37. Fajr-Filmfestival im Iran

Film als Politikum

Nach den Absagen prominenter Filmschaffender stehen die Veranstalter der wichtigsten iranischen Kulturveranstaltung unter Druck. Das Fajr-Filmfestival in Teheran zeigt, wie mit einem Kulturereignis Politik gemacht werden kann. Von Philipp Jedicke

Alles begann mit einer Kuh, so geht zumindest die Mär. Der Gründer der Islamischen Republik Iran, Ayatollah Ruhollah Khomeini, soll eines Tages den Film "Gaav" ("Die Kuh") gesehen und beschlossen haben: Das iranische Kino ist förderungswürdig. Denn in dem Film von Dariush Mehrjui sind die Rollen von Mann und Frau klar verteilt, es herrschen Zucht und Ordnung, und es geht um Moral - ganz im Sinne des religiösen Führers. Es wurde beschlossen: So soll das iranische Kino der Zukunft aussehen.

Tatsächlich gilt der Film aus dem Jahr 1969, eine vom Neorealismus beeinflusste, existentialistische Fabel über das Verhältnis eines Individuums zur Gruppe, auch heute noch als cineastisches Meisterwerk. Er wurde noch unter dem Schah wegen seiner Darstellung von Armut auf dem Land verboten, außer Landes geschmuggelt und gewann 1971 bei den Filmfestspielen von Venedig den Kritikerpreis.

Kinofilme: umstrittenes Medium im Gottesstaat

Auch wenn die religiösen Machthaber verstanden hatten, was sie mit dem nationalen Kino für einen immensen kulturellen Schatz hatten, blieb der Film zunächst ein hart umkämpftes Medium: Zum Höhepunkt der Revolution 1978/1979 und während des Iran-Irak-Krieges (1980-1988) gingen immer wieder Kinos in Flammen auf. Das Kino wurde an einem Tag als "Prostitution" verdammt und am nächsten als lehrreich und moralisch bildend gelobt, zum Beispiel, wenn es als hoch wirksames Propagandamittel für die Zwecke der Revolution genutzt werden konnte. In diesem Zwiespalt lebt der iranische Film bis heute.

Filmszene aus "Gaav" von 1969 von Dariush Mehrjui; Foto: Iranian Ministry of Culture
Pionier für das iranische Kino der Zukunft: Tatsächlich gilt Dariush Mehrjuis Film "Gaav" aus dem Jahr 1969, eine vom Neorealismus beeinflusste, existentialistische Fabel über das Verhältnis eines Individuums zur Gruppe, auch heute noch als cineastisches Meisterwerk. Er wurde noch unter dem Schah wegen seiner Darstellung von Armut auf dem Land verboten, außer Landes geschmuggelt und gewann 1971 bei den Filmfestspielen von Venedig den Kritikerpreis.

"Seit das Kino als akzeptierte Kunstform übernommen und staatlich gefördert wurde, sind wir in dieser paradoxen Situation, dass die Regierung, das Kultusministerium, Filme am Anfang fördert und am Ende zensiert. Zensur wird als systemimmanent, als zugehörig und moralisch und politisch sinnvoll empfunden", so Amin Farzanefar, Leiter des Iranischen Filmfestivals "Visions of Iran" in Köln. Filme müssen vor dem Dreh vom Ministerium für Kultur genehmigt und können während der Produktion inspiziert werden. Am Ende müssen sie dann dem Ministerium vorgelegt werden.

Das Fajr-Filmfestival und das iranische Kinowunder

1982 wurde der Wichtigkeit der Kunstform Kino seitens der Regierung schließlich auch ganz offiziell Rechnung getragen, mit der Gründung des Fajr-Filmfestivals. Es entstand mit der Förderung und unter Aufsicht des Ministeriums für Kultur. Seitdem findet es jedes Jahr im Februar zum Jahrestag der Islamischen Revolution statt. Das Ziel aller Beteiligten war es, an die große Tradition des vorrevolutionären iranischen Kinos anzuknüpfen. Doch der Start des Festivals verlief alles andere als harmonisch: Bei der ersten Ausgabe waren wohl so viele furchtbare Einreichungen dabei, dass sich die Jury weigerte, einen Preis zu vergeben, wie Amin Farzanefar erzählt. Doch man berappelte sich, und das Fajr-Filmfestival, das laut eigenen Angaben älteste asiatische Filmfestival, wurde zum Prestigeobjekt und Vorzeige-Kulturereignis der Nation.

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