Präsidentschaftswahl in Nigeria von Pannen und Problemen überschattet

25.02.2019

Eigentlich hätte sie schon vor einer Woche stattfinden sollen. Doch die Wahl in Afrikas bevölkerungsreichstem Land Nigeria wurde spontan verschoben. Auch am letzten Samstag gab es beim Urnengang Pannen und sogar Tote.

In Nigeria gehen zwei Tage nach der Präsidentschaftswahl beide Spitzenkandidaten weiter von ihrem Sieg aus. Am Sonntagmorgen ließ ein Sprecher von Atiku Abubakar (72) von der Oppositionspartei People's Democratic Party (PDP) verkünden, dass der Sieg "zum Greifen nah" sei. Das berichtet die Zeitung "PM.News". Amtsinhaber Muhammadu Buhari (76) sagte nach seiner Stimmgabe am letzten Samstag in seinem Heimatort Daura im Bundesstaat Katsina: "Ich werde mir selbst gratulieren. Ich werde der Gewinner sein."

Von Anfang an war ein Kopf-an-Kopf-Rennen der Kandidaten vorhergesagt worden. Siegesbeteuerungen sowie ein knapper Ausgang könnten nun Spannungen in Afrikas einwohnerreichstem Staat, in dem mehr als 190 Millionen Menschen leben, weiter anheizen. Ohnehin war die Wahl von Pannen und Problemen überschattet worden. Nach Zählungen des Situation Rooms, einem Zusammenschluss zivilgesellschaftlicher Organisationen, kamen 16 Menschen durch Gewalt ums Leben. In mehreren Bundesstaaten wurden Wählerstimmen gekauft, so die Organisation. In der Hauptstadt Abuja wurden morgens um 10.00 Uhr zwölf Urnen, die bereits zur Hälfte mit Stimmzetteln gefüllt waren, weggebracht. Nach Wählerprotesten wurden jedoch neue beschafft.

Zusätzlich gab es zahlreiche Logistikprobleme. Vor dem Postgebäude in Area 10, das im Zentrum der Hauptstadt liegt, hat auch Wähler Richard Ofonagoro stundenlang auf seine Stimmabgabe warten müssen. "Ich wohne in Maraba, einem Viertel am Stadtrand. Um 5.00 Uhr bin ich heute Morgen losgefahren, um hier zu wählen." Doch um 8.00 Uhr, dem offiziellen Beginn der Präsidentschafts-, Senats- und Parlamentswahlen, war das schwere Metalltor noch verschlossen. Stattdessen mussten Helfer Plastiktische zusammenbauen, Urnen verplomben und Unterlagen verteilen. Ab 8.50 Uhr gaben hier die ersten Wähler ihre Stimmen ab. Im landesweiten Vergleich war das noch zeitig.

Nach Informationen der nichtstaatlichen Organisation Yiaga Africa, die im Rahmen der Beobachtermission "Watching the Vote" 3.906 Beobachter in alle Landesteile entsandt hat, waren bis 11.30 Uhr lediglich 74 Prozent aller Wahllokale geöffnet. In der Region Süd-Süd, Nigerias Ölregion, jedoch nur gut jedes zweite. Diese Verzögerung hat auch Maria Arena, Vorsitzende der Wahlbeobachtermission der Europäischen Union, bei ihrem ersten Treffen mit Journalisten angemerkt. Trotzdem seien "viele Nigerianer glücklich, ins Wahllokal gehen zu können".

Tatsächlich haben Wähler überwiegend ruhig und geduldig gewartet. Damit hatten Beobachter nach dem Debakel vom vergangenen Wochenende nicht gerechnet. Am 16. Februar verschob die unabhängige nationale Wahlkommission (INEC) den Urnengang nur sechs Stunden vor Beginn sieben Tage nach hinten. Enttäuschung und Wut waren überall im Land zu spüren. Den finanziellen Verlust bezifferte die Analyse-Plattform SBM Intel mit mehr als 2,2 Milliarden US-Dollar. Andere Analysten gingen von einer doppelt bis dreifach so hohen Summe aus. Die Sorge, dass viele Wähler zu Hause bleiben, war groß. Zwar hatten sich mehr als 84 Millionen registriert, ein Rekord; die Wählerkarten holten aber nur 72,7 Millionen auch ab.

In der Provinzhauptstadt Maiduguri im Nordosten waren zwei Stunden vor Öffnung der Wahllokale Explosionen zu hören. Später twittere die nigerianische Armee allerdings, es gebe keine Informationen über einen Anschlag. Vielmehr hätten die Schüsse einen "Sicherheitszweck" gehabt. Details wurden nicht bekannt. Der katholische Bischof von Maiduguri, Oliver Dashe Doeme, sagte, die Explosionen hätten die Bevölkerung nicht von der Stimmabgabe abgehalten. "Die Menschen wollen wählen gehen."

Ergebnisse aus einzelnen Wahllokalen sind bereits veröffentlicht worden. Aktuell rechnen Beobachter mit einem Endergebnis am Dienstag. (KNA)

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