25 Jahre Osloer Abkommen

Als Oslo den Nahost-Friedensprozess anschob

25 Jahre ist es her, dass Israelis und Palästinenser das Osloer Friedensabkommen unterzeichneten. Viele Norweger feiern den Vermittlungserfolg heute noch - dabei konnte Norwegen von Anfang an kein neutraler Mittler sein. Von Diana Hodali

Ausgelassen und gut, so beschreibt Jan Egeland die Stimmung, die herrschte zwischen Israel und der palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), als beide Parteien 1993 bei den Osloer Friedensgesprächen zusammentrafen. Egeland hat in seiner Laufbahn viele Krisengespräche erlebt und Krisenländer bereist. Die norwegische Pop-Band Ylvis hat ihm sogar ein Lied gewidmet, in dem sie ihn als "peacekeeping machine" bezeichnet.

An seine erste große Aufgabe, die ihm damals mit 36 Jahren als stellvertretender Außenminister gestellt wurde, erinnert er sich besonders gut: Er sollte Gespräche zwischen Vertretern der israelischen Regierung und der PLO in Oslos Hinterzimmern möglich machen und ausrichten, als "facilitator", Vermittler und Unterstützer.

"Die beiden Parteien haben direkt und alleine miteinander gesprochen. Da waren auf beiden Seiten wirklich gute Leute", erinnert sich Egeland bescheiden. Als Chefverhandler für Israel saßen Premierminister Jitzchak Rabin und der Diplomat Uri Savir am Tisch. Auf der palästinensischen Seite nahm neben dem damaligen Palästinenserpräsidenten Jassir Arafat, der Israel lange als Terrorist galt, auch PLO-Mann Ahmed Kureia am Verhandlungstisch Platz.

Egeland und die anderen Mitglieder des norwegischen Vermittlerteams behandelten beide Parteien mit dem gleichen Respekt, berichtet er: "Wir haben sie in den gleichen Autos vom Flughafen abgeholt, sie saßen an den gleichen Tischen und bekamen die gleiche Aufmerksamkeit".

Egeland hatte auch die finanzielle Verantwortung für die Gespräche. "Sie haben sich kennengelernt und wir merkten, dass sie langsam begannen, sich zu vertrauen", erzählt der Diplomat, der heute das "Norwegian Refugee Council" leitet und als UN-Sonderkoordinator für Syrien tätig ist. Schritt für Schritt habe man sehen können, wie die Bemühungen, diese verfeindeten Parteien einander näher zu bringen, Früchte trugen.

Science Fiction in Washington

Neun Monate und zahlreiche Gespräche später war es plötzlich soweit: Vertreter der israelischen und palästinensischen Führung stimmten einer gemeinsamen Grundsatzerklärung zu, die den Weg zur Errichtung der palästinensischen Autonomiebehörde ebnete und zur gegenseitigen Anerkennung zwischen Israel und der PLO. Das Abkommen von Oslo war entworfen.

Der Norweger Jan Egeland; Foto: AFP/Getty Images
Große Aufgabe in schwierigem politischen Umfeld: Diplomat Jan Egeland war Mitglied des norwegischen Vermittlungsteams beim Oslo-Friedensprozess. Er ist heute Chef der Hilfsorganisation "Norwegian Refugee Council" (NRC).

Auf einmal schien der langersehnte Frieden zwischen Israelis und Palästinensern zum Greifen nah, als sich am 13. September 1993 Israels Ministerpräsident Jitzchak Rabin und Jassir Arafat, Chef der PLO, auf dem Rasen des Weißen Hauses die Hände gaben - unter den Augen der Weltöffentlichkeit.

Auch der damalige norwegische Außenminister Johan Jørgen Holst war dabei, um dieser historischen Geste der Versöhnung beizuwohnen: Zwei erbitterte Feinde präsentierten sich als Partner - durch die Unterstützung Norwegens. Der damalige US-Präsident Bill Clinton dankte in seiner Rede dem skandinavischen Land. Norwegen, nicht die USA als jahrelanger Vermittler, hatte ein solch bedeutendes Abkommen möglich gemacht.

Heute erinnert die Szene von vor 25 Jahren auf dem Rasen unter der Sonne Washingtons an einen Science Fiction-Film, dessen Erfindungen nie Wirklichkeit werden: Die beiden Partner auf Zeit sind heute so weit voneinander entfernt, wie sie es nur selten waren in den vergangenen Jahrzehnten.

Die Norweger blicken positiv auf "Oslo"

Doch obwohl es seit dem Abkommen von Oslo nie Frieden im Nahen Osten gegeben hat, ist der Oslo-Friedensprozess für viele Skandinavier heute trotzdem immer noch eine Errungenschaft. "Dieses Gefühl ist nicht mehr so stark wie früher, aber viele Norweger sehen den Oslo-Prozess immer noch als Erfolg", sagt Hilde Waage. Sie ist Historikerin an der Universität in Oslo, hat das Friedensinstitut PRIO in Norwegens Hauptstadt von 1992 bis 1993 geleitet und wurde 2001 vom Außenministerium damit beauftragt, die Rolle Norwegens bei den Friedensverhandlungen für den Nahen Osten zu untersuchen: Was befähigte das kleine Norwegen überhaupt dazu, sich in so einen großen Konflikt einzumischen? War Norwegen neutral? Diesen Fragen ging Hilde Waage bei ihrer Untersuchung nach.

Zahlreiche Versuche, direkte Kontakte zwischen Israelis und Palästinensern herzustellen, waren in den Jahren zuvor gescheitert. Und dann war da auf einmal die erfolgreiche norwegische Delegation: Terje Rød-Larsen, Soziologe und ehemaliger Leiter des soziologischen Forschungsinstituts Fafo mit Verbindungen zur norwegischen Arbeiterpartei.

Er wurde zur zentralen Vermittlerfigur, pendelte zwischen Israelis und Palästinensern im Vorfeld der eigentlichen Verhandlungen hin und her. Ebenso seine Ehefrau Mona Juul, sie war Diplomatin und Fachfrau für den Nahost-Konflikt und arbeitete mit Jan Egeland im Außenministerium zusammen, und natürlich Johan Jørgen Holst, der 1993 Außenminister wurde. "Wir waren eine sehr kleine Gruppe, die von diesen Gesprächen wusste, und wir waren sehr eng mit beiden Seiten verbunden", erinnert sich Egeland.

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