Studie: Frankreichs Dschihadisten sind wenig gebildet und schlecht integriert

10.04.2018

Eine Studie hat erstmals den sozialen Hintergrund der in Frankreich verurteilten Dschihadisten offengelegt. Diese Extremisten seien zum Zeitpunkt der Taten in der Regel wenig gebildet und schlecht integriert gewesen und schon zuvor wegen Kriminalität auffällig geworden, heißt es in der am Mittwoch vom französischen Institut für internationale Beziehungen (Ifri) vorgelegten Untersuchung.

Darin wertete Ifri-Forscher Marc Hecker die Unterlagen der Prozesse gegen 137 Islamisten aus, die zwischen 2004 und 2017 wegen des Vorwurfs des "Terrorismus" verurteilt worden sind. Deren Bildung und beruflicher Erfolg seien geringer als im Durchschnitt der französischen Bevölkerung, schreibt Hecker.

Für diese Täter seien Arbeitslosigkeit und prekäre Beschäftigung die Regel. Die Armutsquote sei höher und die Verbindungen in kriminelle Kreise enger. Zudem hatten die späteren Dschihadisten demnach überdurchschnittlich gute Kontakte in den Maghreb und in Länder in Afrika südlich der Sahara.

Zum Zeitpunkt der Tat seien die Täter - 131 von ihnen waren Männer und sechs Frauen - im Schnitt 26 Jahre alt gewesen. Die 136 Verurteilten, deren Religionszugehörigkeit bekannt war, seien ausnahmslos Muslime gewesen, darunter 35 Konvertiten.

Die meisten der Verurteilten hatten sich demnach Dschihadistenmilizen in Syrien angeschlossen oder dies zumindest geplant. Von 130 Tätern, deren Nationalität bekannt war, seien jedoch nur elf Ausländer gewesen. 90 hatten demnach einen französischen Pass; 29 hatten die Staatsangehörigkeit in Frankreich sowie in Marokko, Algerien oder Tunesien.

"Der Terrorismus, der Frankreich trifft, kommt vor allem aus dem Inland", folgerte Hecker.

Laut Hecker soll die Studie helfen, die Radikalisierung junger Menschen zu verstehen. Der Autor sieht die Bedeutung seiner Studie zudem darin, dass in den kommenden zwei Jahren etwa 60 der verurteilten Dschihadisten aus der Haft entlassen werden. Ab dem 10. April ist die Studie unter www.ifri.org öffentlich zugänglich. (AFP)

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