Der "Friedensprozess" lag in Trümmern. Peres wurde geschlagen von denjenigen, die Hass gepredigt und dem Mörder seines Parteifreundes den Weg geebnet hatten. Scharon und Netanjahu waren vor dem Mord bei nationalistischen Versammlungen aufgetreten, in deren Verlauf ein Abbild Rabins in SS-Uniform gezeigt wurde.

Das tragische halbe Jahr zwischen dem 4. November 1995 und dem 29. Mai 1996 wirkt bis heute nach. Vielleicht wird sich Israel nie mehr von den Folgen erholen. Peres selbst hat ganz gut damit leben können. 2001 zog er als Außenminister und Juniorpartner in die Große Koalition unter dem ultranationalistischen Regierungschef Ariel Scharon.

Kungeln mit dem politischen Gegner

Das Kungeln mit dem politischen Gegner ist eine Konstante in Peres' Laufbahn. Schon in den 1980er Jahren war er eine Koalition mit dem damaligen Likud-Chef Yitzhak Schamir eingegangen und hatte zwei Jahre das Amt des Ministerpräsidenten bekleidet. "Rotation" im Rahmen einer Großen Koalition oder Ermordung des Regierungschefs – so kam Peres für kurze Zeit zweimal an die Spitze der Regierung. Parlamentswahlen hat er stets verloren.

Ein Aktivist des rechten Likud überklebt Wahlplakate des israelischen Ministerpräsidenten Schimon Peres am 26.5.1996 in Jerusalem mit denen des Likud-Führers Benjamin Netanjahu; Foto: picture-alliance/COLORplus/P. Guyot
Politische Fehlleistung und der Anfang vom Ende des Friedensprozesses: Schimon Peres wollte sich mit dem Feldzug gegen die Hisbollah als harter Hund zeigen, bei dem die nationale Sicherheit gut aufgehoben ist. Die Quittung: bei der Wahl am 29. Mai 1996 unterlag Peres, und Netanjahu wurde Regierungschef. Diese Wahlniederlage muss als eine der schwersten politischen Fehlleistungen der Zeitgeschichte gelten.

Auch beim ersten Versuch, sich zum Staatspräsidenten wählen zu lassen, scheiterte er. Erst als Amtsinhaber Moshe Katsav, der sich bei der Wahl gegen Peres durchgesetzt hatte, der Vergewaltigung von Büromitarbeiterinnen überführt wurde und zurücktreten musste, schaffte es Peres im hohen Alter von 84 Jahren 2007 doch noch ins höchste, allerdings rein repräsentative Staatsamt.

Unter seiner Führung erlebte die sozialdemokratische Arbeitspartei einen beispiellosen Niedergang. Von der staatstragenden Regierungspartei fiel sie auf den Status einer Splittergruppe herab. Das Schicksal der israelischen Sozialdemokratie scheint das der europäischen vorwegzunehmen: die Parteiklientel hat sich den Fremdenhassern zugewandt, 15 Jahre bevor in Frankreich die Wähler des "Parti Socialiste" in Scharen zum "Front National" und in Deutschland viele SPD –Wähler zur AfD überliefen. In wirtschaftlichen Fragen dachte Peres neoliberal. Um den sozialen Ausgleich kümmerte er sich nie sonderlich. Der Jerusalemer Geschichtsprofessor Zeev Sternhell warf Peres vor, die einst stolze israelische Arbeitspartei zugrunde gerichtet zu haben.

Der ewige innenpolitische Verlierer

Obwohl Peres in der innenpolitischen Auseinandersetzung der ewige Verlierer war, hielt er sich lange wie kein zweiter, nämlich 70 Jahre, im politischen Establishment Israels. Seinen Aufstieg verdankte er der Tatsache, dass er als junger Mann Vertrauter von Staatsgründer David Ben Gurion wurde. Peres, der selbst nie Soldat war, zeigte früh Talent in der Beschaffung von Waffen, sei es durch Ankauf im Ausland, sei es durch die Gründung eigener Rüstungsbetriebe. Als junger Staatssekretär im Verteidigungsministerium spielte er in den 1950er Jahren eine zentrale Rolle bei der Bewaffnung Israels mit einem nuklearen Arsenal. Peres baute die entscheidenden Kontakte nach Frankreich auf, das die Schlüsselkomponenten der Atomtechnologie lieferte.

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Leserkommentare zum Artikel: Dichtung und Wahrheit

Wie kommen sie auf die Zahl von 100 Todesopfern die in dem Uno Gebaeude in Qana? Wieso wird nur der Iran als aktiver Unterstuetzer der Hisbollah genannt? Wenn offizielle Statements der libanesischen Armee zu der Zeit deutlich Annerkennend gegnueber Hisbollah sind und der Libanon zu der Zeit keine Bemuehung zur Entwaffnung der Hisbollah unternommen hat. Machen Sie sich Glaubwuerdig wenn sie von Israel als Agressor (welches es in diesem Konflikt eindeutig war) berichten und versuchen Sie es fair und nicht indem Fakten einseitig dargestellt werden.

David D10.10.2016 | 09:19 Uhr