19 Jahre nach 9/11

Hat Deutschland in Afghanistan versagt?

Seit den Terroranschlägen vom 11. September beteiligt sich Deutschland am Aufbau einer Demokratie in Afghanistan. Doch mit welchem Erfolg? Zeitzeugen ziehen für die DW Bilanz. Von Sandra Petersmann und Nina Werkhäuser

Am Anfang der deutschen Afghanistan-Mission stand vor 19 Jahren ein Satz für die Geschichtsbücher: Er habe dem US-Präsidenten "die uneingeschränkte  Solidarität" zugesichert, betonte der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder am 12. September 2001. Deutschland stellte sich im Krieg gegen den Terror auf die Seite seines wichtigsten Verbündeten und übernahm Verantwortung in Afghanistan - bis heute.

Die Kosten des Krieges

Doch jetzt drückt US-Präsident Donald Trump aufs Tempo und zieht einen Teil der US-Truppen ab. Nach Berechnungen der renommierten Brown University haben die Vereinigten Staaten bisher sagenhafte zwei Billionen Dollar für den Afghanistan-Krieg ausgegeben - das sind 2000 Milliarden Dollar.

Trump will Amerikas längsten Krieg beenden. Das setzt auch Deutschland unter Zugzwang: Gehen die Amerikaner, gehen alle anderen NATO-Partner auch.

Finanziell hat die Intervention die deutschen Steuerzahler nach Angaben der Bundesregierung bis Ende 2018 rund 16,4 Milliarden Euro gekostet. Allein zwölf Milliarden entfielen auf den Einsatz der Bundeswehr. War es das wert?

Fortschritt und Rückschritt 

Afghanistan ist heute auf dem Papier eine Islamische Republik mit einer demokratischen Verfassung. Frauen sitzen im Parlament, Mädchen gehen zur Schule. Es gibt neue Straßen, Krankenhäuser und Universitäten. Dazu Mobilfunkmasten, Strom- und Wasserleitungen.

Doch das Land hat keinen Frieden gefunden. Nach Angaben der Vereinten Nationen kamen allein in den vergangenen zehn Jahren mehr als 32.000 Zivilisten durch Terroranschläge, Gefechte und Luftangriffe ums Leben, mehr als 60.000 wurden verletzt.

Das Ende 2001 gestürzte Taliban-Regime drängt nach direkten Verhandlungen mit den USA zurück an die Macht. Kaum ein anderes Land ist für mehr Flüchtlinge und Migranten verantwortlich.

Die Deutsche Welle hat Entscheider und Betroffene um ihre Einschätzung gebeten.

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