Wie ist dieses Vorhaben zustande gekommen?

Miksch: Wir sind auf die Moscheegemeinden zugegangen und haben angeregt, Menschen aus der Nachbarschaft zu Freitagsgebeten während der UN-Wochen gegen Rassismus einzuladen. Dann hatten wir die Idee, dass Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben, zum Beispiel Bürgermeister in die Moscheegemeinden eingeladen werden. Das wurde sehr gut angenommen. Es gab im März 2018 im Rahmen der Wochen gegen Rassismus 1.700 Veranstaltungen in Moscheen und an zahlreichen Orten nahmen auch Oberbürgermeister teil. Wegen der Antisemitismus-Problematik sind wir auf die Idee gekommen, dass Muslime überhaupt mal Juden kennenlernen sollten. Denn Muslime in den Moscheegemeinden haben in der Regel noch nie einen Juden in ihrem Leben getroffen. Wir haben die muslimischen Verbände angesprochen und sind hier auf offene Ohren gestoßen. Alle waren sofort bereit mitzumachen. Bei der Vorbereitung hat sich keine der angesprochenen Moscheegemeinden quergestellt.

Worüber sprechen die jüdischen Persönlichkeiten in der Moschee?

Miksch: Das ist den einzelnen natürlich freigestellt, aber in der Regel äußern sie sich zum Thema Rassismus, zum Problem des Antisemitismus und sie sprechen über eigene Erfahrungen mit Anfeindungen. Sie werden auch darüber reden, was man gemeinsam tun kann, um diese Probleme zu überwinden. In ihren Freitagspredigten greifen die Imame dann das Thema auf. Wir haben in Deutschland sowohl Antisemitismus und als auch anti-muslimischen Rassismus. Wir sehen unsere Aufgabe darin, solche Vorurteile durch direkte menschliche Kontakte abzubauen.

Ausschnitt Globus Mittelmeerländer; Quelle: Abrahamisches Forum
Abrahamische Teams rund um den Globus und in der MENA-Region: Ziel eines Projektes der Abrahamische Teams speziell in den nordafrikanischen Ländern ist die Verbesserung des Miteinanders zwischen Juden, Christen und Muslimen in der Region Mittlerer Osten und Maghreb, insbesondere in Mittelmeerländern wie Ägypten, Israel oder Marokko. Im Januar 2016 konnte eine erste Veranstaltung mit einem Abrahamischen Team aus Juden, Christen und Muslimen in Israel durchgeführt werden.

Sehen Sie denn Fortschritte bei den interreligiösen Begegnungen?

Miksch: An der Basis hat sich vieles ausgesprochen positiv entwickelt, auch wenn das in der Öffentlichkeit nicht so bekannt ist. Als wir 2001 mit den Abrahamischen Teams anfingen, hieß es manchmal bei katholischen Pfarrern oder evangelischen Kirchenvorständen: In unsere Gemeinde kommt kein Muslim. Es war in der Anfangsphase oft schwierig, die Kirchengemeinden überhaupt für Veranstaltungen zu gewinnen. Das ist heute nicht mehr so. Wir haben heute Veranstaltungen in Synagogen, anfangs unvorstellbar, in Moscheen und Kirchengemeinden. In den Kirchen kommen die meisten Anfragen von evangelischen Gemeinden. Natürlich gibt es aber neben engagierten Gemeinden noch eine Vielzahl ohne jeden Kontakt zu Menschen anderer Religion. Da gibt es noch viel zu tun.

Erleben die Teams auch Anfeindungen bei ihrer Arbeit?

Miksch: Seit Jahren gibt es kaum mehr Probleme mit Anfeindungen bei unseren Veranstaltungen. Es handelt sich nur noch um Einzelfälle. So hat etwa vor einiger Zeit in Norddeutschland ein Bundeswehroffizier einen Juden aus einem Abrahamischen Team antisemitisch beleidigt. Wir haben das gleich bei einer weiteren Veranstaltung intensiv diskutiert. Solche Vorfälle sind extrem selten geworden. Anfangs haben wir manchmal keine Räumlichkeiten für Veranstaltungen bekommen, weil man uns nicht unterstützen wollte, aber das kommt nicht mehr vor. Die Abrahamischen Teams sind heute allgemein akzeptiert.

Das Interview führte Claudia Mende.

Qantara.de 2019

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