Saudi-Arabiens Kronprinz bin Salman: "Israel hat das Recht auf ein eigenes Land"

03.04.2018

In einem überraschenden Schritt hat der saudiarabische Kronprinz den Israelis das Recht auf ihr Land zugesprochen. Er sei der Überzeugung, dass "die Palästinenser und die Israelis das Recht auf ihr eigenes Land haben", sagte Kronprinz Mohammed bin Salman dem US-Magazin "The Atlantic" vom Montag. Notwendig sei ein Friedensabkommen zwischen den Konfliktparteien, "um Stabilität für alle zu sichern und normale Beziehungen zu haben".

Bis heute unterhalten das erzkonservative sunnitische Königreich Saudi-Arabien und Israel keine diplomatischen Beziehungen. Hinter den Kulissen hat sich das Verhältnis zwischen den beiden Staaten in den vergangenen Jahren jedoch allmählich gebessert. Beide sehen den mehrheitlich schiitischen Iran als eine Bedrohung an. Doch noch nie zuvor hatte ein derart hoher Vertreter Saudi-Arabiens Israel das Recht auf einen eigenen Staat zugesprochen.

Bin Salman sagte in dem Interview, er habe keinerlei "religiöse Vorbehalte" dagegen, dass Israelis und Palästinenser Seite an Seite lebten, solange die wichtigste muslimische Stätte in Jerusalem - die Al-Aksa-Moschee - geschützt werde. "Wir haben religiöse Sorgen um die heilige Moschee in Jerusalem und um die Rechte des palästinensischen Volkes. Aber wir haben nichts gegen irgendein anderes Volk", fügte er hinzu.

Saudi-Arabien ist seit 2002 Hauptsponsor der Arabischen Friedensinitiative, die eine Zweistaaten-Lösung für den israelisch-palästinensischen Konflikt vorsieht. Sollte der Prinz erwartungsgemäß seinem 82-jährigen Vater König Salman nachfolgen, wäre er zugleich Hüter der heiligsten Stätten des Islam.

Das Interview führte der 32-jährige Prinz während seiner dreiwöchigen Reise durch die USA mit dem Chefredakteur des Magazins, Jeffrey Goldberg. Auf dessen Frage, ob "jüdische Menschen das Recht auf einen Nationalstaat zumindest in einem Teil ihrer angestammten Heimat" hätten, antwortete Saudi-Arabiens starker Mann, seiner Meinung nach hätten alle Menschen "überall das Recht, in ihrem friedfertigen Staat zu leben".

Das Gespräch fand vor den von Israel blutig niedergeschlagenen Massenprotesten der Palästinenser im Gazastreifen vom vergangenen Freitag statt. Dabei töteten israelische Sicherheitskräfte nach palästinensischen Angaben 17 Palästinenser und verletzten mehr als 1400 weitere. Israel lehnt eine unabhängige Untersuchung der tödlichen Schüsse ab. Die Proteste der Palästinenser sollen bis Mitte Mai dauern.

Am 15. Mai jährt sich zum 70. Mal die Nakba (deutsch: Katastrophe oder Unglück). An diesem Tag erinnern die Palästinenser an Vertreibung und Flucht von rund 760.000 Landsleuten, die 1948 auf die Gründung des Staats Israel folgten. Und am 14. Mai, dem Tag der Staatsgründung, soll die von Tel Aviv nach Jerusalem verlagerte neue US-Botschaft in Jerusalem eröffnet werden.

US-Präsident Donald Trump hatte im vergangenen Dezember ganz Jerusalem als israelische Hauptstadt anerkannt. Damit brach er mit einem jahrzehntelangen internationalen Konsens, wonach der Status von Jerusalem erst in einer Friedensvereinbarung mit den Palästinensern festgelegt werden soll. Diese beanspruchen Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen Palästinenserstaats.

Der Status von Jerusalem ist eine der heikelsten Fragen im Nahost-Konflikt. Israel hatte den Ostteil samt der historischen Altstadt im Sechs-Tage-Krieg 1967 besetzt und 1980 annektiert. Die UNO erkennt die Annexion nicht an.

Die Palästinenser lehnen eine Vermittlung der USA im Nahostkonflikt nach deren Anerkennung Jerusalems als israelischer Hauptstadt ab. Washington befürwortet unterdessen eine Annäherung zwischen dem Königreich Saudi-Arabien und Israel in der Absicht, das geopolitische Gewicht in der Region neu auszutarieren und den Iran zu schwächen.

In dem Interview würdigte der als Modernisierer auftretende Kronprinz Israel als "große Wirtschaft in vollem Wachstum", mit der es viele "gemeinsame Interessen" gebe. Zugleich beschuldigte er Irans geistliches Oberhaupt Ayatollah Ali Chamenei, aggressiver zu sein als Adolf Hitler. Letzterer habe Europa erobern wollen, der Ayatollah habe es auf die Welt abgesehen. (AFP)

 

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