Es existieren zwar kaum verlässliche Statistiken, aber klar ist, dass dieses Jahr im Nordsinai sehr schwer gekämpft wurde. Laut Untersuchungen der ägyptischen Armee und Veröffentlichungen des Innenministeriums wurden zwischen Januar und Juni im Kampf gegen den Terror 120 ägyptische Sicherheitskräfte getötet, die meisten von ihnen fielen im nördlichen Sinai.

Führende Terroristen zu töten ist ineffektiv

Mit ihrem Programm "Sinai 2018" war die ägyptische Regierung teilweise erfolgreich – insbesondere im Kampf gegen führende Mitglieder von "Wilayat Sinai". In dem am 15. November veröffentlichten Video bestätigte die Gruppe den Tod ihres ehemaligen Anführers Abu Osama al-Masri, der wahrscheinlich einem Luftangriff zum Opfer fiel. Und bereits im August 2016 war Al-Masris Vorgänger Abu Duaa al-Ansari durch einen israelischen Luftschlag getötet worden.

Der frühere US-Außenminister Rex Tillerson und sein ägyptischer Amtskollege Sameh Shukri; Foto: picture alliance/AP/K. Elfiqign minister, give a joint press conference on 12.02.2018 (photo: picture alliance/AP/K. Elfiqi)
Menschenrechte über den Haufen geworfen: Westliche Regierungen, die Waffen an Ägypten liefern, können nur davon profitieren, dass sich das Land am Nil derzeit massiv aufrüstet. So waren die USA besonders daran interessiert, die Militärhilfe für Ägypten wieder aufzunehmen, indem sie 2017 die "Operation Bright Star" wieder aufnahmen. Dabei wurde Ägyptens katastrophale Menschenrechtsbilanz beflissentlich ausgeblendet. "Regionale Stabilität, die Bekämpfung des IS und - im Falle Europas – die Eindämmung der Migration haben vor Menschenrechtsfragen Priorität ", so Issandr al-Amrani, Direktor des Nordafrikaprojekts der "International Crisis Group".

"Der ägyptische Geheimdienst ist bei seinem Versuch, führende Mitglieder der 'Wilayat Sinai' auszuschalten, durchaus erfolgreich gewesen", meint Zack Gold, Analyst am Institute for Security Studies. "Aber die Frage ist, welchen Effekt es wirklich hat, die Anführer der Terrorgruppe zu töten. Verliert die Gruppe wirklich ihre Führung, wenn man deren Anführer ausschaltet, und beeinträchtigt dies wirklich langfristig ihre Möglichkeiten? Ich muss sagen, dass ich auch danach kaum einen Unterschied feststelle. Warum ist die 'Wilayat Sinai' immer noch in der Lage, fast täglich Sprengstoffanschläge zu verüben?"

Während "Wilayat Sinai" im nördlichen Sinai immer noch aktiv ist, leiden auch andere Landsteile Ägyptens unter den Angriffen der Dschihadisten, die eng mit dem "Islamischen Staat" verbunden sind. Im ganzen Land gab es Anschläge, insbesondere auf Christen, und überall wurden Mitglieder solcher Gruppen verhaftet.

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