Vortrag & Diskussion: 100 Jahre "Dschihad - Made in Germany"

01.10.2014 - 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Kulturzentrum Eck-Punkt
Pistoreigasse 2
67346 Speyer

Der Historiker Salvador Oberhaus untersucht am Beispiel Ägypten die deutsche Orientpolitik im Ersten Weltkrieg aus propagandahistorischer Perspektive.

Deutschland im Herbst 1914: Der Schlieffen-Plan war nach wenigen Wochen gescheitert. Als Reaktion auf den Kriegseintritt Englands, den Zweifrontenkrieg und den Stellungskrieg im Westen forcierte Deutschland seine Anstrengungen, die islamischen Kolonien der Feindmächte zu revolutionieren. Im Bündnis mit der Türkei als islamischer Führungsmacht und in Kooperation mit dem ägyptischen Khediven Abbas Hilmi II. sowie der Ägyptischen Nationalpartei sollte ein Heiliger Krieg bzw. antikolonialer Befreiungskrieg gegen die Entente initiiert werden.

Zu diesem Zweck wurde im Auswärtigen Amt unter Mitwirkung des Archäologen Max von Oppenheim eine Propagandastrategie für das Ausland von globalem Ausmaß konzipiert, deren Planung und Verlauf hier im Rahmen einer Analyse der programmatischen, organisatorischen und strukturellen Voraussetzungen vermittels biographischen Zugangs dargestellt werden. Berlin erhoffte sich vom Heiligen Krieg einen kriegsentscheidenden Vorteil, aber scheiterte kläglich.

Nach zwei Jahren vergeblicher Bemühungen wurde die Revolutionierungspolitik 1916 aufgegeben. Heißt das aber auch, dass die Insurrektionspolitik des Heiligen Krieges mittel- und kurzfristig folgenlos blieb für die Region? Der Vortrag richtet sich an alle historisch Interessierte, an Fachleute und Laien.

Dr. Salvador Oberhaus studierte Geschichte und Politikwissenschaft und wurde an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zum Thema «‹Zum wilden Aufstande entflammen› Die deutsche Ägyptenpolitik 1914–1918. Ein Beitrag zur Propagandageschichte des Ersten Weltkrieges» promoviert. Bis 2011 Lehrbeauftragter am Historischen Institut der Universität Düsseldorf. Arbeitsgebiete: Geschichte des europäischen Kolonialismus und Imperialismus, des Ersten Weltkrieges und der Weimarer Republik, Geschichte der Arbeiter/innenbewegung, Geschichte des Nahostkonfliktes, Geschichtspolitik und Geschichtsvermittlung in den Medien. Salvador Oberhaus leitet des Regionalbüros der Rosa Luxemburg Stiftung in Rheinland-Pfalz.