Warnungen vor zunehmender Islamfeindlichkeit - Theologe Habib El Mallouki: Diskussion ist beschämend

13.01.2016

Hetze, Ressentiments und falsche Fakten - Muslimvertreter beobachten, wie der Islam nach der Silvesternacht in Köln in der gesellschaftlichen Diskussion zunehmend unter Generalverdacht gestellt wird. Sie fordern eine Rückkehr zu mehr Sachlichkeit.

Die Diskussion um Übergriffe auf Frauen in der Silvesternacht driftet aus Sicht von Islamvertretern, Theologen und Wissenschaftlern zunehmend in eine gefährliche Richtung. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte am Dienstag dem Radiosender NDR Info, er beobachte eine wachsende Islamfeindlichkeit in Deutschland. In der öffentlichen Debatte gebe es eine «unglaubliche Emotionalisierung und Hysterisierung». Der islamische Theologe Habib El Mallouki bezeichnete den Diskurs als beschämend und warnte ebenso wie der Osnabrücker Wissenschaftler Bülent Ucar vor pauschalen Urteilen über Muslime.

Mazyek sagte, der Zentralrat der Muslime sehe «einen durchaus nicht ungefährlichen, auch rechtsextremen Mob», der im Internet und in sozialen Netzwerken teilweise Druck auf Politik und Medien ausübe. «Das müssen wir unterbinden.» Er warnte davor, ethnische oder religiöse Hintergründe als Ursache für die sexuellen Übergriffe heranzuziehen. Soziologische und andere Begründungen dürften nicht außer Acht gelassen werden.

Der islamische Theologe Habib El Mallouki nannte die Diskussion nach den Vorfällen in Köln beschämend. Die Taten an sich seien scharf zu verurteilen, sagte der Professor am Institut für Islamische Theologie in Osnabrück dem Evangelischen Pressedienst (epd). Allerdings sei die Debatte seitdem von Ressentiments, falschen Fakten und rassistischen Vorurteilen beherrscht. «Damit wird eine Weltreligion verunglimpft, die die zweitstärkste Glaubensgemeinschaft in Deutschland und Europa ist.»

Selbst führende deutsche Politiker fabulierten über die vermeintliche Rückständigkeit der Muslime und die Überlegenheit der europäisch-christlichen Kultur, kritisierte der Theologe. So werde fälschlicherweise behauptet, der Islam sei mit dem Grundgesetz unvereinbar oder er enthalte Männlichkeitsnormen, die Gewalt legitimierten. Solche Äußerungen machten jahrelange Integrationsarbeit zunichte und seien Wasser auf die Mühlen von Rassisten, warnte Mallouki.

Ähnlich argumentierte der Osnabrücker Islamwissenschaftler Bülent Ucar. «Wenn ein paar hundert verhaltensgestörte, alkoholisierte Migranten sich so aufführen, dann ist das ein Fall für die Staatsanwaltschaft und hat nichts mit Religion zu tun», sagte er dem epd. Aus den Verhaltensweisen Einzelner lasse sich kein Gegeneinander von Islam und Christentum oder «von aufgeklärter westlicher Moderne und patriarchalischer rückständiger orientalischer Kultur» konstruieren.

Auch Ucar forderte eine konsequente strafrechtliche Verfolgung der Taten. Dies sei umso mehr gerechtfertigt, weil solches Verhalten die gesellschaftliche Atmosphäre vergifte und den unbescholtenen, leidgeprüften Flüchtlingen wie auch den Muslimen im Allgemeinen schade. «Der Islam fordert nicht ein, dass Menschen sich betrinken oder fremde Frauen anbaggern», sagte der Direktor des Instituts für Islamische Theologie: «Im Gegenteil: Das widerspricht all unseren religiösen Vorstellungen.» (epd)

Mehr zu den Folgen der sexuellen Übergriffe am Kölner Hauptbahnhof finden Sie hier.

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Leserkommentare zum Artikel: Warnungen vor zunehmender Islamfeindlichkeit - Theologe Habib El Mallouki: Diskussion ist beschämend

Gespeichert von A´dor am

das es sich nur umein paar verhaltensgestörte handelt.
Genauso verhält es sich mit den wenigen .)) Verhaltensgestörten wie Sie die nennen mit den Bombern und Terroristen. Sind ja auch nur Verhaltensgestört. LOL.
Und wieder sind es Islamisten.
Es ist nicht weg zu leugnen das dieses Gesellschaft massive Probleme hat.
Hierbei geht es nicht um ein paar Therapiebare Menschen.

Gespeichert von A. Baumeister am

Es ist leider wahr, dass sich ein rechter Mob der Kölner Vorfälle für seine Zwecke bedient. Aber wäre es nicht erst einmal sinnvoll und erforderlich, nach solchen Ereignissen bei sich selbst anzufangen und sich die Frage zu stellen, welche VORURTEILE offenbar nicht wenige Männer aus islamisch geprägten Länder deutschen Frauen gegenüber haben. Trägt deren Verhalten nicht zu dieser Urteilsbildung erheblich bei? Es ist ein gängiger Reflex in eine Gegenanklage zu verfallen. Wirklich beschämend ist, dass Herr Habib El Mallouki in Anbetracht der vielen weiblichen Opfer sich zunächst um das eigene Image Sorgen macht und einen Beleg für die pauschale Anschuldigungen offen lässt, die er "führenden deutschen Politkern" macht. Ich jedenfalls lege großen Wert darauf in einer europäisch - humanistisch geprägten Kultur leben zu dürfen.

