Vortrag: "Aleppo - Geschichte einer Metropole, ihrer Zerstörung und Visionen für ihren Wiederaufbau"

21.06.2017 -
19:00 Uhr bis 21:00 Uhr
Katholische Akademie in Berlin e.V.
Hannoversche Str. 5
10115 Berlin

Vortrag von Prof. Dr. Mamoun Fansa

Aleppo ist die zweitgrößte Stadt Syriens, eine der ältesten dauerhaft besiedelten Städte der Welt, war eines der größten Handelszentren des Nahen Ostens und hat ca. 5000 Jahre siedlungsgeschichtliche Entwicklung hinter sich. 1986 wurde die Altstadt von der UNESCO in den Status eines Weltkulturerbes erhoben. 2006 war Aleppo Kulturhauptstadt der islamischen Welt. Vor dem Krieg lebten im Altstadtgebiet von Aleppo 110.000 Menschen – insgesamt zählte die Stadt vor dem Krieg 2,5 Millionen Bewohner. Die Schäden an den Bauten im Ostteil der Stadt, insbesondere an denen der Altstadt, sind verheerend: 70 % der historischen Bauten, die auf der Denkmalliste stehen, sind stark beschädigt und teilweise dem Erdboden gleichgemacht, 50 % der traditionellen Aleppiner Häuser sind nicht mehr bewohnbar. Von den ca. 100 Moscheen sind 60 % beschädigt, davon sind 30 % total zerstört. 70 % der Basare sind teilweise stark in Mitleidenschaft gezogen.

Die Altstadt von Aleppo war niemals nur ein Ausstellungsgegenstand oder nur eine Touristenattraktion wie Palmyra. Das Besondere an der Altstadt war ihre kulturelle Identifikationskraft und ihre Lebendigkeit. Es kann daher nicht nur allein das Ziel sein, historische Gebäude originalgetreu wiederaufzubauen, sondern vor allem das Leben in die Stadt zurückzubringen. Der Verein „Freunde der Altstadt von Aleppo“ möchte daher erreichen, dass der Wiederaufbau auf der internationalen Agenda platziert wird, um die Erfahrungen der UNESCO und von vielen weltweit tätigen Institutionen und Forschungseinrichtungen einbinden zu können. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass die gleichen Fehler gemacht werden wie in der Altstadt von Beirut. Der Vortrag wird durch die Präsentation von Bildmaterial anschaulich ergänzt.

Prof. Dr. Mamoun Fansa wurde in Aleppo, Syrien, 1946 geboren. Um nicht am Krieg gegen Israel teilnehmen zu müssen, verließ Fansa 1967 Syrien und lebt seither in Deutschland. Er studierte von 1967 bis 1972 an der Fachhochschule für Kunst und Design in Hannover und von 1972 bis 1979 Nordeuropäische Archäologie in Hannover und Göttingen. Von 1994 - 2011 war er leitender Museumsdirektor des Landesmuseums Natur und Mensch in Oldenburg. Neben zahlreichen Ausstellungen zur Geschichte der Beziehung zwischen Orient und Okzident auf unterschiedlichen Kulturebenen hat er im Jahr 2000 die Ausstellung „Damaskus – Aleppo. 5000 Jahre Stadtentwicklung“ initiiert.

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