Anschläge in Jakarta

Terror auf verlorenem Posten

Bei zwei Anschlägen auf Luxushotels in der indonesischen Hauptstadt Jakarta sind am Freitag neun Menschen ums Leben gekommen und Dutzende schwer verletzt worden. Doch die Terrorpolitik wird im größten islamischen Land der Erde keinen Erfolg haben, schreibt Sybille Golte in ihrem Kommentar.

Terroranschlag in Jakarta, Indonesien; Foto: AP
Die Anschläge haben Indonesien schwer getroffen - doch in dem weltweit größten islamischen Land hat der Terror keine Zukunft, schreibt Sybille Golte.

​​Die Botschaft ist verheerend: Trotz Sicherheitsvorkehrungen und einer aktiven Anti-Terrorpolitik haben Attentäter erneut mitten im Herzen Indonesiens zugeschlagen. Die Anschläge von Jakarta sind eine schwere Hypothek für den gerade wieder gewählten indonesischen Präsidenten Susilo Bambang Yudhoyono.

In den letzten Jahren war es ruhig geworden um den südostasiatischen Ableger von Al Kaida, der Terror-Organisation Jemaah Islamiah, die hinter den Anschlägen vermutet wird.

Die Infrastruktur der Terroristen

Allenfalls kleine Erfolge der Sicherheitskräfte gegen Mitläufer sowie die Hinrichtung der Bali-Bomber sorgten noch für Schlagzeilen. Während weltweit die Zahl der Terroranschläge zunahm, schien Indonesien, das lange unter dem Schock der verheerenden Bombenanschläge von Bali 2002 stand, das Problem im Griff zu haben.

Von dieser Illusion muss man sich jetzt verabschieden. Sicherheitsvorkehrungen, wie sie in allen großen Luxushotels der indonesischen Hauptstadt üblich sind, haben die Anschläge nicht verhindern können. Und offensichtlich reicht die Infrastruktur der Terroristen für eine koordinierte Aktion an mehreren Schauplätzen der indonesischen Hauptstadt.

Terror in Bali, Angriffe auf die australische Botschaft und schon einmal auf das Marriott Hotel in Jakarta: Wie in den letzten Jahren waren das Ziel auch diesmal Ausländer. Beide Luxushotels sind bekannt für ihr internationales Publikum. Die Opfer allerdings sind vor allem Indonesier – am Schauplatz der Bombenanschläge und weit darüber hinaus.

Belastung für Indonesiens Image

Susilo Bambang Yudhoyono; Foto: AP
Susilo Bambang Yudhoyono: Der indonesische Präsident kann sich beim Kampf gegen Gewalt und Extremismus auf die Bevölkerung stützen, so Sybille Golte.

​​Gerade begann sich die indonesische Tourismusindustrie von den Folgen der Bali-Anschläge zu erholen. Neue Reisewarnungen werden diesem Trend ein Ende setzen. Ob sich Investoren vom Terror abschrecken lassen, bleibt abzuwarten.

Die Bilder von zerbombten Hotelfassaden in Jakarta werden das Image des bevölkerungsreichsten muslimischen Land der Welt erneut schwer belasten. Das ist ebenso sicher wie ungerecht. Indonesiens Bevölkerung hat mehr als einmal bewiesen, dass fundamentalistische Positionen keinen Platz in der Gesellschaft haben. Selbst religiöse Parteien haben wenig Zulauf und bei Wahlen keine Chance.

Wache Zivilgesellschaft und kritische Medien

Als im letzten Jahr das Parlament ein stark religiös geprägtes so genanntes Anti-Pornographie-Gesetz verabschiedete, gab es heftige Diskussionen in der Bevölkerung, die bis heute nicht abgeebbt sind. Eine wache Zivilgesellschaft und kritische Medien halten die Auseinandersetzung mit konservativ-religiösen Einflüssen und radikalen Predigern immer wieder am Leben.

Indonesien ist nicht nur das bevölkerungsreichste muslimische Land – es ist auch das toleranteste der islamischen Welt. Umso tragischer ist es, dass es nun wieder einmal als Schauplatz terroristischer Aktivitäten weltweit Schlagzeilen macht.

Ende von Gewalt und Extremismus

Über die Motive der Attentäter kann zur Stunde nur spekuliert werden. Es ist ihnen gelungen, dem Land schweren Schaden zuzufügen. Wenn sie allerdings gehofft haben, mit spektakulären Anschlägen neue Anhänger zu gewinnen, werden sie in Indonesien sicher enttäuscht werden.

Im Gegenteil: Indonesien wird seine Anti-Terrorpolitik verschärfen und Präsident Yudhoyono kann sich dabei auf eine Bevölkerung stützen, die nicht erst aber erst recht seit den Anschlägen von Bali die Nase voll hat von Gewalt und Extremismus.

Sybille Golte

© Deutsche Welle 2009

Sybille Golte ist die Leiterin des Asien-Programme der Deutschen Welle.

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