Historiker berichten, dass Sitt al-Mulk zwischenzeitlich Differenzen mit ihrem Bruder hatte, der sie daraufhin von den Staatsgeschäften entband und ihre politische Rolle beschnitt. Offenbar konnte sie ihren Einfluss aber ab 1021 n. Chr. erneut ausbauen.

Mehrere Historiker erwähnen, dass Sitt al-Mulk mit einigen Verbündeten die Ermordung ihres Bruder plante, so auch der arabische Historiker und Schriftsteller Taqī ʿAlī al-Maqrīzī in seinem Werk Ermahnung der Muslime mit den Nachrichten über die fatimidischen Imam-Kalifen (Ittiʿāẓ al-ḥunafāʾ bi-aḫbār al-aʾimma al-Fāṭimīyīn al-ḫulafāʾ).

Nach dem mysteriösen Verschwinden von Al-Hākim folgte sein minderjähriger Sohn Az-Zahir auf den Thron. Als dessen Vormund übernahm Sitt al-Mulk die Regentschaft über das Kalifat. Sie führte die Staatsangelegenheiten mit eiserner Hand bis zu ihrem Tod 1023 n. Chr.

Die Mutter des Kalifen Al-Mustansir bi-’llah

Wenn Sitt al-Mulk das Sinnbild einer politisch erfolgreichen Fatimidenherrscherin war, dann verkörpert die Mutter des Kalifen Al-Mustansir das genaue Gegenteil: Sie wurde zum Inbegriff des Scheiterns in einer chaotischen Zeit, die fast zum Untergang des Fatimidenreichs geführt hätte.

Nach dem Tod des Kalifen Abu ’l-Hasan Ali az-Zahir li-Izaz Din Allah im Jahr 1035 n. Chr. trat sein Sohn Abu Tamim Maadd al-Mustansir bi-’llah dessen Nachfolge an. Zu diesem Zeitpunkt war Al-Mustansir noch keine sieben Jahre alt, weshalb seine Mutter zunächst an seiner Stelle die Regierungsgeschäfte führte.

Karte zeigt den Herrschaftsbereich der Fatimiden in Nordafrika und Ägypten; Foto: wikimedia
An der Herrschaft der ismailitischen Fatimidendynastie über Ägypten und Nordafrika hatten auch Frauen ihren Anteil. So galt Sitt al-Mulk als Sinnbild einer erfolgreichen politischen Fatimidenregentschaft.

Merkwürdig ist, dass sie trotz ihrer Machtfülle kaum in den historischen Texten der Fatimidendynastie erwähnt wird. Quellen bezeichnen sie lediglich als Mutter von Al-Mustansir, ohne Namen oder Titel zu nennen.

Zunächst gelang es ihr, den Einfluss des Fatimidenreichs auf weitere Länder und Regionen auszudehnen. Das Herrschaftsgebiet umfasste Ägypten, den Süden der Levante, Nordafrika, Sizilien, das Rote Meer, Jemen und den heutigen Hedschas.

Im Laufe der Jahre zeigten sich jedoch die negativen Auswirkungen dieser Expansion.

Ibn al-Athīr verweist in seinem Hauptwerk Die vollständige Geschichte (Al-Kāmil fī ʾt-taʾrīḫ) darauf, dass die Mutter des Kalifen Al-Mustansir sudanesischer Herkunft sei. Vermutlich versuchte sie daher, den Einfluss der sudanesischen Söldner im Militär zu vergrößern, die damals einen wichtigen Teil der Fatimidentruppen in Ägypten bildeten. Sie wollte damit ihre Herrschaft absichern und ein Gegengewicht zu den marokkanischen und türkischen Truppen herstellen, der wichtigsten Kraft im Kalifat.

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