Ähnliche Treffen sind für 2019 in auch in Ramallah und Hebron geplant. "Ich habe jetzt verstanden, dass es in jeder Religion Menschen gibt, die auf Verständigung setzen und ein friedliches Zusammenleben wollen", sagte ein Teilnehmer nach einer Begegnung.

Genau dieser Lerneffekt sei Ziel der Arbeit, meint die Rabbinerin. „Wir wollen zeigen, dass wir gemeinsame Werte teilen“. Alle drei Religionen verbieten es, Menschen zu töten und sehen es als einen grundlegenden Wert, den anderen zu respektieren. Dennoch werde Religion immer wieder als Rechtfertigung für Gewalt missbraucht.

Deswegen „müssen wir uns alle zusammen bewusst für eine humanistische Interpretation der religiösen Texte entscheiden“, sagt sie. Dann sei es auch möglich, Kompromisse für religiös aufgeladene Konflikte wie zum Beispiel an der Klagemauer in Jerusalem zu finden.

Rabbinerin Nava Hefetz von der Initiative Rabbis for Human Rights; Quelle: YouTube
„Die Medien berichten nicht über Bemühungen zum Dialog“, sagt die Rabbinerin Nava Hefetz von der Initiative Rabbis for Human Rights. „Sie interessieren sich nur für Selbstmordattentate und terroristische Angriffe.“

In der israelischen Gesellschaft werden solche Begegnungen quer zu den üblichen Lagern nicht besonders gerne gesehen und die Medien interessieren sich nicht dafür. „Die Medien berichten nicht über Bemühungen zum Dialog“, sagt Hefetz. „Sie interessieren sich nur für Selbstmordattentate und terroristische Angriffe.“

Kaum Interesse bei den orthodoxen Kopten

In Ägypten gibt es heute nur noch eine Handvoll Juden, die alle schon über 60 Jahre alt sind. Über das Judentum zu informieren, ist daher schwierig. Die jüdische Gemeinde ist zwar offiziell in das 2016 in Kairo gegründete Abrahamische Forum eingebunden, aber die Abrahamischen Teams müssen de facto ohne ihre Mitwirkung auskommen.

Tharwat Kades, ein gebürtiger Ägypter, der schon seit Jahrzehnten in Deutschland lebt, war lange Jahre Gemeindepfarrer der evangelischen Landeskirche in Hessen-Nassau. Jetzt ist er im Ruhestand und kümmert sich um sein Herzensanliegen, den Dialog zwischen den Religionen in seinem Heimatland. Zusammen mit Jürgen Micksch hatte er die Idee, die interreligiöse Dialogarbeit mit den Abrahamischen Teams in Ägypten aufzubauen.

Dazu ging Kades auf die koptisch-evangelische, die koptisch-katholische und die koptisch-orthodoxe Kirche sowie auf die islamische Al-Azhar-Universität und die Gemeinschaft der Bahai zu.

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Leserkommentare zum Artikel: Die Mühsal der Verständigung

Ich verstehe das Projekt nicht - zumindest nicht für den Nahen Osten. Nehmen wir Ägypten. Wer dort spazieren geht, kann die vielen Orte nicht übersehen, wo Moscheen und Kirchen direkt nebeneinander oft auch auf dem selben Grundstück zeitgleich erbaut wurden. Und die zusätzlichen uralten - und unangetasteten - christlichen Gotteshäuser stehen in jedem Fremdenführer. St. Katharina im Sinai soll sogar Mohammeds persönlichen Schutz genossen haben. Das heute teilweise gespanntere Verhältnis ist also einer Entfremdung geschuldet und nicht per se die Folge falscher Bilder voneinander; diese Bilder sind ja schon einmal richtiger gewesen. Entfremdungen haben normalerweise ihren Grund in ungelösten Konflikten. Hier wären viele Konflikte zu nennen, z.B. die Missionierung im Zuge der Kolonialisierung oder der Palästina-Konflikt.
Ich könnte verstehen, wenn man nun versuchen wollte, Religion von Politik zu trennen, also die Identifikation von politischer Erfahrung mit religiösem Ideal rückgängig zu machen. Etwa, statt das Judentum mit der israelischen Politik gleichzusetzen, den Unterschied zwischen Beidem verständlich zu machen - so wie Muslime ja auch nicht alle Muslimbrüder sind, bloß weil sie Muslime sind. Und wie nicht alle Christen automatisch mit den ehemaligen Kolonialmächten sympathisieren und die gleiche Religion zu ihrem Vorteil nutzen.
Wie kann man, statt die Entfremdungsanlässe zu beleuchten, aus der Entfremdung selbst einen genuin religiösen Konflikt zaubern wollen? Das ist doch eine Mystifizierung, die die "Begleit"umstände aus dem Fokus nimmt, mehr nicht.
Kein Wunder, dass die Verständigung "mühselig" ist.

Hanya Dikaton30.08.2019 | 18:15 Uhr