Ultimatum für muslimische Verbände: Ringen um Zentrum für Islamische Theologie in Münster

08.02.2016

2011 wurde das Zentrum für Islamische Theologie an der Uni Münster gegründet - aber nur eine Professorenstelle ist bislang besetzt. Der Grund: Nach wir vor gibt es ein Gezerre um die Besetzung des Beirats. Von Andreas Otto

Vor allem Lehrkräfte für islamische Religionslehre erhalten dort ihre Ausbildung: Das 2011 gegründete Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) an der Universität Münster hat inzwischen 677 Studenten - und doch ist eine wichtige Rahmenbedingung für den Betrieb immer noch nicht erfüllt. Der Beirat, der über die Auswahl von Professoren und Lehrinhalten befinden soll, hat sich immer noch nicht konstituiert.

Deshalb sind dringende Personalentscheidungen überfällig. Nur einer der fünf Lehrstühle ist mit dem Leiter Mouhanad Khorchide besetzt. Ein weiterer Professor wartet auf die offizielle Ernennung und vertritt sich selbst. Zudem stemmen promovierte Kräfte den Lehrbetrieb.

Der Beirat ist eine Hilfskonstruktion. Denn laut Verfassung haben Religionsgemeinschaften wie die Kirchen selbst über Lehrpersonal und Curricula zu bestimmen. Da aber der Staat die Verbände im Koordinationsrat der Muslime (KRM) - die Türkisch-Islamische Union (Ditib), den Islamrat (IR), den Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) und den Zentralrat der Muslime (ZMD) - bislang nicht als Religionsgemeinschaft anerkennt, dient als Ersatz der Beirat.

Über die acht Mitglieder sollte bis vor kurzem allein der KRM entscheiden, nachdem die Uni-Leitung vor etwa zwei Jahren auf die Benennung der Hälfte des Gremiums verzichtet hatte. Aber seitdem sei nichts geschehen, teilte Uni-Sprecher Norbert Robers der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) mit. Deshalb habe der Senat im Dezember den Modus der Benennung erneut reformiert: Nicht mehr der Koordinationsrat, sondern die vier Mitgliedsverbände sollen nun jeweils in Eigenregie zwei Personen für den Beirat benennen – und zwar bis Ende März.

KRM-Sprecher Zekeriya Altug stellt die Sache etwas anders dar. «Wir haben unseren Beitrag geleistet», betonte er auf Anfrage. Der KRM und seine Verbände hätten sehr wohl Beiratsmitglieder benannt. Jedoch seien ein Kandidat und danach eine alternative Person, die von der umstrittenen Organisation Milli Görüs vorgeschlagen worden seien, abgelehnt worden - wegen einer Beobachtung durch den Verfassungsschutz. Da deshalb der Beirat nicht habe zusammentreten können, habe die Uni es akzeptiert, dass der KRM für ein halbes Jahr bis Ende 2015 die Beiratsfunktion wahrgenommen habe.

Für diese Befristung spielte laut Altug auch die Erwartung eine Rolle, dass die Islam-Verbände von der Landesregierung schon bald als Religionsgemeinschaft anerkannt würden und damit der Beirat ohnehin überflüssig werde. Nordrhein-Westfalen lässt eine mögliche Anerkennung derzeit mit Hilfe von Gutachtern klären. Im Frühjahr will Düsseldorf die Ergebnisse vorstellen.

Für den KRM sei das halbe Jahr zu kurz gewesen, um Professoren zu berufen, so Altug. Zudem betonte er, dass man jetzt das Uni-Angebot im KRM wohlwollend prüfen werde, um eine gemeinsame Linie zu finden. Aber jeder Verband müsse am Ende seine Entscheidung selber treffen.

Die Rahmenbedingungen der Universität ließen es nun aber zu, dass nicht jeder der vier Verbände Kandidaten benennen müsse. «Aber natürlich wünschen wir Muslime uns, dass alle vier Verbände gemeinsam im Beirat vertreten sind.»

Robers bekundete den Wunsch, dass schnell eine Entscheidung falle und der Beirat möglichst breit aufgestellt sei. Im März-Ultimatum spiegelt sich also auch die Ungeduld der Uni-Leitung. Der fehlende Beirat wirkt sich übrigens nicht nur personell aus. Auch wegen der Lehrinhalte muss sich die Universität mit einem Provisorium behelfen. Ein weiterer Beirat beim NRW-Schulministerium, der über die Lehrpläne des islamischen Religionsunterrichtes befindet, weist auch in Münster die Richtung. Dies habe bisher «gut funktioniert», bilanziert Robers.

Ein Konflikt scheint beruhigt. Der von den Verbänden als untragbar angegriffene ZIT-Leiter Khorchide geht inzwischen ohne öffentliche Kontroversen seiner Arbeit nach. Das «Gutachten», mit dem die Islam-Verbände ihm mangelnde Wissenschaftlichkeit und fehlende Bekenntnisgebundenheit nachweisen wollten, wurde von anderen Wissenschaftlern als schlechte Hausarbeit zerpflückt. (KNA)

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