Quliyev regte an, die Abtreibung und die Geschlechtsbestimmung am Fötus während der Schwangerschaft zu verbieten, ähnlich wie man dies in Südkorea in den 1990er Jahren tat, als dort ebenfalls noch geschlechterselektive Abtreibungen vorgenommen wurden.

Aber die meisten der befragten Aserbaidschaner, darunter der Soziologe Shahmaliyev und die Aktivistin Zeynalova, waren der Meinung, dass solche Verbote das Problem nicht lösen würden, wie auch der UNFPA-Bericht belegte.

Laut dem Bericht herrschte unter Regierungsvertretern und anderen, die befragt wurden, breiter Konsens darüber, dass Verbote keine Lösung seien. Erstens seien Verbote sehr schwer durchsetzbar, da Ärzte einfach einen anderen Grund für die Abtreibung angeben können. Zweitens seien Frauen der Gefahr ausgesetzt, illegal und unter weniger sicheren Umständen abzutreiben. Der technische Fortschritt mache es zudem immer einfacher, das Geschlecht des Fötus frühzeitig in der Schwangerschaft zu bestimmen, heißt es in dem Bericht.

Statt Verbote zu erlassen, braucht die aserbaidschanische Gesellschaft einen umfassenden Aktionsplan. Tatsächlich wurden hierzu bereits Schritte vorbereitet, die noch auf die Zustimmung der Regierung warten.

Umsetzung des Aktionsplans

Elnur Suleymanov, Leiter einer Abteilung im aserbaidschanischen Ministerium für Arbeit und Soziales des Bevölkerungsministeriums, sagte, dass die Bemühungen von Imamen, Gruppen und Ministerien wichtig, aber nicht ausreichend seien, wenn es darum gehe, das Problem zu bewältigen.

"Wir haben gemeinsam mit dem UNFPA einen Aktionsplan erstellt. Wir ersuchen derzeit andere staatliche Institutionen um ihre Stellungnahme zu diesem Plan, der auf Sensibilisierung und Kampagnen zur Gleichstellung der Geschlechter beruht. Dieser Plan wird einen umfassenden Fahrplan für wirksame Interventionsstrategien zur Verringerung geschlechterspezifischer Abtreibungen vorlegen; er wird über einen eigenen Etat, einen eigenen Ausschuss und geeignete Maßnahmen verfügen. Wir brauchen ihn zur Sicherung der Zukunft unserer Gesellschaft."

Ayşe Karabat

© Qantara.de 2019

Aus dem Englischen von Peter Lammers

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