Es sind die jungen Männer, die mir alle paar Tage Wasserkisten liefern oder an der Supermarktkasse meine Einkäufe einpacken. Sie sind auf mein Trinkgeld angewiesen. Eigentlich muss ich nichts geben. Niemand würde mich deswegen zur Rechenschaft ziehen oder empört anschauen. Aber es ist sozusagen ein ungeschriebenes Gesetz hier, das auch mich verpflichtet, etwas zu geben. Leute, die haben, geben anderen, die nichts oder nur sehr wenig haben. Immer sollte man einige von diesen dunkelgrünen 1.000-Pfund-Scheinen parat haben. 1.000 LBP sind 0,57 Euro.

Gewaltiges sozio-ökonomisches Gefälle

Flüchtlingsmädchen in Beirut, Libanon; Foto: Getty Images/AFP
Offen sichtbare Armut: Die UNDP schätzt, dass ungefähr ein Drittel der Libanesen arm sind und von weniger als vier US-Dollar pro Tag leben müssen. Etwa 200.000 Libanesen müssen mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen und gelten damit nach Weltbank-Definition als extrem arm. Es gibt starke sozio-ökonomische Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen. Im Norden und Osten des Landes ist die Lage besonders schwierig.

Die UNDP schätzt, dass ungefähr ein Drittel der Libanesen arm sind und von weniger als vier US-Dollar pro Tag leben müssen. Etwa 200.000 Libanesen müssen mit weniger als zwei Dollar pro Tag auskommen und gelten damit nach Weltbank-Definition als extrem arm. Es gibt starke sozio-ökonomische Unterschiede zwischen den verschiedenen Regionen. Im Norden und Osten des Landes ist die Lage besonders schwierig.

Besonders von Armut betroffen sind Libanesen, die die Schule abgebrochen und keine Ausbildung abgeschlossen haben, ungeachtet der religiösen Zugehörigkeit. Aber auch Gruppen, die durch libanesische Gesetze benachteiligt werden, sind besonders stark betroffen. Das sind Palästinenser, die seit Jahrzehnten im Libanon leben. Sie haben nicht den gleichen Zugang zum staatlichen Bildungssystem, dürfen nicht alle Berufe ausüben und Grundbesitz haben. Außerdem wird ihnen nur ein beschränkter Zugang zum Sozialsystem gewährt.

In eine palästinensische Familie im Libanon hineingeboren zu werden ist ein schwieriger Start ins Leben. Syrische Flüchtlinge, die in diesem Land gestrandet sind, keine gültige Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis haben, leben von der Hand in den Mund. Darüber hinaus werden sie von vielen Libanesen angefeindet, weil sie als billige Arbeitskräfte mit den Einheimischen auf dem Arbeitsmarkt konkurrieren.

Die Redaktion empfiehlt
Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.
To prevent automated spam submissions leave this field empty.