Omanischer Sultan Kabus gestorben - Cousin wird neuer Herrscher

12.01.2020

Sultan Kabus holte den Oman aus der Rückständigkeit und verwandelte das Land in einen modernen Staat. Nun starb der ebenso geliebte wie absolute Herrscher. Nach seinem Tod wurde ein Brief mit seinem letzten Willen geöffnet - und sein Cousin wird zum Nachfolger. Von Benno Schwinghammer und Jan Kuhlmann

Im Oman hat nach dem Tod von Sultan Kabus bin Said sein Cousin die Macht übernommen. In einem reibungslosen Übergang legt Haitham bin Tarik Al Said am Samstag seinen Eid ab, wie die Regierung in der Hauptstadt Maskat mitteilte. Der im Oman äußerst beliebte Kabus, der das ölreiche Land im Südosten der Arabischen Halbinsel fast 50 Jahre lang regierte, hatte seinen Cousin in seinem letzten Willen selbst zum Nachfolger bestimmt. Kabus starb im Alter von 79 Jahren nach schwerer Krankheit. Er soll Krebs gehabt haben. Im Oman wurde eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen.

Der Mann mit dem akkurat gestutzten weißen Bart war so lange an der Macht wie kein anderer Herrscher der arabischen Welt. Er hatte das Sultanat Oman fast fünf Jahrzehnte im Alleingang regiert und von einem rückständigen Landstrich in einen modernen, prosperierenden Staat verwandelt. «In tiefer Trauer und mit großem Schmerz gibt der königliche Hof den Tod von Sultan Kabus bekannt», hieß es in einer offiziellen Mitteilung.

Der Monarch hatte weder Kinder noch Brüder. Seinen Nachfolger legte er in einem Brief fest, den der Verteidigungsrat in Anwesenheit von Mitgliedern der Herrscherfamilie öffnete. Dort war der letzte Wille des Verstorbenen festgehalten. Der 65 Jahre alte neue Sultan Haitham war bisher Kulturminister. In seiner ersten Rede sagte er zu, die Politik seines Vorgängers fortzusetzen und sich wie dieser nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen.

Als sich Kabus 1970 an die Macht putschte und seinen Vater aufs Altenteil verbannte, hatte das Land gerade einmal zehn Kilometer asphaltierte Straße. Heute zählen Straßen, kostenlose medizinische Versorgung und beitragsfreie Schulen zu den Errungenschaften der Ära Kabus. Dazu kamen Renten für Alte, Witwen und Waisen sowie ein Mindestlohn. Erdöl hat den Oman und seine Bewohner wohlhabend, aber nicht größenwahnsinnig gemacht.

Der arabische Aufstand 2011 ging fast spurlos an dem Sultanat vorbei. Menschenrechtler beklagen jedoch fehlende Meinungsfreiheit und die Verhaftung von Regierungskritikern in dem autokratisch regierten Land. International positionierte Kabus den Oman als Vermittler zwischen dem Iran und dem Westen, etwa beim Atomabkommen, aber auch im Jemen-Konflikt. Hintergrund ist, dass sich der Oman einen Namen als «Schweiz des Nahen Ostens» gemacht hatte und als neutral gilt.

Inoffiziell soll der Oman auch Kontakte zu Israel pflegen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete Kabus als «herausragenden Anführer», der den Oman zu einem «bedeutenden und fortschrittlichen» Land gemacht habe. Außenminister Israel Katz nannte ihn ein «schillerndes Beispiel für jemanden, der sein ganzes Leben für sein Volk und den Frieden gearbeitet hat».

Kabus wurde noch am Samstag im Familiengrab beerdigt. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) erklärte: «Wir trauern um einen großen Staatsmann.» Die Europäische Union sicherte dem Oman die weitere Zusammenarbeit zu. US-Präsident Donald Trump kondolierte den Menschen im Oman und zeigte sich betroffen.

Kabus, der am 18. November 1940 geboren wurde, hatte sich immer wieder in Garmisch-Patenkirchen aufgehalten, wo er ein Anwesen besaß. Im Dezember war er auch noch ins belgische Löwen gereist, um sich im dortigen Universitätskrankenhaus behandeln zu lassen. Es hieß, er habe Darmkrebs. Die Behandlung sollte bis Ende Januar dauern, doch schon nach wenigen Tagen flog der Sultan zurück in seine Heimat. In vergangenen Jahren zeigte er sich kaum noch öffentlich.

Der neue Sultan steht vor großen Herausforderungen. Ähnlich wie in Saudi-Arabien besteht sein Haushalt zum allergrößten Teil aus den Einnahmen, die der Ölreichtum dem Land beschert. Der dürfte eines Tages zu Ende gehen. Die Region bleibt zudem konfliktreich. Die Iran-Krise und den Bürgerkrieg im benachbarten Jemen erlebt der Oman aus unmittelbarer Nähe. Wie sein Vorgänger will Sultan Haitham als Vermittler auftreten und gute Beziehungen zu allen pflegen. (dpa)

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