Sicherheitsrisiken für die amerikanische Besatzungsmacht dar.

Wachpersonal vor dem Medienzentrum Muktada al-Sadrs; Foto: Birgit Svensson
"Auch wir haben die Seiten gewechselt": Einer der Personen vor dem Medienzentrum Muktada al-Sadrs outet sich als Soldat, als Angehöriger der irakischen Armee, der kürzlich bei einem Einsatz am Tahrir-Platz verletzt wurde. Er trägt eine Bandage am Fuß und humpelt. „Wir sind betrogen worden“, gibt der Polizist zur Begründung für die Misere an, in der die Menschen in Sadr City leben.

Hussein setzt uns vor dem Medienzentrum Muktada al-Sadrs ab. Ein üppiger Bau in gelbem Sandstein. Über dem Portal prangt ein Poster mit dem Abbild des ermordeten Großayatollahs, dem Namensgeber von Sadr City. Das Gebäude selbst ist verwaist. Niemand ist zu sehen. Nur ein Polizeiauto steht am rechten Rand. Zwei Männer, einer in Uniform, trinken Tee.

Ihre Namen wollen sie nicht nennen, fangen aber an zu reden. Bei den Kämpfen am Wochenende sind auch drei Polizisten getötet worden. Der Herr in Uniform sagt: "Wir sind auf Seiten der Protestbewegung." Und der andere fügt hinzu: "Auch wir haben die Seiten gewechselt."

Der verblichene Mythos des Robin Hood von Sadr City

Er outet sich schließlich als Soldat, als Angehöriger der irakischen Armee, der kürzlich bei einem Einsatz am Tahrir-Platz verletzt wurde. Er trägt eine Bandage am Fuß und humpelt. "Wir sind betrogen worden", gibt der Polizist zur Begründung für die Misere an, in der die Menschen in Sadr City leben.

Die Redaktion empfiehlt
Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.
To prevent automated spam submissions leave this field empty.