Gespeichert von corax am

Und was ist mit dem islamischen Mob der in unseren Städten an Sylvester gehaust hat Herr Mazyek? Habe die islamischen Verbände auch mal dagegen protestiert? Ich finde, das ist lediglich Heuchelei. Was wäre denn passiert, hätten deutsche Männer muslimische Frauen derart traktiert?

Gespeichert von Reinhard Bruns am

Warum setzen die Muslime denn nicht mal ein deutliches Zeichen für ihre Integrationsbereitschaft? Mein Vorschlag: öffentlicher Aufruf und Verzicht auf Tragen von Kopftuch und anderen Verschleierungen.

Gespeichert von Willi Sempf am

Hetze, Ressentiments und falsche Fakten - ja wo denn? - liebe Moslime . Anstatt Euch schon wieder in die beliebte Opferrolle zu flüchten solltet Ihr mal lieber den jüngsten Bericht von Open Doors über die weltweite Christenverfolgung lesen und Euch fragen welche Konsequenzen Ihr daraus ziehen wollt . Für mich gilt : DER ISLAM IST DANN EINE FRIEDLICHE RELIGION - WENN CHRISTEN IN MOSLIMISCHEN LÄNDERN SO LEBEN KÖNNEN ,WIE ES MOSLIMEN IN CHRISTLICHEN LÄNDERN HEUTE SCHON MÖGLICH ISTS !!!

Gespeichert von Heinz Schmidt am

<p>Der Islam ist ja die Religion der Liebe und des Friedens; Mohammed selbst hat dies ja bei seinen Eroberungen in 57 Schlachten bewiesen und damit die Region mit Feuer und Schwert befriedet. Im Koran hat er auch die Rolle der Frau definiert! Habib solte da vielleicht mal nachlesen; die Lektüre ist empfehlenswert!</p>

Gespeichert von W. Wiest am

Würde sich der Islam oder deren Geistliche deutlich von diesen Extremisten und Kriminellen, z.B: durch einen Ausschluss von Mekka und jeglichen moslemischen Veranstaltungen (inkl. Moscheen) ausschließen, würden solche Taten nicht mehr mit der Religion in Verbindung gebracht werden. Ich war übrigens mal in Karachi und kann von dieser Reise -fast- nur Positives über die Menschen dort berichten. Wir leben alle auf der gleichen Welt und das sehr gut so lange man sich an dei Regeln des jeweiligen Landes hält.

Gespeichert von JW am

Wie immer bei dieser Nicht-Diskussion klaffen hier Anspruch und Wirklichkeit auseinander. Was ist denn jetzt gemeint, wenn die Herren Mazyek und El Mallouki von "dem Islam" sprechen? Von "dem Islam", wie er in Frankreich, Deutschland oder Dänemark vorwiegend existiert? Oder von "dem Islam" in Saudi-Arabien, Qatar, Bahrain, Brunei, Marokko, Syrien, Irak, Iran... und so weiter? Das sind nämlich zuweilen höchst unterschiedliche Dinge, von denen wir da reden müssen.
Woher nimmt sich ein Herr Mazyek eigentlich die Deutungshoheit darüber heraus, definieren zu dürfen, was im Einzelnen zum Islam gehört und was nicht? Der Witz an der Sache ist doch, dass die Natur eines religiösen Glaubens sich nicht nach einem abstrakten Modell bewerten lässt, sondern ausschließlich an seinem Einfluss auf die reale Welt. Und es ist nun einmal eine Tatsache, dass man nicht einfach den europäischen und nordamerikanischen Kinder-Bälleparadies-Islam mit dem beinharten, tendenziell salafistisch geprägten Islam des Nahen und Mittleren Ostens in einen Topf werfen kann. Das ist eine andere Art des Islam - zutiefst anachronistisch und verwoben mit einer Kultur, die in vielen Punkten einfach nicht mit westlichen Moralvorstellungen und Staatsformen vereinbar ist.

Die islamischen Verbände haben jetzt genau zwei Möglichkeiten: Entweder sie stellen sich auf die Seite des westlichen Rechtsstaates. Dann müssten sie eine deutliche Grenze zwischen sich und dem arabischen/nordafrikanischen Islam ziehen und dabei helfen, muslimische Migranten aus ihren bisherigen kulturellen Vorstellungen herauszuholen - sprich: in unsere Wertegemeinschaft zu integrieren.
... oder natürlich, sie machen das was sie immer machen: Sie bemühen sich in eine Opferrolle hinein, vermeiden es, Verantwortung zu übernehmen (oder überhaupt nur die Existenz innerislamischer Probleme anzuerkennen...) und versehen alles, was eventuell zu unbequemen Diskussionen führen könnte, mit dem Label "nicht Islam", um das Problem auf andere abzuwälzen.
Aber wenn ich mir die bisherigen Reaktionen der Verbände so anschaue, dann habe ich schon so ein Gefühl, für welche dieser zwei Möglichkeiten sie sich letztendlich entscheiden werden. -.-

Gespeichert von Milo Meyer am

Die Islamverbände bekennen sich zum Rechtsstaat - wer anderes behauptet, sollte sich einfach mal besser informieren - zum Beispiel mal eine seriöse deutsche Tageszeitung lesen oder die Webseiten besuchen. Ihre Diskreditierung sind haltlos und belasten das gesellschaftliche Klima in unserem Land auf ekelerregende Weise!!!