Syrien: Fast 800 Angehörige von IS-Milizen aus Lager ausgebrochen

14.10.2019

Bei den Kämpfen zwischen türkischen Truppen und Kurdenmilizen in Nordsyrien sind dort fast 800 Familienangehörige von Extremisten der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) aus einem Lager ausgebrochen. Bei den rund 780 IS-Unterstützern handle es sich um Ausländer verschiedener Herkunft, teilten die kurdische Autonomiebehörde und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Sonntag mit. Sie seien nach einem Beschuss durch Milizen, die mit der türkischen Armee verbündet sind, aus dem Lager Ain Issa ausgebrochen. Der britische «Guardian» berichtete, es handle sich um etwa 250 Frauen und 700 Kinder.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte dazu nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu: «Das ist eine Desinformation.» Sie diene lediglich dazu, den Westen «aufzuwiegeln». Zahlreiche Politiker, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, hatten zuvor die Sorge geäußert, dass der IS mit der Militäroffensive gegen die Kurdenmilizen wiedererstarken könnte.

Die von Kurdenmilizen angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) hatten das Lager 2016 eröffnet. Dort waren zeitweise Tausende Angehörige von IS-Extremisten untergebracht. Diese hätten das Lager im Zuge der Kämpfe nun verlassen, meldeten die Aktivisten der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Anwohner berichteten der Deutschen Presse-Agentur, dass einige von ihnen sich auf den Weg nach Al-Rakka gemacht hätten, der früheren Hochburg des IS.

Die Extremisten des IS hatten 2014 und 2015 weite Teile Syriens und des Irak überrannt, um dort ihr selbst ernanntes Kalifat zu errichten. Eine von Kurden angeführte Militärkoalition hatte Al-Rakka im Oktober 2017 zurückerobert. Der Irak hatte im Dezember 2017 den militärischen Sieg über die Gruppe erklärt. Die seit Mittwoch laufende türkische Offensive gegen Kurdenmilizen in Syrien hat nun Befürchtungen über ein Wiedererstarken des IS geführt. (dpa)

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