Arte-Doku über die dänische Imamin Sherin Khankan

Die Reformerin - wenn der Imam eine Frau ist

Sherin Khankan will Imamin werden und mit einigen Mitstreiterinnen in Kopenhagen eine Moschee eröffnen. Die Frau in den Vierzigern will die patriarchalen Strukturen in den religiösen Institutionen aufbrechen und tritt für progressive, inklusive Werte ein. Dass sie mit ihrem Diskurs bei vielen aneckt, stört sie nicht – bis ihre Ungeduld zu Verwerfungen im Moschee-Vorstand führt.

Sherin Khankan will Imamin werden und mit einigen Mitstreiterinnen in Kopenhagen eine Moschee eröffnen. „Imam ist, wer das Gebet leitet und sich um die Gemeinde kümmert. Ob eine Frau diese Rolle ausfüllen darf oder nicht, ist nicht die Frage: Das wird einfach passieren“, erklärt sie ruhig in einem Fernsehinterview.

Khankan, geschieden und vierfache Mutter, wuchs in Dänemark auf; ihr Vater ist ein politischer Flüchtling aus Syrien, ein Muslim und – wie sie selbst sagt – Feminist. Ihre Mutter ist Finnin und Christin. Die Liebe ihrer Eltern habe ihr ein starkes Fundament mitgegeben, das religiös gemischte Zuhause eine große Toleranz gegenüber Unterschieden. Sie ist überrascht, dass die Eröffnung der Mariam-Moschee so heftige Kontroversen auslöst. Khankan geht in die Öffentlichkeit, organisiert Konferenzen und wendet sich an Verbände, um Menschen zu überzeugen und zusammenzubringen. Und sorgt damit für internationale Schlagzeilen.

Am Tag des ersten Gebets ist der weiß getünchte und mit Blumen geschmückte Gebetsraum brechend voll. Die Vorstandsmitglieder Hicham Mouna, Saer El Jaichi und Saliha Marie Fetteh sind enthusiastisch. Aber es wird auch viel diskutiert: Soll man entgegen der üblichen Praxis auch gemischtreligiöse oder homosexuelle Paare trauen? Welche theologischen Argumente gelten hier? Der Vorstand der Mariam-Moschee beschließt, sich in den Medien nicht zu den interkonfessionellen Eheschließungen zu äußern.

Doch Khankan spricht in einem Radiointerview öffentlich darüber. Es kommt zu Spannungen im Vorstand, Saliha Marie Fetteh tritt aus, dann Hicham Mouna und schließlich folgen drei weitere weibliche Vorstandsmitglieder. Sherin Khankans Selbstbewusstsein ist stark angeschlagen. Im Lauf der nächsten Wochen wird der Gebetsraum immer leerer. Als ein homosexueller Freund eine gleichgeschlechtliche Trauung in ihrer Moschee feiern möchte, muss sie eine Entscheidung treffen.

 

 

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