Dieser hatte schon seine Bereitschaft erklärt, wieder diplomatische Beziehungen zu Eritrea aufzunehmen. De Waal erklärt: "Angesichts der neuen äthiopischen Regierung ergriffen sie [die Golfstaaten] die Gelegenheit und sagten zu Abiy: Ihr habt schwere wirtschaftliche Probleme. Aber wir helfen euch." Als Gegenleistung wurden Wirtschaftsabkommen geschlossen und der Friedensvertrag unter Dach und Fach gebracht.

Allein der Friedensvertrag könnte Äthiopien schon wirtschaftliche Vorteile bringen. "Das äthiopische Wirtschaftswachstum war lange durch den fehlenden Zugang zum Meer begrenzt", meint Dickinson. "Fast die gesamten Exporte gehen heute durch Dschibuti. Kann Äthiopien die bestehenden Häfen in Eritrea und die neu geplanten Häfen in Somalia nutzen, könnte der Handel in der Region einen enormen Aufschwung erleben."

Regionalpolitische Veränderungen

Das Horn von Afrika ist für die Golfstaaten nicht nur von wirtschaftlichem, sondern auch von militärischem Interesse. Die Region ist der Ausgangspunkt einiger der größten afrikanischen Militärinterventionen. Die VAE verfügen über eine Basis in Eritrea, und in Dschibuti sind unter anderem saudische Truppen stationiert. Und die Türkei und Qatar haben Militärstützpunkte in Somalia und dem Sudan – und enge politische Beziehungen zu den beiden Ländern.

Im jemenitischen Bürgerkrieg hat insbesondere Saudi-Arabien eine höchst umstrittene Rolle eingenommen. Das Königreich führt eine militärische Koalition an, deren Ziel es ist, die gestürzte jemenitische Regierung gegen die vom Iran geförderten Huthi-Rebellen zu unterstützen.

An dieser Koalition sind nicht nur die VAE und die USA beteiligt, sondern auch die meisten Länder des Horns von Afrika. So haben Dschibuti, Somalia, Eritrea und der Sudan ihre Lufträume, Seegebiete und Militärbasen für den Krieg zur Verfügung gestellt.

Der saudische Außenminister Adel al-Dschubair; Foto: picture-alliance/dpa
Auf gleicher Augenhöhe: Obwohl Saudi-Arabien die Koalition im Jemenkrieg anführt, betonen Experten wie Alex de Waal die wichtige Rolle der VAE: "Interessant ist, wie sehr die Emirate als gleichwertige Partner auftreten. Sie sind für militärische Operationen in Aden und entlang der Küste verantwortlich", erklärt er. "Und zu diesem Zweck haben die Emirate eine Militärbasis in Assab aufgebaut. Von dort aus führen sie in der Gegend von Hodeida, im Jemen, Luftangriffe."

Obwohl Saudi-Arabien die Koalition anführt, betont de Waal die wichtige Rolle der VAE: "Interessant ist, wie sehr die Emirate als gleichwertige Partner auftreten. Sie sind für militärische Operationen in Aden [wo die gestürzte jemenitische Regierung sitzt] und entlang der Küste verantwortlich", erklärt er. "Und zu diesem Zweck haben die Emirate eine Militärbasis in Assab [Eritrea] aufgebaut. Von dort aus führen sie in der Gegend von Hodeida [im Jemen] Luftangriffe."

Laut Angaben der Expertin Dickinson haben die Koalitionsmächte in Assab jemenitische Truppen ausgebildet und sie danach wieder in den Kampf geschickt. Berichte, Eritrea und der Sudan hätten im Jemen eigene Bodentruppen eingesetzt, wurden bislang von den Politikern zurückgewiesen. Dementiert wurde auch die Existenz geheimer Gefängnisse für jemenitische Gefangene in der eritreischen Hafenstadt Assab. Im Juni 2017 hatte die Nachrichtenagentur  AP die Verwandten von Insassen solcher Gefängnisse zu diesem Thema befragt. Ähnliche Quellen zitiert auch die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch in ihren Berichten.

Obwohl die Zukunft des Friedens zwischen Eritrea und Äthiopien ungewiss ist, glaubt de Waal, dass die jüngsten Entwicklungen auf einen politischen Wandel zwischen dem Horn von Afrika und den Golfstaaten hindeuten. Wie er betont, haben sich die beiden ostafrikanischen Länder nicht an die Afrikanische Union, sondern an Saudi-Arabien gewandt. "Dies ist eine interessante und bedeutsame Veränderung. Bisher beruhten Vereinbarungen in Hinblick auf Frieden und Sicherheit am Horn von Afrika auf afrikanischen Institutionen. Mittlerweile scheinen sie vielmehr auf den Prinzipien und Prozessen des Nahen Ostens aufzubauen."

Sella Oneko

© Deutsche Welle 2018

Aus dem Englischen von Harald Eckhoff

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