Ölpreise mit stärkstem Einbruch seit Golfkrieg 1991

10.03.2020

Der Streit um die Fördermengen zwischen der Opec und seinen Partnern vor dem Hintergrund der Coronavirus-Krise lassen den Ölpreis abstürzen. Wenn Saudi-Arabien seine Ölproduktion erhöhen sollte, könnte es noch schlimmer kommen. Von Bernhard Funck

Zum Wochenauftakt sind die Rohölpreise so stark abgestürzt wie seit fast 30 Jahren nicht mehr. Nach gescheiterten Verhandlungen führender Förderstaaten über eine Drosselung der Produktion befürchten Investoren einen Preiskrieg. Zudem belastet die Corona-Krise immer mehr. Die internationalen Börsen brachen am Montag massiv ein.

Die Ölpreise gingen zum Wochenbeginn in einen historischen Sinkflug über und gaben zwischenzeitlich um etwa ein Drittel nach. Es war der stärkste Tagesrückgang seit dem Golfkrieg im Jahr 1991. Damals waren die Ölpreise nach der irakischen Invasion in Kuwait zunächst stark gestiegen. Als sich am Ölmarkt aber keine Engpässe gezeigt hatten, waren die Notierungen schnell gefallen.

Am Montagabend lagen die Rohölpreise etwa 20 Prozent niedriger als am Freitag. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete zuletzt 36,37 US-Dollar. Damit lag der Preis 8,90 Dollar niedriger als am Freitag. Der Preis für amerikanisches Rohöl der Sorte WTI sackte um 7,98 Dollar ab auf 33,30 Dollar.

Im Tief wurden am Montag die niedrigsten Ölpreise seit Anfang 2016 erreicht. Ursache des Einbruchs waren die gescheiterten Verhandlungen des Ölkartells Opec mit den in der Opec+ vereinten Förderländern wie Russland. Am vergangenen Freitag konnten sich die Verhandlungspartner auf keine zusätzliche Förderkürzung einigen. Selbst eine Verlängerung der bestehenden Förderbeschränkung fehlte in der Abschlusserklärung der beteiligten Staaten.

Hintergrund ist ein Streit zwischen Saudi-Arabien und Russland über die künftige Fördermenge, der zu eskalieren scheint. So will Saudi-Arabien seine Förderung hochfahren und zudem Kunden vor allem in Asien große Zugeständnisse bei den Preisen machen. Das dürfte andere Ölriesen wie Russland ebenfalls provozieren, über eine höhere Fördermenge und Preissenkungen nachzudenken.

Der Preiskampf trifft den Rohölmarkt in einer Phase, in der ohnehin ein starkes Überangebot erwartet wird. Grund ist die sich ausweitende Corona-Krise, die sich deutlich auf die Rohölnachfrage auswirken dürfte. Die Internationale Energieagentur IEA prognostiziert jetzt für das ganze laufende Jahr eine rückläufige Nachfrage, nachdem sie diese Entwicklung bisher nur im ersten Quartal erwartet hatte. Einen derartigen Nachfrageeinbruch hatte es letztmalig nach der globalen Finanzkrise im Rezessionsjahr 2009 gegeben.

Probleme dürfte der Preiseinbruch auch vielen amerikanischen Ölanbietern bereiten, deren Förderkosten im internationalen Vergleich relativ hoch liegen. Zudem sind viele der sogenannten «Fracker» hoch verschuldet, was ihr finanzielles Durchhaltevermögen in Zeiten niedriger Ölpreise in Frage stellt. Ölexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank rechnet daher mit einem fallenden Ölangebot außerhalb der Opec, insbesondere in den USA. Mittelfristig dürften die Rohölpreise daher wieder steigen. (dpa)

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