Dies führte zu Kämpfen unter den verschiedenen Truppenteilen und zum Niedergang der Reichsverwaltung. Während der Kämpfe brach eine Hungersnot aus, die von einer siebenjährigen Dürre begleitet wurde. Die Zeit der politischen und wirtschaftlichen Anarchie in Ägypten wird von den Historikern als "Al-Shidda al-Mustansiriya" (die harten Jahre von Al-Mustansir) beschrieben.

Nach Berichten der Historiker Ibn Taghribirdi und al-Maqrīzī setzte sich die Mutter des Kalifen mit ihren Töchtern während der Hungerjahre nach Bagdad ab. Sie ließ ihren Sohn in Kairo zurück, der zwar seine religiöse Führerrolle verteidigen konnte, aber politisch und militärisch weitgehend entmachtet war.

Tarkan Chatun: Die Königin

Tarkan Chatun, die Hauptgemahlin des Seldschukensultans Malik Schah I., war eine der wenigen Frauen, die während der Seldschukenherrschaft politischen Einfluss ausübten. Allerdings wird sie auch mit der Ermordung des mächtigen Wesirs Nizām al-Mulk in Verbindung gebracht.

Im Jahr 1092 n. Chr. ermordete ein junger Sufi den einflussreichen Seldschukenwesir. Obwohl die Ermordung offiziell Hassan-i-Sabbah zugeschrieben wird, dem Anführer der berüchtigten Assassinen (Hashishin), behaupten Historiker, wie Ibn al-Dschauzī und Adh-Dhahabī, dass Tarkan Chatun der führende Kopf hinter diesem Mord gewesen sei.

Tarkan Chatun griff maßgeblich in die politischen Angelegenheiten des Staates ein. Nach dem Tode ihres Mannes, Sultan Malik Schah I., wetteiferte sie mit dem Wesir um die eigentliche Regentschaft.

Als Tarkan Chatun den Anspruch ihres eigenen jüngeren Sohnes Mahmud sicherzustellen versuchte, unterstützte Nizām al-Mulk Berk-Yaruq, den ältesten Sohn von Malik Shah. Dies führte zum Konflikt zwischen der Königin und dem Wesir.

Mit der Ermordung von Nizam al-Mulk war der Weg für Tarkan Chatun frei. Nach dem Tod des Sultans folgte der erst vierjährige Sohn Mahmud auf den Thron. Tarkan Chatun war Vormund ihres Sohnes und versuchte als solche, ihre Herrschaft im Seldschukenreich durchzusetzen.

Ihre Regentschaft dauerte jedoch nicht lange, denn der älteste Sohn Berk-Yaruq wurde schon kurz nach dem Tod seines Vaters zum Sultan ausgerufen. In einer Reihe von Fehden gelang es ihm schließlich, seinen jüngeren Bruder zu besiegen, womit den Machtbestrebungen der Königin ein Ende gesetzt war.

Die Darstellung der Thronhüterinnen in historischen Berichten

Da die meisten historischen Berichte über das Kalifat die Sicht von Historikern wiedergeben, darf die Darstellung der Herrscherinnen in der islamischen Geschichte nicht unkommentiert bleiben.

Auffällig ist nämlich die wiederholte Zuschreibung von Morden an Rivalen dieser Frauen im Kampf um die Regentschaft.

Hier stellt sich die Frage, ob dieses Deutungsmuster Teil des Machtkampfes war. Oder handelte es sich um ein Narrativ, auf das Historiker rekurrieren, um die Macht in den Händen einer Frau als etwas Unverdientes oder Unzulässiges zu subsumieren?

Letzteres lässt sich an den Begriffen ablesen, mit denen der Diskurs über die Rechtmäßigkeit der Rolle der Thronhüterinnen geführt wird. Ihre Teilhabe an der Politik wird als "Einmischung" oder "Aneignung" bezeichnet, obwohl diese Frauen alle Eigenschaften hatten, die für eine erfolgreiche Regierungs- und Staatsführung notwendig waren: Erfahrung, Scharfsinn und starke Persönlichkeit.

Zudem versäumten es die Historiker, die positiven Aspekte der Regentschaft dieser Frauen zu erwähnen. Sogar dann, wenn sie maßgeblich zu Macht und Wohlstand des Kalifats beigetragen haben.

Mohamed Yosri

© Raseef 22

Aus dem Englischen von Peter Lammers

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