"Ahlan Simsim" für traumatisierte Flüchtlingskinder

Drei neue Muppets für den Nahen Osten

Elmo, Grobi und Co. bekommen Verstärkung - und zwar von drei Muppets, die im Nahen Osten Flüchtlingskindern Lesen und Schreiben beibringen und ihnen auch helfen sollen, das Trauma der Vertreibung zu bewältigen. Von Diana Hodali

Die weltweit bekannte Sesamstraßen-Familie bekommt Zuwachs: Basma, Jad und Ma'zooza heißen die neuen Puppen, die Flüchtlingskindern im Nahen Osten demnächst Freude und Hoffnung bereiten sollen. Die drei neuen Charaktere sprechen Arabisch, sind abenteuerlustig und widmen sich spielerisch einem Thema, das besonders Flüchtlingskinder in Syrien, Jordanien, Libanon und im Irak betrifft: Trauma.

Die Organisation Sesame-Workshop hat in Zusammenarbeit mit dem "International Rescue Committee" (IRC) mehrere Folgen einer Staffel im Nahen Osten produziert, um geflüchtete und vertriebene Kinder zum Lachen zu bringen und sie spielerisch bei ihren Herausforderungen zu unterstützen. In den einzelnen Folgen wird es nicht nur darum gehen, das ABC oder die Zahlen zu lernen, sondern auch um den Umgang mit Themen wie Einsamkeit, Angst und Hoffnungslosigkeit.

ABC der Gefühle

"Ahlan Simsim" oder auf Deutsch "Willkommen Sesam" wird das erste Mal im Februar 2020 zu sehen sein. "Unsere Recherche hat gezeigt, dass ein ABC der Emotionen besonders wichtig ist für Kinder, die durch den Krieg traumatisiert wurden und flüchten mussten. Und das trifft auf so viele Kinder aus Syrien zu", schreibt Produzent Cameron.

Basma, Jad und Ma'zooza sollen den Kindern soziale und emotionale Fähigkeiten näherbringen. Basma ist eine plüschige lila-farbene Muppet, die nach Angaben von Produzent Scott Cameron gerne tanzt und singt. "Sie ist die geborene Performerin", schreibt Cameron in einem Text über die Sendung. "Sie kann Soundeffekte und Musik kreieren - das hilft ihr dabei, sich selber auszudrücken, wenn ihr die Worte fehlen."

Basma ist sechs Jahre alt, ebenso wie Jad, der ein gelber, plüschiger Muppet-Charakter ist. Er ist neu in der "Ahlan Simsim" Nachbarschaft, malt gerne und trägt einen Pinsel bei sich, den er aus seiner Heimat mitgebracht hat. In einem Video, das bereits Ausschnitte der neuen Sendung zeigt, sagt Jad: "Ich habe mein Spielzeug nicht dabei. Ich habe es zurücklassen müssen, als wir hierher gekommen sind." Sowohl der Pinsel als auch das nicht-vorhandene Spielzeug sind Hinweise darauf, dass auch Jad geflüchtet ist. Begleitet werden Basma und Jad bei ihren Abenteuern von einer kleinen Ziege namens Ma'zooza, die besonders gerne runde Gegenstände frisst.

20 Jahre lang ein Flüchtling

Insgesamt fast sechs Millionen Syrer sind nach Angaben des UNHCR aus Syrien geflohen - die meisten in die Nachbarstaaten. Knapp die Hälfte von ihnen sind unter 18 Jahren, und sie haben bei weitem nicht alle Zugang zu Bildung. Auch innerhalb Syriens haben über sechs Millionen Menschen ihre Häuser verlassen müssen und haben ebenso Zerstörung, Gewalt und Tod erlebt. All diesen Kinder hat der Krieg nicht nur ihre Kindheit auf Spielplätzen und ihre Leichtigkeit genommen, sondern auch in vielen Fällen ihr Recht auf Bildung. "Den Kindern wird die Normalität geraubt", sagt IRC-Direktor David Miliband. "Und die Gefahr besteht darin, dass Gewalt für sie zur Normalität wird."

In verschiedenen Workshops im Libanon und Jordanien haben sich die Macher von "Ahlan Simsim" mit mehreren Psychologen, Sprachexperten, Autoren und Künstlern getroffen, um das Konzept der Sendung zu erarbeiten. Keine leichte Aufgabe, denn nach Angaben von IRC bleiben Flüchtlinge durchschnittlich 20 Jahre lang Vertriebene und erleben viel Leid.

Mehr als eine Sendung

Sherrie Westin, Direktorin von Global Impact and Philanthropy for Sesame Workshop in den USA, sagte, dass es ihnen besonders wichtig gewesen ist, dass die Sendung die Realität der Kinder aufgreife und die Muppets aus der Region stammen. Basma, Jad und Ma'zooza bekommen dabei aber auch prominente Unterstützer. Denn auch Grobi, Elmo und das Krümelmonster werden mit von der Partie sein. Die kennt man im Nahen Osten schon länger, denn 1979 wurde die Sendung das erste Mal in Kuwait ausgestrahlt.

"Ahlan Simsim" geht aber noch einen Schritt weiter - denn neben den verschiedenen Episoden, sieht das Programm auch vor, dass Experten mit Kindern vor Ort arbeiten - sei es in einer Flüchtlingsunterkunft, einer Wohnung oder einem Zelt.

Diana Hodali

© Deutsche Welle 2019

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