Dem Historiker Abdel Jalil Bouguerra zufolge war Bildung in jener Zeit nur bestimmten Frauen vorbehalten: Ausländerinnen aus dem Maschrek (im heutigen Nahen Osten) oder aus Al-Andalus (dem damals muslimischen Teil der Iberischen Halbinsel) oder den hochrangigen Frauen der herrschenden Geschlechter. Auf Aicha traf nichts davon zu.

Die Bedeutung Ibn al-ʿArabīs für Aicha

Als sie sich in Montfleury niederließ, verdiente sie ihren Lebensunterhalt zunächst mit Stricken und Spinnen. Doch schon bald wurde sie Schülerin von Abu al-Hasan al-Shadhili, einem der wichtigsten Gelehrten seiner Zeit und ein Anhänger der Sufi-Schule von Ibn al-ʿArabī.

Bild des Philosophen Muhyiddin Ibn al-ʿArabī; Quelle: Arab48
Als Aicha sich in Montfleury niederließ, wurde sie Schülerin von Abu al-Hasan al-Shadhili, einem der wichtigsten Gelehrten seiner Zeit und ein Anhänger der Sufi-Schule von Ibn al-ʿArabī – eine umstrittene, aber einflussreiche Persönlichkeit in der islamischen Geschichte. Ibn al-ʿArabī war davon überzeugt, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind.

Ibn Arabi, eine umstrittene, aber einflussreiche Persönlichkeit in der islamischen Geschichte, war davon überzeugt, dass Frauen und Männer gleichberechtigt sind. Ausführlich berichtete er über die verschiedenen Lehrerinnen, die sein spirituelles Wissen geprägt hatten. Es verwundert nicht, dass sich Aicha für diesen Sufi-Orden entschied.

Aicha widersetzte sich weiterhin den sozialen Maßstäben ihrer Zeit. Sie studierte den Koran und wollte ihn bewusst auslegen, um seine Botschaften besser verstehen zu können. Ihr Weg zum Glauben führte über kritisches Hinterfragen. Sie verließ ihr Haus ohne einen männlichen Begleiter und traf sich sogar mit Männern, um zu predigen und zu debattieren. Dies soll einige Scheichs schließlich dazu veranlasst haben, ihre Steinigung zu fordern.

Doch sie studierte eifrig weiter, bestand ihre Prüfungen und stieg schnell von einer Schülerin zur Lehrerin auf. Ihre Debatten mit ihrem Mentor, Al-Shadhili, wurden zur Attraktion für Sufi-Gelehrte und Regenten.

Zu jener Zeit war es bereits ein beeindruckender Kraftakt, überhaupt eine solche Ausbildung zu durchlaufen. Aber eine aktive Tätigkeit als Islamgelehrte war eine noch größere Leistung, zumal dieser Bereich seit jeher von Männern dominiert wurde.

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