Studie: Lehrer sollten Zuwandererkinder besser fördern - negative Erwartungen könnten sich auf Bildungserfolge auswirken

07.07.2017

Lehrer können nach Ansicht von Experten wesentlich dazu beitragen, Bildungsunterschiede bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund auszugleichen. Das geht aus einer am Donnerstag präsentierten Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) und des Berliner Instituts für empirische Integrations- und Migrationsforschung (BIM) hervor. Dazu wurden drei andere Teilstudien zusammengefasst.

Für die Untersuchung mit dem Titel «Vielfalt im Klassenzimmer. Wie Lehrkräfte gute Leistungen fördern können» wurde etwa nach den Einstellungen und Erwartungen von Lehrern mit Blick auf die kulturell vielfältiger werdende Schülerschaft gefragt. Demnach sind Lehrkräfte zu bestimmten Aspekten etwas liberaler eingestellt als die Gesamtbevölkerung, wie die stellvertretende BIM-Leiterin Naika Foroutan betonte. So spreche sich jeder zweite Lehrer (50 Prozent) dafür aus, dass muslimische Lehrerinnen ein Kopftuch tragen dürfen, in der Gesamtbevölkerung seien es nur 48 Prozent. 70 Prozent der Lehrer plädierten zudem für das Angebot von islamischem Religionsunterricht, in der Gesamtbevölkerung seien es nur 68 Prozent.

Dennoch gebe es auch Vorbehalte gegenüber Muslimen: So seien nur 61 Prozent der befragten Lehrkräfte der Meinung, Muslime seien genauso bildungsorientiert wie Nichtmuslime, in der Gesamtbevölkerung waren 55 Prozent dieser Meinung, hieß es. Foroutan betonte, dass es sich um eine Befragung von 570 Pädagogen handele, die allerdings nicht repräsentativ sei, weil nicht alle Schulformen vertreten waren. Zudem basierten die Zahlen auf einer Umfrage aus dem Jahre 2013/2014, also vor der starken Flüchtlingszuwanderung im Sommer 2015, wie die Migrationsforscherin betonte.

Auch seien die Leistungserwartungen von Lehrkräften für Kinder aus türkeistämmigen Familien etwa in den Fächern Mathematik und Deutsch geringer als für Kinder ohne Migrationshintergrund, betonte BIM-Abteilungsleiterin Petra Stanat. Es gebe Hinweise auf eine selbsterfüllende Prophezeiung, etwa weil Lehrer türkeistämmige Kinder im Unterricht etwas seltener aufrufen würden als Mitschüler oder sich weniger lange mit ihnen beschäftigten. Allerdings seien die Effekte verzerrter Erwartungen vergleichsweise klein (zwei Prozent), sagte Stanat.

Eine weitere Ursache für Leistungsunterschiede könne sein, dass Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund negative Stereotype auch selbst verinnerlichen, betonte Cornelia Schu vom SVR-Forschungsbereich. Sie würden sich seltener gute Leistungen zutrauen, seien eher gestresst und würden schneller aufgeben. Kinder insbesondere mit Migrationshintergrund müssten deshalb in ihren positiven, etwa nichtschulischen, Fähigkeiten bestärkt werden und könnten so nachweislich auch ihre schulischen Leistungen verbessern.

Die Migrationswissenschaftler plädierten dafür, dass alle Lehrer schon während ihrer Ausbildung interkulturelle Kompetenzen erwerben sollten. Zudem sollten Schulen mehr Lehrkräfte mit Migrationshintergrund einstellen, damit diese eine Vorbildrolle für Kinder einnehmen könnten. Stereotypen müsse frühzeitig entgegen gewirkt werden. (epd)

Mehr zum Thema Integration und Bildung auf unserer Qantara-Themenseite

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.