Ägyptens mobile Bibliothek

Ein Bücherfahrrad in den Straßen Kairos

Eine Ladung diverser Bücher und ein schickes Dreirad, ausgestattet mit Bücherregalen: Mit diesen einfachen Mitteln begannen Hadeer Mansour und Mohammad ihr Projekt, das Bücherfahrrad: eine kleine mobile Bibliothek, die durch die Viertel der ägyptischen Hauptstadt Kairo fährt. Von Islam Anwar

Zuvor, so die 27-jährige Hadeer, arbeitete sie bei einem ägyptischen Unternehmen der Buchbranche im Bereich Vertrieb und Verkauf. Hierfür organisierte sie viele Buchmessen an Universitäten, Schulen und Kultureinrichtungen. Doch vor einigen Monaten entschied sie sich ein eigenes Projekt auf die Beine zu stellen, ihr Freund Mohammad hatte die Idee dazu: ein Bücherfahrrad in den Straßen Kairos.

"Ich dachte, dass dies eine neue, innovative Idee ist, die außerdem den Transport der Bücher von einem Ort zum nächsten erleichtert – und sie ist umweltfreundlich. Also begannen wir mit der Umsetzung: Ein spezialisierter Fahrradhändler baute unser Rad, das sehr stabil sein muss, um das Gewicht der Bücher auszuhalten und den rauen Straßenverhältnissen der ägyptischen Hauptstadt zu trotzen. Außerdem benötigt es einen Regenschutz für die Bücher. Und zu guter Letzt soll es auch noch schick aussehen."

Literarische Vielfalt auf zwei Rädern

Das "Bücherfahrrad" bietet Dutzende Bücher verschiedener Gattungen, von Literatur, Geschichte, Philosophie bis hin zu Übersetzungen und Kinderbüchern. Hadeer profitierte hier von ihrer Arbeitserfahrung im Vertrieb und Verkauf von Büchern. Dadurch fiel es ihr leicht mit den Verlagen zu kommunizieren. Sie kannte die Titel, die sich gut verkaufen und wusste, wie sie an sie herankam. An diesem Punkt im Projekt erkannte Hadeer, dass "das Projekt sich nicht nur auf den Verkauf von Büchern des Bücherfahrrads beschränkt: Das Fahrrad hat eine Facebookseite mit 5.000 Followern. Durch diese Seite verbreiten wir Informationen über Bücher, Neuerscheinungen und Autoren. Außerdem bieten wir an, Bücher nach Hause zu liefern."

Das Bücherfahrrad von Hadeer Mansour und Mohammad, Quelle: Books Bike Egypt
On the road: Hadeer träumt bereits davon, das Bücher-Vorhaben auch auf andere Regionen auszuweiten, sodass es landesweit von Erfolg gekrönt sein könnte. Ziel ist es, dass es in jedem Gouvernorat mindestens ein Bücherfahrrad gibt, das zum Lesen und Kaufen von Büchern anregen soll.

Hadeer ist der Überzeugung, dass der Verkauf von Büchern nicht allein der Logik des Profits folgt, sondern vor allem Wissen an die Gesellschaft weitergeben: "Wenn Du ein Buch verkaufst, gibst Du eine andere Erfahrung weiter, und neue Informationen wandern von einer Person zur nächsten – mal ganz abgesehen von der Freude am Lesen. An erster Stelle bin ich eine Leserin und Buchliebhaberin, erst danach auch eine Buchverkäuferin. Und trotz aller Widrigkeiten erfüllt mich diese Arbeit mit Begeisterung. Denn ich bin überzeugt davon, dass Bücher Menschen im positiven Sinne verändern können."

Obwohl das Projekt über keine nennenswerte finanzielle Unterstützung und Werbeeinnahmen verfügt, ist es trotzdem schon jetzt ein großer Erfolg. Erst kürzlich stiegen die Besucherzahlen auf der Bücherfahrrad-Facebookseite stark an. Und sogar die Präsidentin des Nationalen Frauenrats, Maya Mursi, wurde auf das Projekt aufmerksam. Sie lobte die Initiative und sagte, dass die ägyptische Gesellschaft heutzutage mehr von diesen kreativen Initiativen benötige.

Sie verwies auf den Vorbildcharakter des Projekts, nämlich der Verbreitung von Lesekultur und Bildung in der ägyptischen Öffentlichkeit. Mursi betonte, dass die Gesellschaft, ob Groß oder Klein, mehr zum Lesen ermutigt werden müsste. Sie rief daher alle Jugendlichen dazu auf, sich Hadeer und Mohammad zum Vorbild zu nehmen und eigene, kreative und relevante Initiativen ins Leben zu rufen.

Erfolge, Herausforderungen und Zukunftsvisionen

Trotz der breiten Unterstützung, die das Projekt Bücherfahrrad erhält, gibt es auch zahlreiche Schwierigkeiten. Das wohl größte Problem, so Hadeer, besteht in der Weigerung der Regierungsbehörden, die Genehmigungen und Lizenzen auszustellen, die sie für eine offizielle Durchführung des Projekts benötigen.

Dadurch sind sie den Gängelungen der Polizisten ausgesetzt und können sich, sobald sie Neu-Kairo verlassen, in den Straßen nicht mehr frei bewegen. Hinzu kommen die extrem hohe Preissteigerungen der letzten Monate, die sich auch den Buchmarkt auswirken und einen starken Rückgang der Verkaufszahlen verursachen, sowie die Gefahr, dass die Bücher durch Autoabgase oder Regen beschädigt werden.

"Auch konnten wir nicht bei der diesjährigen Internationalen Buchmesse in Kairo dabei sein, weil die Miete, die von dem verantwortlichen Buchverband für eine Standfläche auf dem Messegelände gefordert wurde, viel zu hoch war." Dennoch bleibt Hadeer zuversichtlich, was die Perspektiven für das Projekt angeht: "Ich träume davon, das Vorhaben auch auf andere Regionen auszuweiten, sodass wir schließlich in ganz Ägypten präsent sein können. Ziel ist es, dass es in jedem Gouvernorat mindestens ein Bücherfahrrad gibt, das zum Lesen und Kaufen von Büchern anregt."

Islam Anwar

© Goethe-Institut 2017

Die Redaktion empfiehlt
Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.
To prevent automated spam submissions leave this field empty.