Mesale Tolu zu Fortsetzung ihres Prozesses in Istanbul

16.10.2018

In der Türkei ist am Dienstag der Prozess gegen die deutsche Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu in ihrem Beisein fortgesetzt worden. Sie wolle sich persönlich für einen Freispruch einsetzen, sagte Tolu vor der Anhörung im Istanbuler Justizpalast Caglayan. Dort muss sich auch ihr Ehemann Suat Corlu verantworten, gegen den eine Ausreisesperre verhängt wurde.

"Ich habe von Anfang gesagt, dass ich mich selbst für meinen Freispruch einsetzen will", sagte Tolu, als sie an der Seite ihres Mannes vor dem Gericht eintraf. "Die Leute, die heute hier sind, leben ja auch mit diesem Risiko. Ich will auch an der Seite meines Manns sein und für die Aufhebung seiner Ausreisesperre vor Gericht stehen." Neben Tolu und Corlu sind in dem Verfahren 21 weitere Menschen angeklagt.

Der deutsche Generalkonsul Michael Reiffenstuel und die Grünen-Abgeordnete Margit Stumpp nahmen als Beobachter an dem Prozess teil. "Formal gesehen ist es ein rechtsstaatliches Verfahren, aber wir kennen ja die Verhältnisse in der Justiz, und da habe ich persönlich große Bedenken", sagte Stumpp. Mit ihrer Präsenz wolle sie Unterstützung für die Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit in der Türkei zeigen.

Tolu war im April 2017 in ihrer Istanbuler Wohnung festgenommen worden und verbrachte mehrere Monate in Untersuchungshaft, ehe sie im Dezember 2017 schließlich freikam. Erst im August wurde die Ausreisesperre gegen sie aufgehoben, so dass sie zu ihrem kleinen Sohn nach Deutschland zurückkehren konnte. Ihr Mann Corlu, der im selben Verfahren angeklagt ist, darf jedoch weiterhin die Türkei nicht verlassen.

Tolu werden Terrorpropaganda und Unterstützung einer Terrororganisation vorgeworfen. Ihr drohen bis zu 25 Jahre Haft. Die Inhaftierung Tolus und anderer deutscher Staatsbürger wie des "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel und des Menschenrechtlers Peter Steudtner haben die deutsch-türkischen Beziehungen schwer belastet. Auch nach ihrer Freilassung sitzen weiterhin mehrere Deutsche aus politischen Gründen in Haft. (AFP)

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