Amnesty-Menschenrechtspreis für Monira Rahman

Wenn Frauen ihr Gesicht verlieren

Säureattentate auf Frauen sind keine Seltenheit in Bangladesch. Monira Rahman, Geschäftsführerin der "Acid Survivors Foundation" wird dieses Jahr von amnesty international für ihren Kampf gegen diese Verbrechen ausgezeichnet. Von Ana Lehmann

Säureattentate auf Frauen sind leider keine Seltenheit in Bangladesch. Monira Rahman, Geschäftsführerin der Hilfsorganisation "Acid Survivors Foundation" wird dieses Jahr von amnesty international/Deutschland für ihren Kampf gegen diese Verbrechen ausgezeichnet. Von Ana Lehmann

Monira Rahman mit zwei Säureopfern in Dhaka 2006, Foto: DW
Die "Acid Survivors Foundation" vertritt die Opfer von Säureattentaten und hat sich die Ächtung dieser Verbrechen zum Ziel gesetzt.

​​In Bangladesch wurden in den vergangenen sechs Jahren weit mehr als 2000 junge Frauen Opfer von Säureattentaten. Es sind oft abgewiesene Liebhaber, die die Frauen mit der ätzenden Flüssigkeit überschütten und dabei töten oder schwer verletzen.

Die "Acid Survivors Foundation" hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Öffentlichkeit aufzuklären und die Opfer zu betreuen. Monira Rahman, die Geschäftsführerin der Stiftung, erhält in diesem Jahr den Menschenrechtspreis der deutschen Sektion von amnesty international für ihren unermüdlichen Einsatz gegen diese grausamen Menschenrechtsverletzungen.

Am 19. März wird sie den Preis im Deutschen Theater in Berlin entgegennehmen.

Von der Kraft der Opfer beeindruckt

Monira Rahman hatte Philosophie studiert und arbeitete in einem Programm für Obdachlose, als sie zum ersten Mal Mädchen sah, die durch einen Säureanschlag entstellt waren. Sie erinnert sich noch gut daran, wie erschüttert sie zunächst war. Aber auch die Kraft und die Klarsicht der Mädchen, Frauenthemen betreffend, ist ihr noch gegenwärtig: "Das war der Moment, in dem ich mich dafür entschied, mit ihnen zu arbeiten, mehr über sie zu erfahren und etwas für sie zu tun", fasst sie zusammen.

Als 1999 der Brite John Morrison die "Acid Survivors Foundation", eine Hilfsorganisation für Säureopfer in der Hauptstadt Bangladeschs, Dhaka, gründete, war Monira Rahman von Anfang an dabei. Wenig später übernahm sie die Geschäftsführung. "In der ersten Zeit wusste kaum jemand, wie viele Säureattentate es in unserem Land gab", erinnert sie sich.

Weit mehr als 2000 Opfer hat die Stiftung seither registriert. "Doch die Dunkelziffer ist sehr viel höher", vermutet Monira Rahman. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Leid der Betroffenen ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen.

Männliche Rache für den "Gesichtsverlust"

Säureattentate treffen fast nur Frauen. Sehr oft sind sie noch jung, höchstens 13 oder 14 Jahre alt. 80 Prozent der Opfer kommen aus ländlichen Gebieten. Meist erfahren sie diese Gewalt, weil sie sich sexuellen Avancen oder Heiratsangeboten verweigern.

Auch Ehefrauen, deren Eltern mit neuen Mitgiftforderungen des Ehemannes konfrontiert werden, diesen aber nicht nachkommen können oder wollen, sind betroffen.

"Wenn die Männer meinen, einer Frau gegenüber ihr Gesicht
zu verlieren, dann zerstören sie das Gesicht dieser Frau, um ihre eigene Ehre wieder herzustellen", sagt die Menschenrechtlerin Rahman.

Jetzt hat eine neue Frauengeneration in Bangladesch begonnen, sich mit Jobs in der Textilindustrie und mit Kreditprogrammen
unabhängiger zu machen, für viele Männer eine Provokation. Es fällt ihnen schwer, Frauen einen größeren Aktionsradius und mehr Eigenständigkeit zuzubilligen. Gewalt gegen Frauen ist deswegen leider keine Seltenheit.

Unermüdliches Engagement für die Opfer

Monira Rahman hat inzwischen mit Spendengeldern zwei Kliniken aufgebaut, wo die Entstellungen und Narben der Säureopfer operiert werden.

"Aber es reicht nicht, das Gesicht durch kosmetische Eingriffe wieder herzustellen", betont Monira Rahman. Auch das Selbstbewusstsein, das gerade diese Frauen vor dem Attentat in hohem Maße besaßen, muss mühsam wieder aufgebaut werden.

In dem Rehabilitationszentrum der Säureopfer-Stiftung erhalten die "Überlebenden", wie sie sich selbst nennen, psychologische und soziale Betreuung. Wir sind uns alle gegenseitig eine Stütze, so Rahman und unterstreicht: "Wenn wir sehen, dass ein Täter verfolgt und verurteilt wird: das gibt uns Kraft. Wenn wir sehen, dass eine junge Überlebende zur Aktivistin wird: das gibt uns Kraft."

Ana Lehman

© DEUTSCHE WELLE/DW-WORLD.DE 2006

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