Nach Massaker von Christchurch: Brenton Tarrant verzichtet auf Anwalt

18.03.2019

Der mutmaßliche Attentäter von Christchurch will sich vor Gericht selbst verteidigen. Der australische Rechtsextremist Brenton Tarrant habe angegeben, dass er keinen Anwalt wolle, sagte der Pflichtverteidiger Richard Peters am Montag. In Christchurch wurde zudem ein 18-Jähriger angeklagt, weil er das Live-Video des Anschlags verbreitet hatte. Die neuseeländische Regierung verständigte sich derweil auf eine Verschärfung der Waffengesetze.

"Er will sich in diesem Fall selbst verteidigen", sagte Tarrants Pflichtverteidiger Richard Peters. Spekulationen, wonach der 28-Jährige nicht zurechnungsfähig sein könnte, wies er zurück: Der Australier habe auf ihn "rational" gewirkt und nicht wie jemand, der an einer mentalen Krankheit leide. "Er schien zu verstehen, was los ist", sagte Peters.

Tarrant wird vorgeworfen, am Freitag zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch gestürmt und das Feuer auf die Gläubigen eröffnet zu haben. 50 Menschen wurden getötet, dutzende weitere verletzt. Seine Bluttat übertrug er live im Internet. Tarrant wurde festgenommen und des Mordes beschuldigt.

Ein 18-Jähriger, der das Live-Video des Anschlags in der Al-Noor-Moschee verbreitete, wurde am Montag ebenfalls angeklagt. Der junge Mann, dessen Name nicht genannt wurde, muss sich zudem wegen der Veröffentlichung eines Fotos der Moschee und dem Satz "Ziel erreicht" sowie wegen Anstachelung zu Gewalt verantworten.

Die Ermittler gehen bislang nicht davon aus, dass der 18-Jährige direkt in die Anschläge verwickelt ist. Richter Stephen O'Driscoll erklärte, Details zu den Vorwürfen würden nicht öffentlich gemacht. Laut Staatsanwaltschaft drohen dem jungen Mann bis zu 14 Jahre Haft pro Anklagepunkt. Eine Freilassung auf Kaution lehnte der Richter ab.

In Australien wurden unterdessen zwei Wohnungen in Verbindung zu dem mutmaßlichen Attentäter durchsucht. Wie die Polizei mitteilte, erfolgten die Durchsuchungen in den Orten Sandy Beach und Lawrence im Bundesstaat New South Wales nahe der Ortschaft Grafton, aus welcher Tarrant stammt.

Das "vorrangige Ziel" der Durchsuchungen sei die Suche nach Material, "das der neuseeländischen Polizei in den laufenden Ermittlungen helfen kann", erklärte die australische Polizei. Tarrants Familie unterstütze die Polizei weiter bei den Ermittlungen.

Tarrant verbrachte seine Jugend in Grafton. In den vergangenen zehn Jahren reiste er viel ins Ausland. Zuletzt lebte er im neuseeländischen Dunedin.

Australiens Innenminister Peter Dutton sagte am Montag, Tarrant habe in den vergangenen drei Jahren lediglich 45 Tage in Australien verbracht. Er habe auf keiner Gefährderliste gestanden.

Kritik, wonach die australischen Sicherheitsbehörden die Bedrohung durch Rechtsextremisten wie Tarrant vernachlässigt und sich verstärkt auf Islamisten konzentriert habe, wies Dutton zurück. Die Behörden verfolgten die Aktivitäten rechtsgerichteter Gruppen genau. Australiens Premierminister Scott Morrison kündigte unterdessen zusätzliche Mittel für den Schutz religiöser Einrichtungen vor möglichen Anschlägen an.

Der Chef der Waffenverkaufskette Gun City in Neuseeland, David Tipple, bestätigte am Montag, dass er Tarrant vier Schusswaffen und Munition verkauft habe. Die halbautomatische Waffe, die er bei den Anschlägen nutzte, stamme aber nicht aus seinem Handel. Es sei "nicht Außergewöhnliches" an Tarrants Waffenschein entdeckt worden, er fühle sich auch nicht für die Opfer der Anschläge verantwortlich, sagte Tipple.

Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern teilte am Montag mit, das Kabinett habe sich "prinzipiell" auf eine Verschärfung der Waffengesetze verständigt. Die Reformen würden in den kommenden Tagen vorgestellt.

In Christchurch wurden unterdessen dutzende Gräber für die Anschlagsopfer ausgehoben. Wann die Beisetzungen beginnen können, ist angesichts der gerichtsmedizinischen Untersuchungen aber noch unklar. Ardern erklärte, sie gehe davon aus, dass die Toten bis Mittwoch ihren Familien übergeben werden könnten. (AFP)

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare zu kürzen oder nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.