Prinz Hassan von Jordanien - Brückenbauer und Weltbildungsbürger

20.03.2017

Er ist ein direkter Nachfahre des Propheten Mohammed und gilt als "Leuchtturm" für einen toleranten Islam und den interreligiösen Dialog. Die Zahl der Organisationen, in denen sich Prinz Hassan ibn Talal von Jordanien für den friedlichen Austausch der Glaubensgemeinschaften und menschliche Entwicklung engagiert, geht in die Dutzende; etliche hat er selbst gegründet. Am Montag wird der jordanische Prinz aus der Propheten-Sippe der Haschemiten 70 Jahre alt.

Als er 1947 in Amman geboren wurde, hatte der Wüstenstaat gerade erst seine Unabhängigkeit von Großbritannien erlangt. Hassans Vater Talal war 1951/52 kurzzeitig König, bevor er wegen angeblicher Schizophrenie abdanken musste und der älteste Sohn Husain den Thron bestieg. Von allen arabischen Ländern blieb Jordanien seither neben dem Libanon am stärksten auf den Westen ausgerichtet, ein radikaler Islam gewann dort kaum Einfluss. Hassan selbst erhielt seine Ausbildung in England und studierte Orientwissenschaften am Christ Church College in Oxford.

Damit gewann der junge Prinz eine gelehrte Außenperspektive auf seine Herkunftskultur, die ihn lebenslang geprägt hat. Gläubiger Muslim blieb er immer, aber Intoleranz und Gewalt gegenüber anderen Religionen dürfen für ihn im Islam keinen Platz haben. Hassan nutzte seinen Einfluss und seinen prominenten Namen, um Brücken zu bauen. Denn letztlich verfolge jeder Mensch doch das gleiche Ziel: "sich selbst und seinen Gott zu finden."

1970 gründete Hassan die Königliche Wissenschaftsgesellschaft, 1981 das Arabische Gedankenforum, 1982 das Arabische Jugendforum und 1994 das Königliche Institut für interreligiöse Fragen. Er arbeitete als Dialogberater für die Vereinten Nationen, leitete von 1999 bis 2006 den renommierten Club of Rome für Zukunftsentwicklung und moderierte in derselben Zeit die Weltkonferenz der Religionen für den Frieden.

Der Prinz steht für einen humanistischen Islam, der seine Identität nicht aus der möglichst buchstabengetreuen Auslegung seiner kanonischen Schriften gewinnt, sondern aus der Weltoffenheit seiner frühen Denker. Ihn interessieren nicht die Totengräber des islamischen Geistes wie der orthodoxe Theologe Ibn Taimiya (1263-1328) - geistiges Idol der Terrormiliz "Islamischer Staat" -, sondern kritische Geister wie der andalusische Philosoph Ibn Ruschd (1126-1198).

Aber ebenso verehrt er die großen Gelehrten des Westens, von Leibniz bis Einstein. "Wer unsere gemeinsame menschliche Geschichte studiert, stellt fest, dass Synthesen des Denkens sich quer durch die Zeitalter als entscheidender Faktor für den Fortschritt der Menschheit erwiesen haben", schrieb Hassan einmal. Die westliche Aufklärung habe der ganzen Menschheit genutzt - verdanke aber auch dem Islam eine Menge. Dagegen sei es grausame Ironie, dass islamische Terroristen mit ihren Taten die Botschaft des Islam zerstörten, als deren Wächter sie sich ausgeben.

Fast wäre Hassan König von Jordanien geworden. Über drei Jahrzehnte stand er als Kronprinz seinem Bruder Husain I. (König 1952-1999) zur Seite. Den Friedensvertrag zwischen dem haschemitischen Königreich und Israel unterstützte er wie auch den dornigen Friedensprozess zwischen Israelis und Palästinensern. Warum Husain I. dann kurz vor seinem Tod den ältesten Sohn Abdullah zum Nachfolger berief, ist bis heute nicht gaz geklärt. Offenbar spielten Machtintrigen eine Rolle, nachdem sich Hassan durch ungeschicktes Agieren Feinde bei Hof gemacht hatte.

Statt königlicher Würden sammelte Hassan etliche Ehrendoktortitel und internationale Preise, darunter einen Doktorhut der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Tübingen und den Augsburger Friedenspreis. Neben dem interreligiösen Dialog widmet er sich seit einigen Jahren auch der Forderung nach einer gerechteren Globalisierung. Er kritisiert die kapitalistische Logik, die Freiheit nur als Konsumstreben versteht und fordert eine "Scheidung" der "Ehe" von Demokratie und Kapitalismus.

Armut, Hunger, Raubbau und Ausbeutung sind für Hassan lösbare Probleme - wenn die Weltreligionen an einem Strang ziehen. "Menschliche Solidarität ist die fundamentale Ethik, die allen unseren Bestrebungen zugrunde liegen muss", schrieb er vor einigen Jahren in einem Gastbeitrag. In Zeiten, in denen Kritiker besonders die monotheistischen Glaubensrichtungen als Gefahr für den Weltfrieden bezeichnen, dürfte dies die richtige Losung sein. (KNA)

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