Muslimvertreter debattieren über Organisationsformen

05.12.2018

Vertreter verschiedener Islamverbände und der evangelischen Kirche haben am Montag in Frankfurt am Main über zukünftige Organisationsformen der Muslime in Deutschland debattiert. Die Zukunft liege in föderalen, demokratischen Verbänden, sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, auf einer Fachtagung. Die Verbände müssten sich als Dienstleister sowohl der Moscheegemeinden als auch der Gesellschaft verstehen.

In Zukunft werde es vielleicht einen deutschen Islamischen Religionsrat geben, der den bisherigen Koordinationsrat der Muslime von vier Dachverbänden ersetze, sagte Mazyek. Imame für die Muslime in Deutschland sollten am besten in Deutschland ausgebildet werden, sagte der Zentralratsvorsitzende. In der Zukunft werde es auch Imaminnen geben, da gebe es keine theologischen Probleme.

Die Frage der Finanzierung sei Aufgabe der Politik. «Die Politik darf nicht nur nein sagen», sagte Mazyek. Eine Möglichkeit sei, dass der Staat Islamwissenschaftler zur Hälfte als Lehrer anstelle und Moscheegemeinden zur Hälfte als Imame. Mazyek forderte die Kirchen auf, sich stärker für die Muslimverbände einzusetzen. «Seid bitte nicht nur Zaungäste», sagte er. Nur die Dachverbände der Muslime mit Ausnahme des Zentralrats seien gut finanziert. «Alle Moscheegemeinden sind unterfinanziert bis sträflich alleingelassen.»

Engin Karahan von dem Verein Alhambra-Gesellschaft in Köln, früher stellvertretender Generalsekretär von IGMG (Milli Görüs), plädierte für eine einheitliche islamische Religionsgemeinschaft in Deutschland. Unter sunnitischen Muslimen, weitgehend auch mit schiitischen, gebe es eine «Bekenntniseinheit», sagte er. Unterschiede lägen eher in der Herkunft. Es habe bereits vor Jahren den Versuch gegeben, eine «Islamische Glaubensgemeinschaft in Deutschland» zu schaffen, die aber nicht realisiert worden sei.

Der Ditib-Abteilungsleiter für Außenbeziehungen, Zekeriya Altug, wies den Vorschlag einer deutschen Moscheesteuer ab. Wenn Ditib die Finanzierung aus der Türkei fehle, müssten Hunderte von Moscheen schließen oder könnten nur ein Freitagsgebet anbieten, sagte er. Er gestand ein, dass Religionsgemeinschaften transparenter sein müssten. Seinen Verband, Ableger der türkischen Religionsbehörde Diyanet, die den Vorsitzenden stellt, nannte er «basisdemokratisch organisiert». Muslime müssten ihren Weg selbstständig gehen und dürften sich nicht bevormunden lassen.

Der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung sagte, die Zukunft der Religionsgemeinschaften hänge mit daran, welchen Beitrag sie in der Gesellschaft leisten, um Herausforderungen der Zukunft wie die Klimaerwärmung zu bewältigen. Religionsgemeinschaften müssten beweisen, dass sie Gestaltungskraft und Friedensfähigkeit haben. Die evangelische Kirche verstehe sich als ein Akteur in der Zivilgesellschaft.

An der Fachtagung «Zukunftsaussichten für Religionsgemeinschaften und ihre organisationsformen», die vom Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam der Universität Frankfurt und dem Zentrum Oekumene der evangelischen Landeskirchen in Hessen veranstaltet wurde, nahmen rund 30 islamische und christliche Vertreter teil. (epd)

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