Der nun seit mehr als sechs Jahren andauernde Konflikt hat aber eine noch viel gravierendere Folge: Die Häuser gehören in ihrer ganz großen Mehrheit alteingesessenen Familien. Zwar fanden manche moderne Betongebäude praktischer und zogen weg. Die meisten Bewohner aber pflegten die jahrhundertealten Bauwerke mit Stolz, betrachteten sie gleichermaßen als Familienerbe wie auch als Zeugnis jemenitischer Kultur.

 

 

 

Doch den meisten ist längst das Geld ausgegangen, um die nötigen Reparaturen zu machen. Sie haben ihre Arbeit und ihr Einkommen verloren, und viele haben auch ihr gesamtes Vermögen aufgebraucht. Kundige Handwerker sind immer schwerer zu finden. Und vom Staat, zumal der von den Huthis geführten, international nicht anerkannten Regierung, haben die Menschen nichts zu erwarten.

Einer der Bewohner der Altstadt sagte: "Die Regierung hat nicht mal das Geld für die Gehälter, wie soll sie dann für die Reparatur der Häuser zahlen?" Die Hilfsorganisationen haben nicht einmal genug Geld für die Lebensmittelhilfe, auf die mehr als 20 Millionen Jemeniten zum Überleben angewiesen sind. Dazu kommen steigende Preise. Einige Geschäftsleute sammeln Spenden für Plastikplanen, um zumindest einige der Dächer abzudecken und die Schäden durch den Regen zu begrenzen.

Den meisten Hausbesitzern ist längst das Geld ausgegangen, die nötigen Reparaturen zu besorgen

Aqeel Saleh Nasari von der Denkmalbehörde appelliert an die Unesco, schnell einzugreifen und die Altstadt zu bewahren. Er hofft auch, dass die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) nach Sanaa zurückkehrt, wo sie früher Projekte zum Erhalt der Altstadt betrieben und finanziert hat.

In Zabid und in Shibam Hadramaut gebe es noch Projekte, die von Deutschland unterstützt würden. Was er nicht sagt: Die Zusammenarbeit mit den Huthis ist für internationale Organisationen extrem schwierig. Zum einen sind sie verpflichtet mit der international anerkannten Regierung von Präsident Abd Rabbo Masur Hadi zusammen zu arbeiten, die sich großteils in Riad im Exil befindet.

Zum anderen wollen die Huthis bei der Verteilung von Geldern mitbestimmen, behindern Hilfsorganisationen bei ihrer Arbeit. Auch haben sie viele Experten aus der Regierung durch eigene Leute ersetzt, die politisch linientreu sind. Bewohner der Altstadt berichten von Korruption, das Geld versickere und werde abgezweigt.

Maged Tameh kann es sich nicht leisten, das Haus wieder aufzubauen. Er will so viel wie möglich retten von dem Baumaterial. Einige historisch besonders wertvolle Häuser sind originalgetreu wieder aufgebaut worden, darunter eines, dass bei einem saudischen Luftangriff zerstört worden war. Doch solange der Krieg tobt und die Regenfälle andauern, ist daran nicht zu denken. Normalerweise endet die Regenzeit Ende September. Aber normal ist im Jemen schon seit Jahren nichts mehr.

Paul-Anton Krüger

© Süddeutsche Zeitung 2020

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