Porträt Sven Lau alias «Abu Adam» - vom Feuerwehrmann zum Salafisten

16.12.2015

Einer der bekanntesten deutschen Islamisten ist erneut verhaftet worden. Sven Lau war Feuerwehrmann, bevor er zum Salafisten wurde. Terrorvorwürfe hatte «Abu Adam» stets zurückgewiesen. Von Frank Christiansen

Dass aus dem Umfeld des Salafisten auffällig viele junge Männer nach Syrien verschwinden, ist dem Verfassungsschutz schon vor geraumer Zeit aufgefallen. Doch Sven Lau (35) hat den Verdacht, mit Terroristen unter einer Decke zu stecken, immer weit von sich gewiesen. Nun hält ihn auch die Bundesanwaltschaft für einen Terror-Unterstützer. Am Dienstag klickten die Handschellen. Laus angebliches humanitäres Engagement für notleidende Muslime in der Krisenregion soll propagandistisch getarnte Terrorhilfe gewesen sein, berichten Sicherheitsbehörden.

Unter anderem soll Lau, der einer der bekanntesten Köpfe der Salafistenszene in Deutschland ist, den in Syrien kämpfenden Terrormilizen Nachtsichtgeräte organisiert haben, schreibt die Bundesanwaltschaft. Es ist allerdings nicht das erste Mal, dass Lau wegen des Vorwurfs der Terror-Helferschaft in Untersuchungshaft kommt. Im vergangenen Jahr kam er nach drei Monaten wieder frei – in einem Verfahren der Stuttgarter Staatsanwaltschaft ließ sich der Vorwurf nicht erhärten.

Internet-Videos zeigten ihn bereits im Jahr 2013 in Bürgerkriegsgebieten in Syrien. Auf einem Foto ist er sogar auf einem Panzer mit einer Kalaschnikow zu sehen. Er selbst hatte behauptet, dort zu humanitären Zwecken gewesen zu sein. Seinen Reisepass haben die Behörden inzwischen eingezogen. Der Konvertit klagte dagegen und verlor. Hinweisen zufolge hatte er sich erneut nach Syrien absetzen wollen.

Im vergangenen Jahr hatte er dann wieder im Inland für Schlagzeilen gesorgt: als Kopf der «Scharia-Polizei» in Wuppertal. Er ist in diesem Zusammenhang angeklagt, eine nicht angemeldete Demonstration geleitet zu haben. Den Auftritt der Salafisten in ihren Warnwesten mit der Aufschrift «Shariah Police» an sich beanstandete das zuständige Landgericht allerdings nicht. Die Aktion soll er aus der kleinen Hinterhof-Moschee «Darul Arqam» in Wuppertal gesteuert haben. Der Vermieter kündigte.

Doch was am Dienstag vor einem Ermittlungsrichter des Bundesgerichtshofs zur Sprache kommt, wiegt ohnehin weit schwerer: Lau sei die Anlaufstelle für Kampf- und Ausreisewillige aus der salafistischen Szene im Großraum Düsseldorf gewesen. Er soll auch Nachtsichtgeräte für IS-nahe Terroristen der Gruppe Jamwa organisiert haben. Der Tatvorwurf der Terror-Helferschaft ist mit bis zu zehn Jahren Haft belegt.

In der Schule tat sich Lau als Klassenclown und Fußballer hervor, berichtete er selbst einmal. Nach einer Lehre als Industriemechaniker war er dann hauptberuflich Feuerwehrmann in Mönchengladbach – fünf Jahre lang bis 2008 als Brandmeister.

Lau konvertierte zum Islam, radikalisierte sich und wurde bald mit Pierre Vogel zu einem der bekanntesten Gesichter des Salafismus in Deutschland.

Bis 2011 tummelte er sich als «Abu Adam» mit seinem Verein «Einladung zum Paradies» in Mönchengladbach. Junge Menschen auf der Suche nach dem Sinn des Lebens umwarb er für den extremistischen Salafismus. Anwohner liefen dagegen Sturm. Mit der Auflösung des Vereins kam er einem möglichen Verbot zuvor.

In den Vereinsräumen brannte es. Die Polizei ging zeitweise dem Verdacht nach, die Salafisten hätten das Feuer selbst gelegt. Danach war Lau für verschiedene salafistisch-extremistische Organisationen bundesweit aktiv, darunter auch das Koran-Verteiler-Netzwerk «Lies!».

Lau beruft sich auf einen 1400 Jahre alten Ur-Islam. Seine nach Syrien zum Kämpfen ausgereisten Bekannten bezeichnete er als «Märtyrer im Glauben», berichtet das NRW-Innenministerium. Er ist seit Jahren im Visier der Sicherheitsbehörden. Bis zu seiner Verhaftung am Dienstag lebte der Vater von fünf Kindern im Düsseldorfer Süden. Wovon, ist unklar. (dpa)

Mehr zum Thema Salafismus in Deutschland auf unserer Qantara-Themenseite

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.