UN-Mitarbeiter verlassen im Streit mit Marokko das Land

21.03.2016

Im Streit zwischen den Vereinten Nationen und Marokko haben UN-Mitarbeiter der Friedensmission in der Westsahara das Land verlassen. Eine große Zahl der zivilen Mitarbeiter sei am vergangenen Sonntag nach Spanien ausgeflogen worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Marokkos. Am Samstag hätten bereits UN-Arbeiter mit kommerziellen Flügen das Land verlassen.

Der Streit war ausgebrochen, weil UN-Chef Ban die Kontrolle Marokkos über die Westsahara als «Besatzung» bezeichnet hatte. Aus Protest waren in Marokkos Hauptstadt Rabat Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Dies empfand Ban als Angriff auf sich persönlich und die Vereinten Nationen.

Marokkos Außenminister Salaheddine Mezouar hatte am letzten Donnerstag vor Journalisten in New York erklärt, sein Land verlange die Abberufung der Mitarbeiter der UN-Westsahara-Mission Minurso innerhalb von drei Tagen. Die marokkanische Regierung zeigte sich verärgert darüber, dass UN-Generalsekretär Ban Ki Moon im März von einer «Besatzung» der Westsahara durch Marokko gesprochen hatte. Zur Minurso zählen rund 500 Einsatzkräfte.

Der Generalsekretär der Menschenrechtsorganisation Amnesty International, Salil Shetty, beantragte am Donnerstag bei einem Besuch in Rabat «Garantien» für die Entsendung von Beobachtern. Seit 17 Monaten habe seine Organisation in Marokko nicht mehr die Einhaltung der Menschenrechte überwachen können, erklärte Shetty. Auch Amnesty will sich von der Lage in der Westsahara ein Bild machen.

Der Streit um die Westsahara schwelt seit vier Jahrzehnten. Nachdem Spanien die ehemalige Kolonie im Nordwesten Afrikas 1975 aufgegeben hatte, teilten Marokko und Mauretanien sie zunächst unter sich auf. Als Mauretanien seine Ansprüche 1979 aufgab, besetzte Marokko auch den übrigen Teil des Gebietes.

Unterdessen hat Marokko drei Wochen nach dem Abbruch seiner Kontakte zur Europäischen Union die Beziehungen nach eigenen Angaben wieder aufgenommen. Bei der wöchentlichen Kabinettssitzung sei die Wiederaufnahme der Kontakte beschlossen worden, teilte die Regierung in Rabat mit. Die marokkanische Regierung stütze sich dabei auf "Garantien", die sie seitens der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini erhalten habe.

Mogherini hatte bei einem Besuch in Rabat Anfang März zugesagt, die EU lege Widerspruch gegen eine Entscheidung der europäischen Justiz ein. Auf deren Grundlage hatte Brüssel im Dezember ein Abkommen mit Rabat über Maßnahmen zur gegenseitigen Liberalisierung bei Agrar- und Fischereiprodukten rückgängig gemacht. Es bezog sich auch auf die Westsahara, eine ehemalige spanische Kolonie, die Marokko nach ihrer Unabhängigkeit im Jahr 1975 annektiert hatte. (dpa/AFP)

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.