Dem jungen Komiteegründer haben sich etliche Freiwillige angeschlossen, die Geld- oder Sachspenden sammeln, um Pakete mit unter anderem Lebensmitteln, Fertigprodukten, Putz- und Desinfektionsmitteln sowie Seife zu bestücken.

Eine andere, ebenfalls von einer jungen Frau ins Leben gerufene Initiative, der sich rund fünfzig Freiwillige angeschlossen haben, hat bereits annähernd 1.500 Familien sieben unterschiedlicher Nationalitäten unterstützt. Denn wie die Initiatorin feststellen musste, sehen sich aktuell in Ägypten viele Menschen, die zum Arbeiten aus anderen Ländern hergekommen sind, bedroht, aus ihren Wohnungen vertrieben zu werden, weil sie die Miete nicht mehr aufbringen können.

Die Initiative bemüht sich, die Mietzahlungen für diese Menschen, die in den zurückliegenden Monaten ihre Arbeit verloren haben, zu übernehmen, und versorgt darüber hinaus besonders bedürftige Familien mit Hilfspaketen. Ein wirklich bemerkenswertes Projekt, das in erster Linie Nicht-Ägyptern zugute kommt.

Gemeinnützig engagiert

Andere Bemühungen junger Freiwilliger haben sich zur Aufgabe gemacht, Dinge des täglichen Bedarfs für Familien einzukaufen, von denen ein Mitglied sich mit dem Virus infiziert hat, weshalb nun die gesamte Familie unter häuslicher Quarantäne steht. Zudem gibt es Zusammenschlüsse junger Aktivisten, die sich darauf spezialisiert haben, bei der Suche nach einem Krankenhaus zu helfen, das überhaupt noch Coronakranke aufnimmt.

Der ägyptische Autor Khaled al-Khamssi; Foto: Mahmud Hams/AFP/Getty Images
Khaled al-Khamissi, geboren 1962 in Kairo, studierte Politikwissenschaften an der Universität Kairo und der Sorbonne. Er arbeitet als Journalist für ägyptische Zeitungen. Für verschiedene Spiel- und Dokumentarfilme war er als Produzent, Regisseur und Drehbuchautor tätig.

Das sind nur einige wenige Beispiele für Privatinitiativen, die aus dem Wunsch, sich gemeinnützig zu engagieren, hervorgegangen sind und innerhalb bekannter, lokaler Strukturen arbeiten. Und mehr positive Beispiele dieser Art finden sich zuhauf. Das Schöne daran ist, dass sich diese Art von Engagement offenbar schneller verbreitet, als das Virus zu streuen in der Lage ist.

Licht gegen finstere Auswüchse

Sobald jemand hört, dass einer etwas unternimmt, um einem Kranken oder Bedürftigen zu helfen, finden wir, dass auch er sofort gewillt ist, etwas zu unternehmen, ja von sich aus in seinem privaten Umfeld zu fragen beginnt, ob ihn nicht jemand dabei unterstützen möchte. Und das Allerschönste daran ist das Wissen, dass diese Initiativen zumeist von jungen Menschen ausgehen, die durch die gegenwärtigen Lebensumstände selbst unter großem Druck stehen.

Natürlich gibt es andererseits auch manche, die die bestehende Notlage ausnutzen, um schnelles Geld zu machen. So tauchen plötzlich unzählige Anbieter auf, die gegen eine mehr als stolze Summe testen, ob man sich mit dem Virus infiziert hat oder nicht, und zu diesem Zweck zu einem nach Hause kommen. Wie genau diese Tests jedoch sind, vermag ich persönlich nicht zu sagen. Und gleichzeitig haben einige Privatkliniken ihre ohnehin schon stattlichen Preise drastisch erhöht.

Von meiner Tochter erfuhr ich, die Familie einer Freundin, die sich mit dem Virus infiziert hat, habe 50.000 Guinee, sage und schreibe 2.700 Euro, für eine einzige Nacht in einer solchen Klinik berappt, also 25 Mal so viel wie der monatliche Mindestlohn in Ägypten beträgt. Eine Form schamlosen Wuchers, wie sie hierzulande leider nur zu bekannt ist und bedauerlicherweise zu erwarten war, angesichts der grassierenden Seuche und des gleichzeitigen Mangels an verfügbaren Krankenhausbetten.

Doch gegen solche finsteren Auswüchse hilft nur Licht. Und das Licht, das die hier beschriebenen und andere humanitäre Initiativen in Ägypten verbreiten, lässt mich optimistisch auf ein Morgen blicken.

Khaled al-Khamissi

© Süddeutsche Zeitung 2020

Aus dem Arabischen von Markus Lemke

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