Papst reist nach Ägypten: Im Namen des Friedens

21.04.2017

Vermutlich ist es eine der heikelsten Reisen seines Pontifikats: Ende des Monats kommt Papst Franziskus für zwei Tage nach Kairo - zehn Tage nach einem tödlichen Anschlag beim weltbekannten Katharinenkloster auf dem Sinai und knapp drei Wochen nach dem Blutbad in zwei Kirchen des Landes. Bei dem Besuch geht es auch um die Frage: Kann islamistischer Terror das relativ entspannte Zusammenleben von Christen und der muslimischen Mehrheit am Nil torpedieren?

Genau dieses Dialog-Feld möchte der Oberhirte aus Rom mit symbolträchtigen Zeichen beackern. Das offizielle Logo spricht Bände: Es zeigt Kreuz und Halbmond über Pyramiden, daneben Franziskus und eine weiße Taube. "Papst des Friedens im Ägypten des Friedens" lautet denn auch das Motto der Reise. Ein frommer Wunsch.

Nach den Attentaten auf Christen hat das Auswärtige Amt gerade erst seine Reisewarnung für Ägypten verschärft: "Es besteht landesweit ein erhöhtes Risiko terroristischer Anschläge." Vorbei die Zeit, als Ägypten für viele Deutsche ein Urlauber- und Taucherparadies war. Nun raten die Sicherheitsleute, Menschenmengen "unbedingt" zu meiden - insbesondere vor religiösen Stätten oder Universitäten. Wie Al-Azhar.

Franziskus wird diese angesehene islamische Uni besuchen, mit Großimam Ahmed Mohammed al-Tayyeb sprechen und dessen Ansprache auf einer hochkarätig besetzten Friedenskonferenz lauschen. Doch aus Sicherheitsgründen stehen mehrere Termine vorsorglich ohne jede Ortsangabe im Programm, etwa: 10.00 Uhr Heilige Messe, 12.15 Uhr Mittagessen mit Bischöfen. Insgesamt aber hält der Papst ungeachtet der Anschläge am geplanten Ablauf fest.

Denn das Kalkül der IS-Terrormiliz soll nicht aufgehen, die Unsicherheit schüren und das Miteinander der Religionen in ein Gegeneinander verwandeln will. So hat Rom die Reise bestätigt, auch wenn in Ägypten mittlerweile der Ausnahmezustand gilt. Kairo habe für die Visite am 28. und 29. April bestmögliche Vorbereitung zugesichert, betonte ein Vatikanvertreter im "Corriere della Sera". Kurienerzbischof Giovanni Angelo Becciu wörtlich: "Wir fahren entspannt."

Auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) schlenderte Anfang des Jahres tiefenentspannt durch die Markus-Kathedrale in Kairo - und lobte die dortige Religionspolitik als "beispielhaft". Doch die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und andere Menschenrechtler zeichnen ein düsteres Bild. Sie kritisieren anhaltende Gewalt gegen die christliche Minderheit, sogar während der Gottesdienste. Kurz vor Weihnachten kamen bei einem Attentat in einer Kirche 27 Menschen ums Leben, kurz vor Ostern dann der Doppelanschlag mit mindestens 44 Toten.

In Ägypten gingen die Polizisten vor Kirchen ihrer Arbeit nicht konsequent genug nach, kritisiert der koptisch-orthodoxe Bischof in Deutschland, Anba Damian. Christen würden "wie Insekten behandelt". Rund zehn Prozent der knapp 95 Millionen Einwohner sind Christen, meist Mitglieder der koptisch-orthodoxen Kirche. Unter strengen Vorschriften dürfen sie ihren Glauben ausüben und Gotteshäuser bauen. Aber ob im dritten Amtsjahr von Staatspräsident Abdel Fattah al-Sisi Religionsfreiheit herrscht, bleibt umstritten.

Zwar bemüht er sich, die Lage für Nicht-Muslime zu verbessern und geht auch bei Trauerfeiern demonstrativ auf Christen zu. Doch die Verfassung von 2014 nennt (bei aller religiösen Freiheit) den Islam als Staatsreligion und die Scharia als Hauptquelle der Rechtsprechung.

Angesichts des Terrors äußerte Kardinal Reinhard Marx den Wunsch, dass "Muslime und Christen gemeinsam sagen: Niemals Gewalt im Namen Gottes". Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz sagte im Deutschlandfunk: "Es ist keine Frage, dass sich diese Terroristen auf den Islam berufen." Daher müssten muslimische Verantwortliche "mit dafür sorgen, dass das nicht möglich ist."

Unterdrückte Christen stärken, auf friedvolle Muslime zugehen und islamistischen Terroristen trotzen - für Papst Franziskus dürften die Tage in Kairo alles andere werden als ein Kurzurlaub. Trotz des angenehmen Klimas mit knapp 30 Grad, das ihn dort erwartet. (KNA)

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