Proteste in Indien nach Angriff auf Elite-Universität

06.01.2020

Nach einem Überfall einer Gruppe vermummter und bewaffneter Angreifer auf eine indische Elite-Universität ist es zu Protesten in ganz Indien gekommen. Wie die Zeitung «Indian Express» meldete, kamen Studenten in Mumbai, Kolkata, Hyderabad, Pune, Bangalore und Aligarh am Montag zu Solidaritätskundgebungen zusammen. Sie protestierten gegen den Angriff auf den Campus der Jawaharlal-Nehru-Universität in Neu-Delhi am Sonntagabend, bei dem Studenten und Dozenten brutal mit Eisenstangen, Knüppeln und Steinen attackiert und Autos und Mobiliar zerstört worden waren. Knapp vierzig Menschen mussten wegen Verletzungen behandelt werden.

Trotz Bitten der Universitätsleitung griff die Polizei erst nach drei Stunden ein, um den Mob zu stoppen. Die als liberal geltende Universität spielte im Dezember eine führende Rolle bei den landesweiten Protesten gegen das umstrittene Staatsbürgerschaftsrecht der hindunationalistischen Regierung unter Ministerpräsident Narendra Modi.

Die Studentenvertretung der Universität machte einen hindu-radikalen Studentenverband für die Taten verantwortlich. Die Regierung hingegen beschuldigte linke Aktivisten. Am Montag gab es massive Polizeipräsenz auf dem Campus. Die Situation blieb angespannt.

Indien kommt seit den Protesten gegen die Staatsbürgerschaftsreform nicht zur Ruhe. Hunderttausende Bürger demonstrierten bislang gegen das Gesetz, das nicht-muslimischen Einwanderern aus den Nachbarländern Pakistan, Bangladesch und Afghanistan die indische Staatsbürgerschaft gewährt. Kritiker sprechen von Verrat an der indischen Verfassung, die keine Religion bevorzugt. Bei den Protesten sind bereits mehr als zwei Dutzende Menschen ums Leben gekommen.

Das neue Gesetz gewährt Angehörigen religiöser Minderheiten aus Bangladesch, Pakistan und Afghanistan, die vor 2015 ohne gültige Papiere ins Land kamen, Vereinfachungen bei der Einbürgerung. Muslime sind jedoch davon ausgeschlossen. Kritiker werfen der hinduistisch-nationalistischen Partei BJP von Premierminister Modi vor, die 200 Millionen Muslime im Land zu diskriminieren. (epd/AFP)

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