Vortrag: Religion als Spielball der Politik - Die Türkei zwischen Kemalismus und Islamismus

23.01.2018 -
19:30 Uhr bis 21:30 Uhr
Hospitalhof Stuttgart
Büchsenstr. 33
33 70174 Stuttgart

Bei der Gründung der modernen Türkischen Republik wurden die religiösen Institutionen des Osmanischen Reichs abgeschafft. Türkischer Nationalismus, Säkularismus und Laizismus verdrängten die Religion aus der Öffentlichkeit. Mit der Lockerung des Einparteiensystems nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Islam aber schnell zum Spielball der Politik. Um der Opposition das Wasser abzugraben, wagten die mit dem Militär verbandelten Anhänger Kemal Atatürks (1881-1938) jetzt eine liberalere Religionspolitik. Dennoch gewann die Demokratische Partei die Wahlen und stieß eine Religionsreform an. Aber schon 1960 wurde sie durch einen Militärputsch entmachtet. Nach einem erneuten Staatsstreich 1980 waren es allerdings die Generäle selbst, die mit der Intensivierung staatlich-religiöser Erziehung die Opposition zu beschwichtigen versuchten. Letztlich bereitete ihre Religionspolitik jedoch den Boden für den Aufstieg des türkischen Islamismus. Die mit Erdogan an der Spitze regierende islamistische AKP hat längst damit begonnen, das Land schrittweise zu re-islamisieren. Seit Juli 2016 nutzt sie ihren »Gegenputsch« dazu, diesen Prozess zu beschleunigen.

Im Rahmen der Reihe: Neues aus den Islamwissenschaften.

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