Muslime in den USA nach der Präsidentenwahl - Angst vor Donald Trump

24.11.2016

Unter Muslimen in den USA geht die Angst um. Und das laut aktuellen Zahlen nicht ganz ohne Grund: Seit der Republikaner Donald Trump Anfang November ins Weiße Haus gewählt wurde, hat das "Southern Poverty Law Center", eine gemeinnützige Organisation gegen Rassismus, landesweit mehr als 700 Fälle "hasserfüllter Belästigung und Bedrohung" registriert. Zu den aus Berichten in Presse und sozialen Medien gesammelten Vorfällen gehören etwa Trump-Anhänger, die Frauen mit Kopftuch attackierten.

Zaineb Abdulla beschloss, dass sie etwas gegen solche Taten unternehmen müsse. Die Vizepräsidentin der Organisation "Deaf Planet Soul" in Chicago drehte ein Video: Darin zeigt sie, wie Frauen sich verteidigen können, wenn jemand versucht, ihnen von hinten das Kopftuch wegzureißen. Innerhalb weniger Tage erzielte das Selbstverteidigungs-Video auf Youtube mehr als 3,5 Millionen Klicks. Die Plätze für ihre beiden im Dezember geplanten Seminare zum Thema hätte die zierliche 24-Jährige mit irakischen Wurzeln gleich mehrfach vergeben können.

Die beachtliche Resonanz auf das Video geht einher mit neuen Zahlen der US-Bundespolizei FBI. Die registrierte bereits für das Jahr 2015 eine Zunahme "antimuslimischer" Straftaten. So habe es im vergangenen Jahr landesweit 257 einschlägige Fälle gegeben, ein Anstieg von 67 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Zareena Grewal, Religionsexpertin der Elite-Universität Yale, wirft sich vor, die Ausfälle Trumps im Wahlkampf "nicht ernst genug" genommen zu haben. Leider sei nun unübersehbar, dass "Leute vom äußersten Rand der amerikanischen Politik ins Zentrum vorrücken".

Die ersten Personalentscheidungen Trumps bei der Regierungsbildung tragen dazu bei, die Angst unter Muslimen zu schüren. So etwa der Entschluss des künftigen Präsidenten, den ehemaligen Chef des Militär-Geheimdienstes Michael Flynn zum Nationalen Sicherheitsberater zu machen. Dessen islamkritische Äußerungen haben ihm unter Kollegen einen zweifelhaften Ruf eingebracht. Anfang des Jahres twitterte Flynn, es sei "rational", Angst vor Muslimen zu haben. "Der Islam ist eine politische Ideologie", so Flynn, "wie ein bösartiger Krebs".

Der künftige Direktor der CIA, Mike Pompeo aus Kansas, machte mit ähnlichen Äußerungen auf sich aufmerksam. Er hielt den muslimischen Funktionären der USA vor, "sich mitschuldig an Terrorattacken zu machen", weil sie diese nicht ausreichend verurteilten.

Trumps künftiger Chef-Berater im Weißen Haus, Stephen Bannon, machte sich als Geschäftsführer von "Breitbart" einen Namen als Sprachrohr der "alternativen Rechten". Der Anwärter auf den Posten des Justizministers, Jeff Sessions, derzeit Senator von Alabama, befürwortet einen Einreise-Stopp für Muslime.

Der Leiter des Rats für Amerikanisch-Islamische Beziehungen (CAIR), Nihad Awad, zeigt sich besorgt über diese Weichenstellungen. "Personalentscheidungen sagen etwas über die künftige Politik aus", sagt er. "Wir dürfen gespannt sein, was als Nächstes kommt." Die muslimische Gemeinschaft sei von Trumps Gnade abhängig.

Besonders beunruhigt die Vertreter der Muslime, dass die neue US-Regierung womöglich erwägt, muslimische Gläubige zur Terrorabwehr in einem speziellen Register zu erfassen. Trumps künftiger Stabschef im Weißen Haus, Reince Priebus, widersprach zwar derartigen Meldungen, wollte aber auch nichts definitiv ausschließen.

Yale-Professorin Grewal sagt, sie erhalte inzwischen jeden Tag Anrufe von Menschen, die ihr von Übergriffen berichteten: "Die Leute sorgen sich um ihre Sicherheit." Eine ähnliche Erfahrung machte auch Zaineb Abdulla, nachdem sie ihr Video im Internet hochgeladen hatte. Sie versucht dennoch, der Wahl Trumps eine positive Seite abzugewinnen: "Die gute Nachricht ist, dass er ganz verschiedene Gruppen zusammengebracht hat." Es gebe viele Verbündete bei der Abwehr von Übergriffen. (KNA)

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