Gegenüber Qantara.de begründet er seine Abkehr vom Islam mit unethischen Praktiken wie der Gefangennahme von nichtmuslimischen Frauen und Kindern als Kriegsbeute, der Steinigung, der Tötung derjenigen, die sich vom Islam lossagen und der Verheiratung minderjähriger Mädchen.“ Gleichzeitig betont er, dass es kein leichter Schritt für ihn gewesen sei. In ihm hätte ein heftiger Konflikt getobt, bevor er schließlich "auf seine Menschlichkeit gehört" hätte und begann, "alles in Frage zu stellen".

Live auf Sendung Gesicht zeigen

Mit seinem Kanal, dessen sechs Videos insgesamt bereits 1,7 Millionen Mal angeklickt wurden, will er erreichen, "dass die ganz normalen Muslime die Wahrheit über ihre Religion erfahren. Sie sollen sie hinterfragen und nicht einfach so hinnehmen." Dass er seine Identität nicht preisgibt, rechtfertigt er damit, dass es "keine Auswirkungen auf die Glaubwürdigkeit der Inhalte hat", solange er für alle Videos die Quellen nenne. Abgesehen davon würde es "verschiedene Probleme verursachen und sogar sein Leben in Gefahr bringen", wenn er sein Gesicht zeigen würde, so der YouTuber.

Er ist sich sicher, dass das Internet immens dazu beitragen wird, den Atheismus in der Region weiter zu verbreiten. Denn "in der Vergangenheit konnten die Religiösen abweichende Meinungen unterdrücken, Bücher einfach verbrennen und jegliche Information zurückhalten, die den Glauben der einfachen Menschen möglicherweise ins Wanken gebracht hätte. Durch das Internet sind diese Informationen jetzt aber jederzeit verfügbar und jeder kann frei seine Meinung äußern." Dennoch fände nicht jeder, der auf der Suche sei, zwangsläufig zum Atheismus, merkt er an. Natürlich könnten sie auch Deisten werden oder zu einem anderen Glauben konvertieren.

Der marokkanische Blogger Said Benjebli; Foto: privat
Vom Islamist zum Atheist: Vor einiger Zeit überraschte der marokkanische Blogger Said Benjebli seine Follower auf Facebook: Während eines Livestreams verkündete er seine Abkehr vom Islam. Der Blogger sieht in den sozialen Netzwerken die einzige Möglichkeit, seinen Überzeugungen Ausdruck zu verleihen.

Vor einiger Zeit überraschte der marokkanische Blogger Said Benjebli seine Follower auf Facebook: Während eines Livestreams verkündete er seine Abkehr vom Islam. Der vor einigen Jahren in die USA ausgewanderte ehemalige Islamist will jedoch aus verschiedenen Gründen nicht als Atheist bezeichnet werden. Unter anderem, weil "Atheismus ein sehr schwammiger Begriff ist", wie er gegenüber Qantara.de erklärt. Benjebli sieht sich aber auch nicht als Deisten, der aus Verstands- und nicht aus Glaubensgründen an einen Schöpfer glaubt. Er lehnt einfach "den Glauben an die Existenz oder Nichtexistenz einer Sache ohne Beweis ab."

Der Blogger sieht in den sozialen Netzwerken die einzige Möglichkeit, seinen Überzeugungen Ausdruck zu verleihen. Die etablierten Medien würden potenziell "schockierende und mit den religiösen und sozialen Normen in Konflikt stehenden Standpunkte nicht veröffentlichen."

"Ich kritisiere grundlegende Strukturen der Religion und der patriarchalen Gesellschaft. Die meisten Medien haben nichts davon, mir eine Plattform zu bieten. Sie würden dadurch nicht nur ihr konservatives Publikum verärgern", erläutert er. Vielleicht, räumt er ein, würden sich die etablierten Medien in ein paar Jahren mit seinen Standpunkten auseinandersetzen, vorausgesetzt, dass seine Ansichten "dann bereits im Mainstream angekommen sind."

Mehr Atheismus durch das Internet?

Eine vom amerikanischen Pew-Forschungszentrum 2015 durchgeführte Studie zur Entwicklung der Religionen bis 2050 widerspricht allerdings der Annahme, dass das Internet zu einem Rückzug des Islams führen wird. Die Untersuchung prognostiziert, dass die Zahl der Muslime weltweit um 73 Prozent zunehmen wird. Die junge Altersstruktur und die hohen Geburtenraten der islamischen Länder führen laut den Forschern dazu, dass die Zahl der muslimischen Bevölkerung weltweit auf 2,8 Milliarden ansteigt und damit 30 Prozent der Weltbevölkerung darstellt. Sie läge dann fast gleichauf mit den 2,9 Milliarden Christen, die 31 Prozent der Weltbevölkerung ausmachen.

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