Für diesen Fall benötigten die Saudis eine alternative Route, um ihr Öl verschiffen zu können. Also begannen sie, an der Küste des Roten Meeres Pipelines und Ölraffinerien zu bauen. Dazu mussten sie die beiden Enden der Wasserstraße sichern.“

Auch Elizabeth Dickinson, eine Expertin für die Arabische Halbinsel bei der International Crisis Group, glaubt, das saudische Königshaus verstärke sein internationales politisches Engagement: "Saudi-Arabien ist ein großer Geldgeber und räumt Afrika in diplomatischer Hinsicht immer mehr Priorität ein." Die Emirate sieht die Analystin auf einem ganz ähnlichen Weg: "Die VAE haben sich in den Bereichen der Logistik und der Hafen- und Handelsentwicklung als großer möglicher Investor positioniert."

Im August 2018 kündigte Äthiopien das Vorhaben der VAE an, in eine Ölpipeline zwischen Eritrea und Äthiopien zu investieren. Nur einen Monat zuvor hatte Eritreas Präsident Isias Afwerki den reformorientierten äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed in der eritreischen Hauptstadt Asmara willkommen geheißen – zum ersten Staatsbesuch seit 20 Jahren.

Und im vergangenen September, kurz nach dem Friedensvertrag von Jeddah, reiste Afwerki dann erneut an den Golf. Dieses Mal fuhr er nach Abu Dhabi in den VAE, um mit dem dortigen Kronprinzen über Investitionen und wirtschaftliche Zusammenarbeit zu sprechen. Die beiden Länder enthüllten zwar wenig Details über den Besuch, aber Yemane Meskel, der Informationsminister von Eritrea, veröffentlichte ein Bild des Treffens auf Twitter:

Präsident Isaias Afwerki befindet sich auf einem dreitägigen Arbeitsbesuch in Abu Dhabi und führte umfassende Gespräche über Investitionen, Verbindungen wirtschaftlicher Zusammenarbeit und regionale Themen von gemeinsamem Interesse mit dem Kronprinzen Scheich Mohammed bin Zayed Al Nahyinan, dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Scheich Mansour und anderen Politikern.

Karte zeigt Staaten am Horn von Afrika; Quelle: Deutsche Welle
Ungenutztes Wirtschaftspotenzial: Mit der Unterzeichnung des jüngsten Friedensabkommens zwischen Äthiopien und Eritrea und den laufenden Verhandlungen zwischen Dijbouti und Eritrea dürfte der Handel über das nur 355 Kilometer breite Rote Meer am Horn von Afrika vor allem mit Saudi-Arabien und den VAE zunehmen.

Die äthiopischen Interessen

Aufgrund des langen Konflikts zwischen Eritrea und Äthiopien war das Horn von Afrika für Saudi-Arabien und die Emirate immer schon ein schwieriges Terrain. Äthiopien ist dort traditionell die stärkste Regionalmacht, war aber bisher ein schwieriger Partner – aufgrund aktueller innenpolitischer Probleme, seinem fehlenden Zugang zu Seehäfen und seinen engen Verbindungen zu den saudischen Rivalen Qatar und Iran.

Deshalb wäre eigentlich Eritrea für die Saudis und die Emirate wirtschaftlich interessant gewesen, da sie, wie de Waal erklärt, auf der afrikanischen Seite des Roten Meeres eine sichere Basis benötigten, um ihre wirtschaftlichen Interessen weiter zu entwickeln. "Eritrea war ein offensichtlicher Kandidat", meint er. Und der eritreische Präsident Afwerki stand den Verbündeten am Golf offener gegenüber. "Aber gegenüber Äthiopien wird Eritrea immer ein Juniorpartner bleiben – weil das Land wirtschaftlich kleiner und militärisch schwächer ist."

In den letzten 20 Jahren, meint de Waal, sei es Äthiopiens Strategie gewesen, Eritrea gegenüber der afrikanischen Union und anderen regionalen Einrichtungen zu isolieren. Als es nun darum ging, Äthiopien zu überzeugen, sahen die Golfstaaten ihre Chance in Abiy Ahmed, dem neuen Ministerpräsidenten des Landes.

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